Förster in NRW entsetzt über wilde Müllkippen in den Wäldern

Wälder in NRW : Förster entsetzt über wilde Müllkippen

Autoreifen, Ölfässer und Bauschutt: Es gibt kaum noch etwas, das nicht illegal in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen entsorgt wird. Die Ökosysteme werden dadurch massiv beschädigt. Die Täter sind oft nur schwer zu ermitteln.

Michael Herbrecht ist entsetzt, als er Ende vergangener Woche den Müllberg im Bruckhausener Wald in Hünxe entdeckt. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr haben Unbekannte dort ihren Hausrat illegal entsorgt. Der Förster informiert umgehend die Polizei, die den Müll nach Spuren untersuchen lässt, die Rückschlüsse auf den Verursacher geben könnten – etwa eine Rechnung oder einen Brief. Die Polizei nimmt den Fall nicht auf die leichte Schulter. Im Januar hatte sich eine 13-jährige Reiterin in dem Wald schwer verletzt, als ihr Pferd einer illegalen Müllkippe nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte und stürzte. Das Mädchen musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden.

Landesweit wird seit Jahren regelmäßig Müll auf Feldern und in Wäldern entsorgt. Und es wird immer mehr. „Wir bekommen das Problem einfach nicht in den Griff“, sagt Carolin Schlechter vom Regionalforstamt Niederrhein. Denn die Täter seien nur schwer zu ermitteln. „Sie hinterlassen in der Regel keine Spuren“, sagt Schlechter. Die Vorgehensweise ist laut Polizei fast immer gleich: Die Kriminellen kommen meist nachts und kippen den Müll am Waldrand, an Parkplätzen und an Schranken ab. Selten werden Müllkippen tief im Wald gefunden, weil man dort kaum mit dem Auto hinkommt. „Aber wir können schlecht rund um die Uhr auf der Lauer liegen“, sagt Michael Blaschke, Sprecher von Wald und Holz NRW.

Es gibt mittlerweile kaum etwas, was nicht im Wald entsorgt wird. Bauschutt, Autoreifen, Möbel, Unrat aus aufgelösten Wohnungen, Benzin- und Ölfässer werden in großen Mengen achtlos in die Umwelt gekippt. „Auch mit Asbest verseuchte Materialien finden wir immer wieder“, sagt Schlechter. Der Unrat schade dem Wald massiv. „Das ganze Ökosystem leidet unter dem Müll“, sagt sie. Aber auch das Abladen von Gartenabfällen im Wald ist illegal. „Das geschieht sehr häufig. Aber das schadet der Umwelt ebenfalls. Viele sind sich dessen wohl gar nicht bewusst“, sagt Blaschke.

Wer bei der illegalen Müllentsorgung im Wald erwischt wird, muss mit einer erheblichen Geldstrafe rechnen. Die Bußgelder beginnen bei zehn bis 25 Euro für das Wegwerfen von Pappbechern, Taschentüchern, Zigarettenschachteln und Bananenschalen und enden bei 5000 Euro für das Abkippen von Bauschutt. Allein für das Wegschaffen des illegalen Mülls aus den Wäldern entstehen Wald und Holz NRW pro Jahr Kosten von 100.000 Euro.

Die Städte unternehmen viel im Kampf gegen die Müllsünder. In Duisburg gibt es Schwerpunktkontrollen und stadtteilbezogene Sondereinsätze. Die Stadt Krefeld hat erst kürzlich die Internetseite
www.maak-et.de ins Leben gerufen, auf der Bürger solche Müllansammlungen melden können. In Neuss gibt es einen ähnlichen Service. „Wenn wir was gemeldet bekommen, wird das innerhalb von 48 Stunden beseitigt“, sagt ein Stadtsprecher. Die Stadt Bonn bietet den Bürgern über den sogenannten Mängelmelder die Möglichkeit, illegale Müllecken zu melden. Dort gibt es jährlich rund 450 Beschwerden über Umweltdelikte, darunter befinden sich nach Angaben der Stadt wilde Müllkippen und Sperrmüllreste. In Viersen wurde im vergangenen Jahr ganze Lkw-Ladungen mit Unrat in die Landschaften gekippt. In einem Fall wurden 17 Säcke mit Abfällen aus einer illegalen Marihuana-Produktion entdeckt.

Das Unverständnis über das Verhalten der Müllsünder ist groß. „Es gibt doch Bauhöfe und den Sperrmüll, wo der Unrat zum Teil kostenlos entsorgt werden kann“, sagt Schlechter. Volker Wild vom Remscheider Umweltamt mutmaßt, was die Menschen antreiben könnte, solche strafbaren Handlungen zu begehen. „Manchen ist die Entsorgung des Bauschutts vielleicht zu teuer. Andere wollen an einem bestimmten Termin umziehen, bekommen an dem Tag aber keinen Abholtermin für den Sperrmüll“, meint Wild. Das seien aber nur Erklärungen, keine Rechtfertigungen, betont er.

(csh)
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