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Flughafen Düsseldorf: Rund 70 Flüge am Wochenende annulliert

Flughafen bilanziert Ferienstart : Rund 70 Flüge am Wochenende annulliert

Der Flughafen zieht eine durchwachsene Bilanz des ersten Ferienwochenendes. Die Wartezeiten seien dem europaweiten Personalmangel geschuldet. Experten sehen den Airport aber weiter in Bedrängnis: Auch am Montagnachmittag stauten sich die Passagiere vor den Schaltern.

Auch am Montagnachmittag setzten sich die chaotischen Zustände am Düsseldorfer Flughafen vom Wochenende fort. Schon am frühen Morgen hatten sich vor den Check-in-Schaltern und den Sicherheitskontrollen lange Schlangen gebildet, die Situation war aber beherrschbar geblieben. Am Nachmittag füllte sich der Flughafen wieder, vor dem B- und C-Steig stauten sich die Passagiere. Airport-Mitarbeiter rechneten damit, dass sich die Situation am Abend weiter verschärfen könnte. Für die Abendstunden waren besonders viele Verbindungen in die Türkei angesetzt. Dies könnte erneute zu überlasteten Schaltern und entsprechenden Rückstaus führen, hieß es. Am Flughafen Köln/Bonn hatte es am Montagmittag längere Schlangen vor den Sicherheitskontrollen gegeben. „Alles läuft aber ruhig und geordnet ab“, sagte Sprecher Alexander Weise.

Der Düsseldorfer Flughafen zog eine durchwachsene Bilanz des ersten Ferienwochendes. Während der Samstag zu Peakzeiten noch geprägt gewesen sei von sehr langen Warteschlangen am Check-in- und an den Sicherheitskontrollstellen, aber auch von erheblichen Verzögerungen bei der Gepäckausgabe, sei der Sonntag deutlich weniger angespannt verlaufen. Am Samstag hätten rund 65.000 Passagiere den Düsseldorfer Airport genutzt, am Sonntag waren es rund 67.500. Zurückzuführen seien die Unregelmäßigkeiten und Wartezeiten laut Flughafen auf den europaweiten Personalmangel im Luftverkehr bei der Passagierabfertigung.

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„Im Rahmen seiner Möglichkeiten konnte der Flughafen Düsseldorf die verantwortlichen Airlines und Bodenverkehrsdienstleister unterstützen“, hieß es seitens des Airports. Dies sei geschehen mit einer personellen Aufstockung der Servicekräfte im hohen zweistelligen Bereich durch Studierende, die im Terminal als Ansprechpartner für Passagiere zur Verfügung standen, mit einer gezielten Umleitung der Passagiere je nach Besetzung der Sicherheitskontrollen, mit umfänglichen, tagesgenauen Prognosedaten und mit einem Früh-Check-in ab 3 Uhr morgens.

Fast über das gesamte Wochenende hinweg hatte es zudem am Düsseldorfer Flughafen massive Behinderungen bei der Abfertigung der Passagiere und des Gepäcks gegeben. Dazu wurden laut Airport insgesamt 68 An- und Abflüge annulliert, zum Teil erst kurz vor dem geplanten Start. Die meisten Passagiere trugen es mit Fassung, viele waren aber verzweifelt, weil ihr seit langem geplanter Urlaub trotz stundenlangen Anstehens ins Wasser fiel. Auch die Gepäckabfertigung funktionierte über lange Strecken nicht reibungslos.

So war es am Freitag und Samstag zu Störungen in der Computertechnik der Gepäckförderanlage gekommen. Die ohnehin schon angespannte Situation wurde damit noch schwieriger. Nach Flughafenangaben blieben mehr als 1200 Gepäckstücke zunächst zurück. Am Samstagabend mussten Hunderte ankommende Passagiere zunächst ohne ihr Gepäck nach Hause fahren, die Koffer wurden nachts in der inzwischen leeren Halle einfach neben den Gepäckbändern abgestellt. Die Airlines sorgen laut Flughafen nun dafür, dass die Koffer schnellstmöglich an den Zielort der Reisenden befördert werden. Die Gepäckförderanlage arbeite bereits seit Samstag Nachmittag wieder im Normalbetrieb.

Für das Gepäck sind eigentlich die Fluglinien und deren Dienstleister zuständig. Beim Entladen am Samstagabend half aber ein eigenes Team aus „qualifizierten Mitarbeitern“ des Flughafens selbst und auch die Feuerwehr. Die sei „ausnahmsweise unterstützend“ dabei gewesen, so die Flughafensprecherin. Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr sei „selbstverständlich jederzeit gewährleistet“ gewesen.

Verdi-Luftfahrtexperte Özay Tarim bezeichnete die Feuerwehr-Aktion als einen „weiteren Tiefpunkt und ein Armutszeugnis für den Airport“. Dem Flughafen sei ein massiver Imageschaden entstanden. Seine Gewerkschaft habe seit langem vor einem Debakel zum Ferienbeginn gewarnt. Diese Probleme müssten schnellstens gelöst werden, Leidtragende seien die Passagiere. Auch von den Plänen der Bundesregierung, das Chaos am Boden durch Aushilfskräfte zu entschärfen, hält Tarim wenig. Zur Bewältigung des Abfertigungschaos im Luftverkehr wollen die deutschen Flughäfen und ihre Bodendienstleister tausende ausländische Aushilfen direkt anstellen. Die Arbeitskräfte sollen befristet für bis zu drei Monate unter anderem aus der Türkei und einigen Balkanstaaten kommen.

Dies könne nicht die Lösung der Probleme sein, sagte Tarim und bezeichnete das Vorhaben als Flickschusterei. Erstens sei dieses Hilfspersonal so schnell nicht aufzutreiben, zweitens müssten die Mitarbeiter eine langwierige Sicherheitsprüfung durchlaufen und drittens eingearbeitet werden. Um die Situation an den Flughäfen noch in der Ferienzeit zu entspannen, kämen die Arbeitskräfte zu spät – wenn sie denn überhaupt kämen.

Der Flughafenverband ADV hatte den Gesamtbedarf der Flughäfen einschließlich des Check-ins und der Luftsicherheitskontrollen für diesen Sommer auf rund 5500 Kräfte beziffert. Für die besonders an den größeren Flughäfen überlasteten Ladedienste hat ein Personaldienstleister aus Istanbul bis zu 2000 Kräfte angeboten, heißt es in Branchenkreisen. Sie hätten Flughafen-Vorerfahrung und verfügten über die entsprechenden Unterlagen für schnelle Zuverlässigkeitsüberprüfungen.

Weil die Probleme an den Flughäfen europaweit bestehen, gibt es auch unkonventionelle Lösungsansätze. So sollen am Flughafen Dublin in den Stoßzeiten nur Passagiere ins Terminal gelassen werden, deren Flug innerhalb von zweieinhalb Stunden zu Kurzstreckenzielen und dreieinhalb Stunden zu Langstreckenzielen abgeht. Dies soll am Einlass kontrolliert werden. Hintergrund dieser Maßnahme ist es, dass viele Passagiere, aus Sorge den Flug zu verpassen, bis zu sechs Stunden vorher am Flughafen sind und damit für volle Terminals sorgen. Außerdem sorgen Fluggäste dafür, die deutlich zu früh da sind, dass andere Passagiere, deren Flug früher geht, ihre Maschine nicht mehr bekommen, weil sie vor ihnen in der Warteschlange stehen.

Am Flughafen Düsseldorf wollte man sich zu dem Vorgehen in Dublin noch nicht äußern, so ein Prozedere müsse noch bewertet werden. Für den Flughafen Köln/Bonn sei das nicht umsetzbar, sagte Sprecher Weise, überhaupt sei ein solches System nicht auf jeden Flughafen zu übertragen. In der Regel wird den Passagieren geraten, zwei bis drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Jedoch hat sich gezeigt, dass das oft nicht ausreicht.

Nordrhein-Westfalens größter Flughafen in Düsseldorf erwartete allein am ersten Ferienwochenende mehr als 200.000 Passagiere. Wegen Personalmangels unter anderem bei der Abfertigung und den Sicherheitskontrollen dürften die Sommerferien weiterhin zur Belastungsprobe für die Flughäfen werden. Am Montag rechnet der Düsseldorfer Airport mit 63.000 ankommenden und abfliegenden Passagieren. Am Dienstag sind es 56.000 Passagieren, am Mittwoch folgen 58.000, am Donnerstag 60.000 Fluggäste. Für das kommende Wochenende prognostiziert der Airport insgesamt 178.000 Fluggäste: 61.000 am Freitag, 57.000 am Samstag und 60.000 Passagiere am Sonntag. „Es ist leider davon auszugehen, dass die Probleme bestehen bleiben werden“, sagte Tarim. „Insgesamt gibt der Flughafen ein desaströses Bild ab“, sagte er.