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Flutkatastrophe: Experten befürchten belastetes Wasser für Monate

Nach Flutkatastrophe : Experten befürchten belastetes Wasser für Monate

Viele Tausend Liter kontaminiertes Wasser stehen nach dem Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz noch in Kellern und Tiefgaragen - Spezialentsorger pumpen die oft ölverseuchte Brühe ab. Dabei liegen die Nerven vor Ort schon Mal blank.

„Kommt bitte auch zu uns, der Keller ist immer noch voll und stinkt“, bekniet ein verzweifelter Eigenheimbesitzer in Schleiden den Fahrer des Entsorgungsunternehmens. Doch der Tankwagen ist schon voll. Der Fahrer muss den Mann mit seinem vollgelaufenen Keller zurücklassen - „in solchen Situationen fließen öfter die Tränen“, erzählt der Geschäftsführer der auf Recycling auch von flüssigen Abfällen spezialisierten KS-Recycling in Sonsbeck am Niederrhein, Guido Schmidt. „Das geht auch den Fahrern an die Psyche.“

Das Unternehmen - ein großer Mittelständler der Branche in NRW - arbeitet seit der Flutkatastrophe am Anschlag, um mit Öl und Schadstoffen verunreinigtes Wasser aufzunehmen und zu reinigen - sieben Tage die Woche, von drei Uhr morgens bis 18 Uhr abends mit bis zu zehn Fahrzeugen in den betroffenen Gebieten und per Spezialgenehmigung verlängerten Lenkzeiten für die Fahrer.

Öl ist durch die katastrophale Flut an vielen Stellen freigesetzt worden, berichtet der Fachmann - etwa Hydrauliköl aus überspülten Fahrstuhlschächten, aus geparkten Autos in Tiefgaragen oder aus einem Autohaus mit Neuwagen, die komplett durcheinandergewirbelt und zerstört wurden.

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„Wir fahren an der Belastungsgrenze“, sagt Schmidt. Sogar ein Disponent des Unternehmens setzt sich wieder ans Steuer. Bisher war das Unternehmen vor allem in den NRW-Hochwassergebieten im Einsatz, seit dieser Woche kommen Einsatzorte in Rheinland-Pfalz dazu. Ein Ende des Ausnahmezustandes sei noch nicht absehbar. „Wir rechnen noch mit mehreren Monaten“, sagt Schmidt. Die normalen Kunden müssten derzeit mit „etwas längeren Vorlaufzeiten“ rechnen, sagt Vertriebsmanager Stefan Peters.

Vergangenen Freitag pumpten etwa zwei Fahrzeuge des Entsorgungsunternehmens am Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden den Keller leer. Die Schule liegt nur wenige Meter vom Fluss Olef entfernt, der beim Hochwasser gewaltig über die Ufer getreten war. „Wir sind sehr erleichtert über die Hilfe“, sagte Schulleiter Georg Jöbkes. Das Wasser habe mehr als einen Meter hoch im Keller gestanden. Sobald der Keller wieder frei sei, könnten Techniker mit der Reparatur oder dem Neubau der Heizung beginnen. In der Schule packen Schüler und Lehrer - auch ehemalige - mit an. Da Strom- und Datenleitungen unbeschädigt geblieben sind, hofft Jöbkes, nach den Sommerferien das Gymnasium für seine 420 Schüler öffnen zu können.

Die rund 75 Kubikmeter (75.000 Liter) Wasser aus dem Keller des Gymnasiums fuhr der Tankwagen zunächst zur Firmenzentrale nach Sonsbeck: Dort wird das kontaminierte Wasser erst mal im Labor auf Chemikalien, Öl aus Maschinen oder andere Stoffe wie Reinigungsmittel aus überspülten Waschmaschinen untersucht, berichtet Schmidt. Schlamm- und Sandanteile werden herauszentrifugiert, Ölverunreinigungen vom Wasser getrennt.

Das vorgereinigte Wasser kommt dann per Tankwagen in ein Klärwerk in Wesel, wo Milliarden Bakterien es von Stick- und Kohlenwasserstoffen befreien. Die Bakterienzahl im Klärwerk sei wegen des Hochwassers deutlich hochgefahren worden, berichtet Schmidt. Das gereinigte Wasser kann dann in den Rhein geleitet werden. Die aus dem Wasser gewonnenen Substanzen recycelt das Unternehmen. So werden aus den Öl-Abfällen der Katastrophe neue Heiz- und Schmieröle produziert.

(top/dpa)