Kölner Zoll zeigt Funde in kreativen Verstecken Kokain im Babystrampler, Heroin in der Schuhcreme

Köln · Jede Nacht finden Zollfahnder am Flughafen Köln/Bonn Drogen in Paketen aus aller Welt. Wer teure Drogen schmuggeln will, zeigt Kreativität. Nun gab das Hauptzollamt Köln Einblicke in die ungewöhnlichsten Schmugglermethoden.

Diese Drogenverstecke finden die Zöllner am Flughafen Köln/Bonn
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Foto: dpa/Oliver Berg

Strampelanzüge, eine Babydecke mit Micky-Maus-Motiv, winzige Söckchen – auf den ersten Blick wirkte der Inhalt eines großen Paktes absolut unauffällig, geradezu harmlos. Für die Zollbeamten am Flughafen Köln/Bonn ist aber gerade das oft ein Hinweis, etwas genauer hinzuschauen. Die Babykleidung fühlte sich recht hart an, gar nicht wie Baumwolle. Und es stellte sich heraus, dass die Strampler vor dem Versand in flüssiges Kokain eingelegt worden waren. Insgesamt wurde so ein halbes Kilogramm Kokain mit einem Straßenverkaufswert von 40.000 Euro versteckt.

„Jede Nacht finden wir am Flughafen Köln/Bonn Drogen in Paketen aus aller Welt“, sagt Jens Ahland vom Hauptzollamt Köln am Dienstag. „Marihuana und Khat haben den größten Anteil, aber auch Kokain, Heroin und verschiedene synthetische Drogen sind regelmäßig dabei.“ Khat, eine amphetaminhaltige afrikanische Kaudroge, taucht immer häufiger auf. Allein in der vergangenen Woche wurden am Flughafen Köln/Bonn 15 Kilogramm der Droge sichergestellt, aber auch 35 Kilogramm Marihuana, fast vier Kilogramm synthetische Drogen, mehr als zwei Kilogramm Haschisch und ein halbes Kilogramm Heroin. Gesamtwert: mehr als eine halbe Million Euro.

Ahland zeigt einige außergewöhnliche Drogenverstecke. Es sind Fußmatten, die aus einem Kunststoff-Kokaingemisch bestehen, Handtaschen, in denen Heroin vernäht ist, oder Schuhcreme mit berauschendem Inhalt. Eine halbe Million Paketsendungen kommen jede Nacht am Flughafen Köln/Bonn an. Meist ist es Fracht, die über das Drehkreuz am Airport in ein anderes Land weiterverschickt werden soll. Transit-Sendungen aus aller Welt. „Aus den vielen Sendungen die rauszufischen, die wir uns tatsächlich anschauen, das ist der wichtigste Schritt“, sagt Ahland. „Die tägliche Herausforderung ist, sich nicht von der Optik oder Aufmachung der Pakete und deren Inhalt täuschen zu lassen.“ Die Zollfahnder nutzen Röntgentechnik und mehrere Spürhunde, um Drogen zu finden. Neben Paketen aus Afrika oder Brasilien gibt es auch europäische Absender. Genauere Informationen zu Routen könne man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen, sagt Ahland.

Drogenschmuggler lassen sich immer wieder neue Verstecke einfallen. „Es gibt den Trend, dass die Verpackung das Schmuggelversteck ist“, sagt Ahland. Kürzlich stellten seine Kollegen einen Karton voller Kleidung sicher, der 700 Gramm reines Kokain beinhaltete – gut versteckt in den Seitenklappen des Pappkartons. „Das ist eine raffinierte Variante, der leere Karton ist das Versteck, nicht der Inhalt.“ Den Zöllnern war aufgefallen, dass der Karton auch ohne Inhalt ungewöhnlich schwer war. „Einmal aufgeschlitzt, war klar, warum“, sagt Ahland. Auch ein Holztresor stellte sich als Drogenversteck heraus: In seinen Seitenwänden waren Hohlräume, in denen Amphetamin geschmuggelt wurde.

Die Anzahl der Drogenfunde in Köln/Bonn ist enorm, wie Ahland sagt. „Wir sind wieder auf Vor-Corona-Niveau.“ Die Teams des Zolls arbeiten in Schichten täglich rund um die Uhr. Im Jahr 2022 hat der Kölner Zoll mehr als sechs Tonnen Drogen sichergestellt. Bei Kokain hat sich die Aufgriffsmenge zum Vorjahr fast verzehnfacht, bei Crystal Meth vervierfacht und bei Marihuana mehr als verdoppelt. Fast jedes vierte Kilogramm Amphetamin sowie jedes fünfte Kilogramm Heroin und Crystal Meth der bundesweiten Zoll-Jahresbilanz 2022 zogen Kölner Zöllnerinnen und Zöllner aus dem Verkehr. „Vor allem synthetische Drogen sind enorm auf dem Vormarsch“, sagt Ahland.

Auch Kokain begegnet den Zöllnern in vielen Varianten: Schwarz gefärbt, verflüssigt oder gepresst. „Man kann es also aussehen lassen wie Kaffeebohnen.“ Bunt lackierte Dekofische fürs Badezimmer können komplett aus gepresstem Kokain bestehen – auch das hat Ahland schon gesehen. Doch auch er wird immer noch überrascht, so wie bei den Babykleidern, die in der Droge getränkt worden waren. „Dass jemand 500 Gramm Kokain oder Heroin einfach unversteckt in einen Karton legt, geschieht nicht“, sagt er. Allerdings gibt es Marihuana-Händler, die so etwas versuchen. In einer Kinderplanschbecken-Verpackung etwa war kein Mini-Pool, sondern eine größere Menge Cannabis – in drei Schichten Plastikfolie verpackt, um die Drogenspürhunde zu täuschen. „Unsere Hunde riechen das trotzdem“, sagt Ahland. „Auch sieben bis acht Schichten Folie sind kein Problem für sie.“

Alle Drogen werden vernichtet, sobald die Ermittlungsverfahren abgeschlossen sind.

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