Gemischte Gefühle zu Polizei-Armee in Kölner Silvesternacht 2016

Kölner Silvesternacht : Jägers Polizei-Armee löst gemischte Gefühle aus

1500 Polizisten will Köln in der Nacht zu Neujahr einsetzen. Viele Partygänger zeigen sich davon wenig beeindruckt. Andere befürchten, es könnte andernorts an Polizei fehlen oder nichts bringen, die Polizeipräsenz zu erhöhen. Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

Einige Leser drücken auf Facebook in Ihren Kommentaren auf einen RP-Aufruf die Befürchtung aus, dass es zu einer Verschiebung der Straftaten in andere Städte kommen könnte:

Aus Angst, dass es auch in diesem Jahr wieder zu Übergriffen kommen könnte, entscheiden sich einige Leser auch, zuhause zu bleiben:

Andere finden die Angst vor Straftätern außerhalb der Metropolen aber übertrieben und reagieren mit Ironie, was die Forderungen nach mehr Polizei in den kleineren Orten betrifft:

Auf die Feierplanung vieler Partygänger haben aber offenbar weder die Silvesternacht noch das geplante Großaufgebot der Kölner Polizei großen Einfluss:

Die gleiche Meinung hat Ahmad Omeirat, gebürtiger Libanese und ordnungspolitischer Sprecher der Grünenfraktion in Essen. "Geht raus, geht feiern", rät der Politiker den Bürgern von Köln und Essen. Zum 1500-Mann-Aufgebot sagt Omeirat: "Man darf gesellschaftlichen Problemen nicht nur mit Polizeipräsenz begegnen." Die Polizei habe aus den Ereignissen der vergangenen Silvesternacht gelernt und sei deshalb auch nicht dazu verpflichtet, ein Symbol für die Sicherheit zu setzen.

Das Sicherheitskonzept spreche von dem Wunsch des neuen Kölner Polizeipräsidenten, sich zu profilieren. "Ich bin immer kritisch, wenn Polizisten für politische Zwecke missbraucht werden", sagt Omeirat. Er hoffe zudem, dass trotz der Ereignisse vor einem Jahr nicht Migranten und Flüchtlinge pauschal zu Tätern erklärt werden.

Dass es durch die starke Konzentration der Landespolizisten in Köln zu einem Mangel in anderen Teilen NRWs kommen könnte, bestätigen die Polizeipräsidien nicht. Oft ließen sich eigene Polizisten für den Einsatz in der Partynacht mobilisieren, oder die bestellten Landeskräfte seien bereits zugesichert.

"Alles, was wir angefordert haben, bekommen wir auch", sagt ein Polizeisprecher aus Düsseldorf unserer Redaktion. Wie bereits angekündigt, bleibe es bei "mehreren Hundert" Landespolizisten, die die Beamten der Stadt in der Silvesternacht unterstützen werden. Auch bei der Polizei in Essen habe es keine Probleme gegeben, eine Hundertschaft des Landes zusätzlich zu den üblichen Kräften zu mobilisieren. "Wir werden deutlich mehr im Einsatz haben als im Vorjahr", sagte ein Sprecher. Die Zahl der Beamten sei somit in etwa doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Der Sprecher begrüßte zudem den Kölner Plan, gewaltige Polizeipräsenz in der Innenstadt zu zeigen: "Die Übergriffe in Köln sind nun einmal passiert. Ich habe deshalb vollstes Verständnis für die Entscheidung in Köln."

Eine genaue Zahl der Einsatzkräfte in ihren Städten wollten weder die Präsidien in Düsseldorf noch in Essen nennen. Ein Sprecher der Bonner Polizei teilte mit, dass in diesem Jahr 40 Beamte (ein Zug) der Bereitschaftspolizei des Landes mit auf Patrouille gehen würden. Insgesamt seien es mehr als 150 Polizisten, die Bonn in der Silvesternacht sichern sollen.

In Duisburg sieht die Polizei wenig Gefahrenpotenzial, es werden dennoch mehr Polizisten arbeiten als üblich. Ein Polizeisprecher aus Mönchengladbach erklärte, dass zwar mehr Polizisten auf den Straßen sein würden, dafür allerdings keine zusätzlichen Kräfte vom Land benötigt werden. "Gladbach ist nicht Köln", sagte der Sprecher.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei Köln zeigt Panzer-Fahrzeuge für Silvesternacht

(bur)
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