Ernste Themen und Format-Vielfalt Das sind die Nominierten für den Grimme Online Award 2023

Köln · 28 Online-Angebote sind für den diesjährigen Grimme Online Award nominiert. Viele ernste Themen prägen die Auswahl, auch Joko und Klaas sind unter anderem dabei.

 Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik und wird seit 2001 verliehen (Symbolbild).

Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik und wird seit 2001 verliehen (Symbolbild).

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Für den Grimme Online Award sind in diesem Jahr 28 Internetangebote nominiert, die aus rund 800 Einreichungen ausgewählt wurden. Inhaltlich prägen ernste Themen den Wettbewerb für herausragende Online-Publizistik, wie die Nominierungskommission am Freitag in Köln mitteilte. Die Bandbreite reiche von den Protesten im Iran und dem russischen Krieg gegen die Ukraine bis hin zum Klimawandel und zur Hochwasserkatastrophe 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Von der App über „Scrollytellings“, interaktive Angebote und Podcasts bis zu Social-Media-Formaten sei zudem eine beeindruckende Vielfalt der Darstellungsformen vertreten.

„Die Nominierten 2023 bestechen durch ihre Bandbreite an Themen, durch innovative Umsetzungen und kreative Darstellungsweisen“, erklärte die Direktorin des Grimme-Instituts in Marl, Frauke Gerlach. Sie bewiesen mit beeindruckenden Rechercheleistungen und interaktiven Formaten, wie guter Journalismus im Netz funktioniere. Alles in allem handle es sich um „ein hochklassiges Nominierungsjahr, dessen Inhalte informieren, aufwühlen, manchmal zum Lachen bringen oder auch zum Nachdenken anregen“.

Der undotierte Grimme Online Award wird in vier Kategorien vergeben, bis zu acht Preisträgerinnen und Preisträger können ausgezeichnet werden. Mit der Nominierung begann zudem die Abstimmung zum Publikumspreis. Verliehen werden die Preise am 15. Juni in der Flora, dem Botanischen Garten der Stadt Köln.

Nominiert wurde etwa Esra Karakaya in der Kategorie Information mit ihrem TikTok-Kanal „Karakaya Talks“, sie war bereits 2020 ausgezeichnet worden. Mit einem divers besetzten Team greife sie vielfach Themen auf, die in traditionell besetzten Redaktionen schnell übersehen würden, hieß es. In der Kategorie Spezial sind unter anderem TV-Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf vorgeschlagen. Sie übertrugen ihre Instagram-Kanäle an die Iran-Aktivistinnen Azam Jangravi und Sarah Ramani, um auf deren Kampf für Frauenrechte aufmerksam zu machen.

Nominiert wurden auch inklusive Medienprojekte, „bei denen Menschen mit Behinderung über Themen berichten, die sie besonders betreffen, und diese so allen zugänglich machen“, wie die Nominierungskommission erklärte. Beispiele seien das österreichische Angebot „andererseits“ und der Instagram-Kanal „Hand drauf“ des WDR für das ARD-Jugendangebot funk. In der Kategorie Wissen und Bildung ist etwa das interaktive Netzangebot „Keeping Memories“ der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg vorgeschlagen. Es eröffnet anhand der Biografien ehemaliger Gefangener die Möglichkeit, die Lebensgeschichten dieser Menschen mithilfe unterschiedlicher Quellen kennenzulernen.

Ein Multimedia-Feature über die systematische Vermittlung ukrainischer Flüchtlinge in Schwarzarbeit in Deutschland ist für den Grimme Online Award 2023 nominiert worden. Am Beispiel eines Jobvermittlers und der jungen Ukrainerin Anastasiia decke das Format das ausbeuterische Geschäftsmodell auf, hieß es am Freitag bei der Bekanntgabe der Nominierungen in Köln. Dokumente, Social-Media-Auszüge, Chat-Nachrichten, Illustrationen und als Audio integrierte O-Töne belegten die Recherche von Business Insider Deutschland.

Ebenfalls nominiert wurde „Fake News - Russische Propaganda für Anfänger“ aus der Arte-Mediathek. Hier geht es darum, wie das russische Staatsfernsehen mit gezielten Fehlinformationen die öffentliche Meinung über den Angriff auf die Ukraine steuert. Eine weitere Nominierung erhielt die Recherche „Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“ von Correctiv.Lokal. Sie decke Missstände auf und lasse Betroffene selbst zu Wort kommen. Eine umfassende Datenbank informiert darüber, welche Kliniken Abbrüche vornehmen.

(boot/epd)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort