Käse 94 Prozent teurer Discounter Penny verlangt für neun Produkte „wahre Preise“

Köln · Ab Montag verlangt Penny für neun seiner mehr als 3000 Produkte eine Woche lang die „wahren Preise“: Das ist der Betrag, der Berücksichtigung aller durch die Produktion verursachten Umweltschäden eigentlich berechnet werden müsste.

Zwei Preisschilder hängen im Kühlregal vor einer Packung mit Wiener Würstchen: Eigentlich wurden sie für 3,19 Euro verkauft, ihr „wahrer Preis“ sind laut Penny 6.01 Euro.

Zwei Preisschilder hängen im Kühlregal vor einer Packung mit Wiener Würstchen: Eigentlich wurden sie für 3,19 Euro verkauft, ihr „wahrer Preis“ sind laut Penny 6.01 Euro.

Foto: dpa/Oliver Berg

Es ist ein gewagtes Experiment: Der Discounter Penny bietet ab Montag vorübergehend neun Produkte zum „wahren Preis“ an. Die Umweltfolgekosten sind mit einberechnet. Diese unsichtbaren Kosten fallen entlang der Lieferketten zwangsläufig an, spiegeln sich aber nicht oder nur anteilig im Verkaufspreis wider, wie der Penny-Mutterkonzern Rewe am Sonntag mitteilte. Die Differenz zwischen den Preisen will das Unternehmen spenden.

Penny arbeitet für die Aktionswoche „Wahre Kosten“ mit der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben für Fruchtjoghurt, Käse, Würstchen und das vegane Schnitzel die Auswirkungen auf Boden, Klima, Wasser und Gesundheit berechnet. Ihr Ergebnis: Bio-Lebensmittel haben Umweltfolgekosten von durchschnittlich 1,15 Euro pro Einheit, konventionell erzeugte Lebensmittel von 1,57 Euro und das vegane Schnitzel von 14 Cent.

Im Einzelnen liegen der Verkaufspreis und der wahre Preis damit sehr weit auseinander: Beim konventionellen Maasdamer beträgt der Unterschied etwa 94 Prozent, beim Wiener Würstchen 88 Prozent. Penny wolle mit der Kampagnenwoche „Bewusstsein schaffen“ zu den wahren Kosten, erklärte Penny-Chef Stefan Görges. „Wir müssen uns der unbequemen Botschaft stellen, dass die Preise unserer Lebensmittel, die entlang der Lieferkette anfallen, die Umweltfolgekosten nicht widerspiegeln.“

Die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Amelie Michalke von der Universität Greifswald versicherte, es gehe nicht darum, die wahren Kosten unmittelbar für alle Lebensmittel einzuführen. Dazu fehlten die umfassenden wissenschaftlichen Grundlagen. „Wir erhoffen uns einen starken Impuls, damit wir Preise für Lebensmittel in einer anderen und verursachergerechteren Form diskutieren und betrachten.“

An der Aktionswoche „Wahre Kosten“ nehmen alle 2150 Filialen in Deutschland teil. Die Mehreinnahmen spendet Penny dem Projekt Zukunftsbauer für den Erhalt familiengeführter Bauernhöfe im Alpenraum.

(top/dpa)
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