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Gewitter NRW: Superzelle und Unwetter wie bei Sturm Ela am Freitag

Gewitterfront reicht von Paris bis Belgien : „Eine Situation wie bei Sturm Ela ist heute vorstellbar“

Am Freitag wird die Unwetterlage in NRW wohl mehrere Stunden anhalten. Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst sagt, warum die Gewitterfront lebensgefährlich ist und Auswirkungen haben kann wie „Ela“ vor einigen Jahren. Und er erklärt, was es mit den Superzellen auf sich hat.

Die Menschen in vielen Regionen Nordrhein-Westfalens müssen sich am Freitag auf heftige Unwetter einstellen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet ab den frühen Nachmittagsstunden mit starken Unwettern, die im gesamten Bundesland auftreten könnten. Andreas Friedrich, Diplommeteorologe beim DWD, sagt, was auf NRW zukommt.

Was kommt auf NRW zu?

Andreas Friedrich: Eine riesige Superzelle befindet sich gerade über Paris und reicht bis zur belgischen Grenze. Sie kommt zwischen 13 und 14 Uhr im Westen von NRW an. Das sehen wir aktuell in unseren Modellen. Wie lokal die Auswirkungen sind, können wir aber jetzt auch noch nicht sagen.

Wird es gefährlich?

Friedrich: Ja! Es kann lebensgefährlich werden. Es kann sein, dass sich heute Nachmittag ein ähnlicher Gewitterkomplex über NRW ausbreitet wie bei Tief Ela an Pfingsten vor einigen Jahren, wo es Tote gab. Diese Situation ist am Freitagnachmittag vorstellbar.

Am Donnerstag zogen die Unwetter schnell über NRW. Wie sieht es am Freitagnachmittag aus?

Friedrich: Es wird am Freitag nicht schnell wegziehen, weil es riesige Gebiete sind. Das Gewitter reicht gerade von Paris bis an die Grenze von Belgien. Diese Cluster ziehen über ein bis drei Stunden über eine Region hinweg. Man muss damit rechnen, dass es über Stunden Starkregen und Hagel geben wird. Und natürlich Blitzeinschläge. Die Sturmböen und Orkane sind hingegen immer am Anfang eines solchen Gewittergebiets.

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Was ist das Besondere an den Superzellen?

Friedrich: Sie sind die gefährlichsten Gewitter, die wir kennen in der Atmosphäre. Sie sind besonders langlebig und halten sich zum Teil über Stunden. Sie rotieren in sich leicht und sind mit der Höhe geneigt. Man hat praktisch nicht so den üblichen senkrechten Gewitterturm, der über einem Gebiet steht. Sondern in der Höhe ist die Neigung da. Das heißt, dass die Vorderkante dieser Wolken vor dem eigentlichen Niederschlagskern am Boden liegt.

Warum halten sich diese Cluster so lange?

Friedrich: Diese Zellen können sich immer wieder regenerieren. Sie bringen von der Dynamik her alles mit, so dass Hagel, Tornados und Orkanböen entstehen können. Es bestehen dabei unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen. Wo sie sich bilden, können unsere Modelle noch sehr schwer hervorsagen. Es ist so wie bei einem Kochtopf auf eingeschaltetem Herd: Irgendwann blubbern die Blasen. Aber wo die dann genau als erstes hochblubbern, das kann man nicht vorhersagen. Ein Schmetterlingsschlag weit weg kann darüber entscheiden, ob die Superzelle am Nachmittag über Mönchengladbach oder Köln zieht.

Sind „Superzellen“ häufig?

Friedrich: Die Superzellen haben noch nichts mit der Klimaerwärmung zu tun. Aber sie können bei wärmerem Klima heftiger werden, weil eine wärmere Atmosphäre mehr Energie umsetzen kann. So werden Superzellen noch gewaltiger und kräftiger. Sie treten im Sommer immer wieder auf. Das ist ein Phänomen, das wir bei jeder Schwergewitterlage beobachten.

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