Gestohlener Ferrari 288 GTO: Jetzt spricht der Händler

Zwei Millionen Euro teures Auto : Jetzt spricht der Händler des gestohlenen Ferraris

Über den in Düsseldorf gestohlenen und in Grevenbroich wiedergefundenen Sportwagen wird von den USA bis Australien berichtet. Der Täter konnte noch nicht gefasst werden. Händler Bernhard Kerkloh ist aber zuversichtlich, dass das bald passieren wird.

Bernhard Kerkloh ist heilfroh, dass er wieder da ist, der knallrote Ferrari 288 GTO. „Und das sogar völlig unbeschadet – ohne einen einzigen Kratzer“, sagt der Inhaber des in Düsseldorf ansässigen Unternehmens Movendi. „Aber in erster Linie bin ich froh, dass meinem Mitarbeiter nichts passiert ist, dem der Wagen entwendet worden ist“, sagt Kerkloh, der eine turbulente Woche hinter sich hat. Weltweit ist über den Fall berichtet worden. „Die New York Times, die BBC, das russische Staatsfernsehen, selbst in Asien wurde das gemeldet“, sagt Kerkloh. Und auch in Australien werde der Ferrari-Diebstahl von den Medien aufgegriffen, ergänzt die Polizei.

 Der italienische Rennwagen, von dem nur 277 Exemplare gebaut worden sind und dessen Wert auf 2,35 Millionen Euro taxiert wird, war am Montag während einer Probefahrt in Düsseldorf gestohlen worden. Bereits am Tag darauf wurde das Fahrzeug in einer Garage in Grevenbroich gefunden und von der Polizei sichergestellt. Der Täter konnte trotz zahlreicher Hinweise noch nicht gefasst werden. Mit einem Foto einer Überwachungskamera wird nach ihm gefahndet. „Die Bilder sind gestochen scharf. Ich bin zuversichtlich, dass die Polizei ihn bald festnehmen wird“, sagt Kerkloh, der früher auch bei Auto Becker tätig gewesen ist, dem legendären Düsseldorfer Autohaus für Luxuskarossen. Die Polizei habe sogar mit einem Hubschrauber nach dem Ferrari gesucht, sagt er. „Das alles ist unglaublich.“ Das Fahrzeug befindet sich noch bei der Polizei. Die kriminaltechnische Untersuchtung ist aber abgeschlossen. „Er bekommt den Ferrari umgehend zurück“, so ein Polizeisprecher.

Kerkloh, Oldtimer-Enthusiast seit frühster Jugend, hätte nie damit gerechnet, dass jemand überhaupt auf die Idee käme, den Ferrari 288 GTO zu stehlen. „Solch ein Auto ist einfach zu selten und zu auffällig. Damit hätte man sich weltweit nicht auf der Straße sehen lassen können. Selbst die Einzelteile des Wagens sind mit Nummern gekennzeichnet“, sagt er. Zwar gebe es weltweit einen Markt für diese Fahrzeuge; der sei aber sehr klein. Kerkloh wundere sich auch darüber, dass das Auto in einer Garage in Grevenbroich gefunden wurde. „Ich dachte, dass der Ferrari sofort auf einen Lkw geladen worden wäre, der in der Nähe unseres Unternehmens gewartet hätte.“

Der Diebstahl sei auch nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände möglich gewesen. „Normalerweise finden bei uns so gut wie keine Probefahrten auf öffentlichen Straßen statt“, sagt Kerkloh. In dem Fall sei eine Ausnahme gemacht worden, um den Turbolader des 288 GTO zu testen. Und das sei im unteren Drehzahlbereich nicht auf dem Parkplatz möglich. Also habe man runter gemusst – vom Betriebsgelände auf die Straße. Der Dieb selbst habe sich im Vorfeld nicht verdächtig verhalten. Drei Wochen vorher hätte er telefonisch sein Kaufinteresse bekundet – auf Englisch und Spanisch. „Danach gab es viele weitere Kontakte, in denen er wirkliches Kaufinteresse vermittelte. Er wollte auch, dass der Wagen nach Marbella geliefert wird“, sagt Kerkloh.

Während extrem seltene Ferraris wie der 288 GTO eigentlich so gut wie nie gestohlen werden, nehmen Diebstähle von Oldtimern generell zu – insbesondere von Porsche und das Mercedes-Modell „Pagode“. „Die Oldtimer werden in der Regel auf Bestellung gestohlen“, sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei. Die Auftraggeber würden in der ganzen Welt sitzen. Die Diebstähle würden von langer Hand geplant. Laut Polizei sei es extrem schwer, einen gestohlenen Oldtimer wieder zurückzubekommen. Die Polizei geht von gut organisierten Banden als Täter aus.

In einigen Fällen werden die Klassiker sogar in Einzelteile zerlegt. Man muss davon ausgehen, dass mancher Oldtimer ausgeschlachtet wird“, sagt der Polizeisprecher. Allein in Düsseldorf wurden im vergangenen Jahr 32 wertvolle Oldtimer gestohlen. Kerkloh bestätigt: „Wir stellen in der Branche fest, dass immer mehr Oldtimer gestohlen werden.“ Ein Grund für den Anstieg: Die Fahrzeuge haben zuletzt noch einmal deutlich an Wert zugelegt. Außerdem haben die Diebe häufig leichtes Spiel, weil viele Besitzer ihre Oldtimer zum Beispiel im Winter in Tiefgaragen abstellen, die sie nicht täglich aufsuchen. Deshalb wird ein Diebstahl manchmal erst spät bemerkt.

Ansässig ist Kerklohs Unternehmen in der sogenannten Classic Remise in Düsseldorf. Rund 300 Oldtimer, besondere und seltene Fahrzeuge, sind dort ausgestellt, die meisten kann man kaufen. „Bei uns ist noch nie eingebrochen worden“, sagt Center-Manager Mika Hahn. Auch Privatleute können im Classic Remise ihre Oldtimer in speziellen Boxen ausstellen. „Wir legen größten Wert auf Sicherheit.“

Mit diesem Foto sucht die Polizei nach dem Ferrari-Dieb.

In einer früheren Version des Artikels war von Bernhard Kerkloh als Besitzer des Ferraris die Rede. Er ist aber der Händler. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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