Firmen und Behörden im Rheinland Darf man Trikot am Arbeitsplatz tragen?

Düsseldorf · Die wachsende Euphorie während der EM schlägt sich zunehmend in der Garderobe nieder – immer mehr Menschen outen sich mit Trikots am Arbeitsplatz. Viele Unternehmen tolerieren das, ziehen aber Grenzen.

Das sind die 10 größten Arbeitgeber mit Sitz in NRW
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Foto: dpa/Oliver Berg

Mit Fortschreiten des Turniers begeistern sich immer mehr Menschen für die Fußball-Europameisterschaft – und zeigen es auch, indem sie nicht nur in ihrer Freizeit, sondern auch am Arbeitsplatz im Nationaltrikot erscheinen. Sogar in der letzten Plenarsitzung des NRW-Landtages vor der Sommerpause am Freitag, wenn Deutschland im Viertelfinale gegen Spanien antritt, dürfen die Politikerinnen und Politiker im deutschen Trikot auflaufen. Bei einer Rede müssen sie laut einem Landtagssprecher aber Blazer oder Sakko drüberziehen. Auch in großen Unternehmen und in etlichen Stadtverwaltungen in NRW herrscht während der EM eine eher lockere Kleiderordnung.

Bei der Rheinbahn in Düsseldorf zum Beispiel gibt es unterschiedliche Regelungen, da in einigen Bereichen das Tragen von Dienstkleidung Vorschrift und teilweise sogar sicherheitsrelevant ist. „Für unsere über 2000 Fahrerinnen und Fahrer haben wir für den Zeitraum der Fußball-Europameisterschaft die Dienstkleidungsregelung gelockert: Anstatt der sonst vorgeschriebenen Hemden, Blusen und Shirts dürfen sie Trikots oder private Kleidung mit Bezug zur EM im Dienst tragen“, sagt Pressesprecherin Katharina Natus. Dazu würden auch Rheinbahn-Trikots und die dazu passenden Schals mit dem Aufdruck „Fan-Flotte“ gehören. In anderen Bereichen, wie etwa dem Verkehrsdienst, könnten aus Sicherheitsgründen keine Ausnahmen bei der Dienstkleidung gemacht werden. Natus: „Für alle anderen Mitarbeitenden ohne Dienstkleidungsvorgaben haben wir keine expliziten Regelungen getroffen.“

Düsseldorf: Hier gibt es noch das Deutschland-Trikot zu kaufen
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Hier gibt es in Düsseldorf noch Deutschland-Trikots und Fan-Shirts zu kaufen

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Foto: Maximilian Nowroth

In der Verwaltung der Stadt Düsseldorf liege die Wahl der Kleidung am Arbeitsplatz grundsätzlich im Ermessen der Mitarbeitenden selbst, müsse aber den dienstlichen Anlässen sowie Art und Umfang der (Außen-)Kontakte angemessen sein und der Würde eines öffentlichen Amtes entsprechen, erklärt Sprecher Wolfgang Röhl. „Es spricht in der Regel nichts dagegen, wenn Mitarbeitende ihre eigene Begeisterung für die EM durch das Tragen eines Fußballtrikots zeigen“, sagt Röhl. Einschränkungen würden sich natürlich bei klassischer Arbeitskleidung, etwa bei Feuerwehr und Ordnungsdienst, oder bei Arbeitsschutzvorschriften ergeben. Auch in der Leverkusener Stadtverwaltung und bei der Wirtschaftsförderung Leverkusen wird das Tragen von Fußballtrikots während der Europameisterschaft geduldet.

In Köln gibt es für die Mitarbeitenden der Stadt keinen Dresscode. „Selbstverständlich sollten sie angemessen gekleidet sein – insbesondere natürlich, wenn sie Kundenkontakt haben“, sagt Sprecherin Jutta Doppke-Metz. Gerade während der vergangenen Wochen sei für Mitarbeitende der Host City Cologne, in der überall der Fußball gefeiert wurde, ein Fußballtrikot am Arbeitsplatz aber durchaus passend gewesen. Auch beim Chemiekonzern Bayer gibt es laut Sprecher Markus Siebenmorgen nichts dagegen einzuwenden, wenn Beschäftigte am Arbeitsplatz das Trikot ihres Lieblingsvereins oder ihrer Nationalmannschaft tragen – sofern ihre Tätigkeit im Unternehmen dies zulasse und für sie keine Arbeitskleidung vorgeschrieben sei.

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Die Trikots der EM-Teilnehmer

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Foto: dpa/Christian Charisius

Am Vodafone-Campus in Düsseldorf tragen etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Beginn der EM das Fußball-Trikot ihres Heimatlandes – zum Beispiel Deutschland, Türkei, Österreich, Kroatien, Italien, Niederlande, England, Portugal oder Polen, sagt Konzernsprecher Volker Petendorf. Am Vodafone-Campus im Stadtteil Heerdt würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen arbeiten. Petendorf: „Das spiegelt sich bei großen Sport-Ereignissen wie Fußball-Weltmeisterschaften und Fußball-Europameisterschaften in der Kleidung und Trikotauswahl wider.“

 Fußballbegeisterte Vodafone-Mitarbeiter, einige mit Trikots, vor dem Firmensitz in Düsseldorf.

Fußballbegeisterte Vodafone-Mitarbeiter, einige mit Trikots, vor dem Firmensitz in Düsseldorf.

Foto: Vodafone

So dürften am Freitag also viele Fans auch im Büro im deutschen Trikot auflaufen. Im Landtag NRW will auch der sportpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Jens-Peter Nettekoven, die Möglichkeit nutzen. „Gameday ist traditionell immer Trikottag!“, sagte Nettekoven. „Wenn die Mannschaft spielt, gehört das Trikot mit dem Wappen auf der Brust zum Kleidungsstück. Das zeigt Freude auf das, was kommt, und die Verbundenheit mit dem Team.“