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Fundsachen aus den Hochwasser-Regionen suchen auf Facebook ihre Besitzer

Puppen, Dokumente, Schmuck : Was die Flut mit sich gerissen hat

Plüschhunde, Fotos oder Eheringe: Was das Hochwasser im Sommer mit sich gerissen hat, wurde später irgendwo anders wiedergefunden. Maximilian Ferring aus Trier hat ein Fundbüro auf Facebook gegründet.

Der jüngste Eintrag in der Facebook-Gruppe klingt beinah flehend: „Ich suche immer noch meine Puppen… Bitte, hat jemand eine meiner selbstgemachten Puppen gefunden?“ Auf mehreren Bildern sind die Babypuppen zu sehen. In den Kommentaren darunter wünschen einige Leser der Frau viel Glück oder spenden ein wenig Trost. Puppen, Stofftiere, Schlüssel und jede Menge Fotos: Es sind keine besonders wertvollen Dinge, die in der Gruppe „Hochwasser Fundsachen“ gesucht werden. Aber für ihre Besitzer können sie unbezahlbar sein.

„Ein Ehering von 1960 zum Beispiel“, sagt Maximilian Ferring, der die Gruppe gegründet hat. „Wer weiß, wie bedeutsam er für seine Besitzerin ist? Und ob ihr Mann noch bei ihr oder schon verstorben ist.“ Ferring lebt in Trier und ist dort Betriebsleiter in einem Autohaus. Nach der Flut im Juli hat ihn beeindruckt, wie viele Menschen einfach losgezogen sind, um zu helfen. Das Autohaus, in dem er arbeitet, hat etliche Allradfahrzeuge in die Hochwasserregionen ins Ahrtal geliefert. Trier selbst war von der Flut nicht betroffen. „Mir ist dann aufgefallen, wie viele Sachen gefunden werden, aber keiner weiß, wem sie gehören“, sagt der 30-Jährige. Also eröffnete er die Facebook-Gruppe und teilte sie zunächst im Freundeskreis. Inzwischen hat die Gruppe rund 2000 Mitglieder.

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Eine Frau berichtet von einem gläsernen Herz, das sie in einem Schutthaufen in Bad Neuenahr gefunden hat. „Papa“ steht auf dem Herz, das vielleicht mal als Briefbeschwerer benutzt wurde. Es soll vor einem Haus gefunden worden sein, in dem eine Frau mit ihrem Vater lebte. „Ich würde mich freuen, ihr das Herz wiedergeben zu können“, schreibt die Finderin. Beim Aufräumen an den Bahngleisen in Ahrbrück entdeckte ein Mann eine alte Sportabzeichen-Urkunde. Er konnte sie dem Besitzer inzwischen zurückgeben. Hinter Mayschoß lag ein Raumtrenner aus Tropenholz im Schlamm. Wem er gehört, ist noch ungeklärt.

Manche Bilder in der Gruppe zeigen völlig verschmutzte Stofftiere, deren Finder sie dann auf einem zweiten Foto noch einmal frisch gewaschen zeigen. In Ahrweiler wurde ein ganzer Koffer voller Tierfiguren gefunden. Auch sie werden bestimmt von einem Kind schmerzlich vermisst. Ein Grabkreuz einer Frau, die im März gestorben ist, konnte inzwischen der Enkelin übergeben werden. Mit „Update“ werden die Bilder in der Gruppe versehen, wenn die Geschichten ein gutes Ende gefunden haben. Wem der alte Ehering gehört, weiß Maximilian Ferring aber noch nicht. „Es gab ja erst einmal dringendere Dinge zu tun in den Katastrophengebieten“, sagt er. Er ist sich sicher, dass nach und nach noch einige Fundstücke zurück zu ihren Besitzerin gelangen werden.

In Ahrweiler war nach der Flut bereits im Juli ein Sonderfundbüro eingerichtet worden, in dem inzwischen mehr als 300 Fundstücke abgegeben wurden. Sie alle wurden vom Schlamm gereinigt und katalogisiert. Darunter sind Geldbörsen, Uhren, Schmuck, Schlüssel oder Geldkassetten. Und sogar ein Eimer voller Bargeld  aus einer Spielhalle. Es wurden auch Ausweis-Dokumente gefunden, die vor mehreren Jahren als gestohlen gemeldet worden waren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Was die Flut alles angespült hat