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Fronleichnam: NRW-Städte richten sich auf Andrang ein

Vor Fronleichnam : NRW-Städte richten sich auf Andrang ein

Polizei und Ordnungskräfte wollen an den kommenden Tagen große Menschenansammlungen verhindern. Die Kommunen kündigen verstärkte Kontrollen an, das Land mahnt zur Vernunft.

Die Corona-Neuinfektionsrate in Nordrhein-Westfalen pendelt sich bei unter 40 ein, am Dienstag hat keiner der 53 Kreise und kreisfreien Städte mehr die Schwelle von 100 überschritten. Je nach Inzidenz wird in drei Stufen gelockert – in vielen Städten sind die Kneipen und Restaurants wieder auf, und die Menschen genießen die ungewohnten Freiheiten und das schöne Wetter.

Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Tage und mit Blick auf Fronleichnam bereiten sich die Städte auf zu große Menschenansammlungen und mögliche Partys vor. In Düsseldorf will die Polizei am Mittwochabend und am gesamten Wochenende starke Präsenz zeigen. Besonders viele Einsatzkräfte sollen den Verkehr überwachen – sowohl an der Königsallee als auch an möglichen Ausweichstellen der Autoposer-Szene. Zudem habe man eine Hundertschaft angefordert, die vor allem in der Altstadt und am Rheinufer unterwegs sein wird, sagte eine Sprecherin.

Corona-Infektionszahlen in NRW vom 02.06.2021

An den vergangenen beiden Wochenenden hatte es massiven Ärger mit Auto-Posern auf der Kö gegeben. Nachdem sich lange Schlangen hupender Autos auf der Straße gebildet hatten und auch mobile Sperren ignoriert wurden, gibt es nun eine längerfristige Lösung: Die Stadt lässt Steckpfosten einsetzen, um die Straße abzusperren. Die Polizei wird die Pfeiler je nach Einsatzlage einsetzen und entscheiden, wann, in welchem Umfang und wie lange die Sperrung aufrechterhalten wird, sagte ein Stadtsprecher. Auch Einsatzkräfte werden vor Ort sein und die Blockade kontrollieren, heißt es von der Polizei. Auch in den Gassen der Altstadt und am Rheinufer hatte es zuletzt großes Gedränge gegeben. Um solche Szenen zu vermeiden, gelten in weiten Teilen vorerst bis zum 11. Juni ein Verweilverbot, ein Alkoholkonsumverbot und die Maskenpflicht.

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In Köln mussten Stadt und Polizei am vergangenen Wochenende mehrere illegale Partys auflösen, in einem Fall mit rund 200 Feiernden. Viele flüchteten, als die Polizei eintraf. Im Grüngürtel hatten sich am Samstag etwa 2000 Menschen auf einer Wiese versammelt, ein DJ hatte dort sein Pult aufgebaut. Erst als Ordnungskräfte und Polizisten eintrafen, setzten sich die Menschen coronakonform in kleinen Gruppen zusammen. Gegen den DJ wurde ein Verfahren eingeleitet. Am Sonntag tauchte dasselbe Mischpult bei einer anderen Open-Air-Party auf – allerdings war der DJ ein anderer.

„Wir wissen, dass viele jetzt bei dem schönen Wetter und den Lockerungen Party machen wollen“, sagt Michael Maatz, Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. „Solange alles im Rahmen bleibt, ist das alles völlig in Ordnung. Leider ist es häufig so, dass eine sehr kleine Minderheit über die Stränge schlägt.“ Die Polizei sei für den Mittwochabend und das anstehende Wochenende „top aufgestellt“, wie Maatz sagt. „Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass es hier in NRW solche Ausschreitungen gibt wie zuletzt in anderen Bundesländern, wo massiv gegen die Auflagen verstoßen wurde und Polizisten angegriffen wurden.“

Der Kölner Rheinboulevard in Deutz ist am Mittwoch ab 18 Uhr gesperrt, am Wochenende bereits ab 12 Uhr. An Fronleichnam bleibt er zunächst zugänglich, nach Angaben eines Stadtsprechers wird er aber gesperrt, sobald dies erforderlich werden sollte. „Wir appellieren an alle, sich auch weiterhin an die geltenden Regeln zu halten“, sagt der Sprecher. „Nur so besteht die Chance auf weiter sinkende Inzidenzwerte und damit mögliche weitere Lockerungen.“ Der Ordnungsdienst werde weiterhin sowohl stichprobenartig, lageabhängig – etwa bei relativ schnell auftretenden Ansammlungen von Menschen –  als auch anlassbezogen nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Das Ordnungsamt der Stadt Mönchengladbach fährt auch am Mittwochabend das bewährte Einsatzkonzept, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. „Die Kolleginnen und Kollegen kontrollieren die Hotspots wie beliebte Parks und Grünanlagen, die Plätze in den Innenstädten, die Altstadt und die Außengastronomie“, sagte er. Die Erfahrung des vergangenen Sonnen-Wochenendes habe aber gezeigt, dass sich die meisten Menschen in Mönchengladbach an die Regeln halten. Duisburg setzt auf die Vernunft seiner Bürger, die sich in den vergangenen Monaten „sehr diszipliniert“ an die Regeln gehalten hätten, wie ein Sprecher sagte.

NRW-Innenminister Herbert Reul sagte: „Auch ich freue mich darüber, dass wir vieles endlich wieder lockerer angehen können, die Corona-Regeln aber gelten weiter. Denn wir befinden uns noch immer in einer Pandemie, auch wenn es sich vielleicht nicht mehr so anfühlt.“ Das Virus bleibe gefährlich, selbst wenn sich weniger Menschen ansteckten. „Halten Sie sich weiterhin daran: Meiden Sie Menschenmassen, tragen Sie eine Maske“, appellierte Reul.