Flüchtlinge in NRW: So bauen Städte wie Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach Unterkünfte ab

Zustrom lässt stark nach: So bauen NRW-Städte Unterkünfte für Flüchtlinge ab

Der Zustrom von Flüchtlingen hat in den vergangenen Monaten in NRW stark abgenommen. Eingerichtete Unterkünfte werden nicht mehr benötigt. Die Städte in unserer Region reagieren und bauen Kapazitäten ab. Ein Überblick.

Düsseldorf In der Landeshauptstadt lebten Stand 30. November 2017 insgesamt 5862 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften. Im Vergleich zum Jahresbeginn bedeutet dies einen Rückgang von rund 25 Prozent. In Düsseldorf werden ausschließlich für diese Zwecke errichtete Wohnmodulanlagen oder umgebaute Gebäude genutzt.

Vor einem Jahr gab es rund 8500 Plätze in Unterkünften. Aktuell sind es noch ungefähr 6900. Da gemietete Hotelzimmer oder Leichtbauhallen über keine oder kurze Vertragslaufzeiten verfügten, konnte nicht benötigter Wohnraum abgebaut werden. Es gibt deshalb in Düsseldorf derzeit keine leerstehenden Einrichtungen, allerdings sind auch nicht alle bestehenden Häuser voll ausgelastet. Es bestehen somit notwendige Reserven für unvorhergesehene Flüchtlingswellen.

Köln Die Flüchtlingszahlen sind auch in der Domstadt weiterhin rückläufig. Im vergangenen Dezember brachte die Stadt 10.309 Personen in Flüchtlingheimen unter — 2016 waren es noch 13.253. Die Zuweisungsquote gilt damit als erfüllt, so dass mit der Bezirksregierung Arnsberg ein Zuweisungsstopp bis Ende Februar vereinbart wurde. Ausnahmen sind vereinzelte Zuweisungen bei der Familienzusammenführung oder bei gesundheitlich notwendigen Verlegungen.

In Köln sollen 1500 Reserveplätze bestehen bleiben. Foto: dpa, hka hjb

Die Art der Unterbringung ändert sich in Köln stetig. Notlager in Turnhallen werden geschlossen, Notunterkünfte mit mehr als 200 Plätzen abgebaut. Die Stadt setzt darauf, die Qualität in den Unterkünften zu verbessern. Trotz der deutlich rückläufigen Zulaufzahlen werden 1500 Reserveplätze vorgehalten.

Mönchengladbach Mehr als 3200 Flüchtlinge musste Mönchengladbach zu Spitzenzeiten im Jahr 2016 unterbringen. Zu Beginn des vergangenen Jahres wurden in der Stadt noch 2308 Flüchtlinge betreut, danach ging die Zahl deutlich zurück. Im November 2017 waren es noch 850. Nach der großen Flüchtlingswelle hatte die Stadt insgesamt 2300 Plätze geschaffen - derzeit wird aber nur noch etwa ein Drittel davon benötigt.

Kosten etwa für Miete, Sicherheitsdienste und Instandhaltung fielen aber weiterhin an, jährlich fast zehn Millionen Euro. Das liegt zum Teil daran, dass einige langfristige Mietverträge abgeschlossen wurden, die nur schwierig zu kündigen sind. Das war bei alten Hotels der Fall, die zunächst gemäß der Bauordnung hergerichtet werden mussten. Ohne langfristige Verträge hätten Investoren kein Interesse gehabt.

In Mönchengladbach werden auch Unterkünfte geschlossen. Foto: Raupold.

Zurzeit versucht die Stadt, die Überkapazitäten an Flüchtlingsunterkünften abzubauen. Dies ist in vielen Fällen auch geschehen. 1100 Unterkunftsplätze sind bereits gestrichen. Weitere Mietverträge sollen gekündigt oder nicht verlängert werden. 1500 Plätze bleiben dauerhaft bestehen.

Duisburg Wie im bundesweiten Trend hat sich auch in Duisburg die Situation entspannt. Zum Jahreswechsel lebten 1607 Flüchtlinge, für die seitens der Stadt eine Unterbringungsverpflichtung besteht (Asylbewerber, Geduldete, Anerkannte), in 15 Übergangsheimen. Darüber hinaus lebten 2597 Flüchtlinge in 759 Wohnungen. Insgesamt sind 4204 Flüchtlinge aktuell untergebracht.

  • 27.000 Asylsuchende in 2017 : Deutlich weniger Flüchtlinge kommen nach NRW

Wegen des geringeren Zulaufs an Flüchtlingen wurden bereits im zweiten Quartal 2017 einige Übergangsheime geschlossen, 2018 sollen weitere abgebaut werden. Um auf einen eventuell eintretenden neuen Flüchtlingsstrom reagieren zu können, werden ungefähr 500 Plätze vorgehalten.

Neuss Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten in NRW geht die Stadt 2018 von einem kontrollierten Flüchtlingsanstieg aus. Aktuell sind 634 Asylbewerber in Flüchtlingsunterkünften des Landes NRW untergebracht, weitere 398 leben in städtischen Übergangswohnheimen. Darüber hinaus gibt es weitere 360 Flüchtlinge, die in von der Stadt angemieteten Wohnungen untergebracht sind.

In Neuss wird es mit den Plätzen in Flüchtlingsunterkünften 2018 vermutlich noch enger. Foto: -nau

Freie Unterkünfte gibt es in Neuss nicht, im Gegenteil: Da die Stadt 2018 zusätzliche 250 Flüchtlinge aufnehmen muss, jedoch nur Platz für rund 150 vorhanden ist, plant die Stadt, anerkannte Asylbewerber in Wohnungen zu vermitteln. So sollen weitere Übergangswohnheime vermieden werden.

Leverkusen Die Stadt Leverkusen bietet aktuell in ihren Flüchtlingsunterkünften rund 1000 Plätze für geflüchtete Menschen an. Knapp 250 davon sind derzeit noch frei und als Reserve gedacht. Leerstehende Flüchtlingsunterkünfte gibt es in der Stadt nicht.

Kleve Die Zuweisungszahlen waren in Kleve im vergangenen Jahr sehr gering, gleichzeitig war die Anzahl an positiven Anerkennungsverfahren sehr hoch. Die Belegungssituation der Gemeinschaftsunterkünfte machte es notwendig, die vorhandenen Ressourcen besser einzusetzen. Eine angemietete Unterbringung wurde deshalb seitens der Stadt gekündigt und die Bewohner wurden in andere Gemeinschaftsunterkünfte umgesiedelt.

Krefeld Während des Flüchtlingsansturms hat die Stadt verschiedene Großobjekte sowie eine große Anzahl von privaten Mietobjekten und Wohnungen der Wohnstätte angemietet. Zweckentfremdete Unterbringungen wie Sporthallen können inzwischen wieder normal benutzt werden. Zwei große Flüchtingsunterbringungen wurden bereits gekündigt, eine weitere wird für anderweitige Nutzungen umgebaut. Darüber hinaus hat die Stadt 35 private Wohnungen und 20 Wohnungen gekündigt. Weitere 18 sind bis zum Jahresende befristet angemietet.

Die Flüchtlingsunterkunft in Krefeld-Forstwald aus der Luft. Foto: RPD_RP-Online

Regierungsbezirk Düsseldorf Im Regierungsbezirk Düsseldorf gibt es aktuell 5755 belegbare Plätze. Davon werden 2865 von Flüchtlingen in Anspruch genommen. Die Zahl der vorzuhaltenden Plätze wird von der Landesregierung vorgegeben und fortlaufend angepasst. Zu Spitzenzeiten im Dezember 2015 verfügte der Regierungsbezirk über neun zentrale Unterbringungseinrichtungen und 65 Notunterkünfte, aktuell sind es insgesamt noch 14 Einrichtungen. Nach den Schließungen werden die Unterkünfte entweder abgebaut oder an den Vermieter zurückgegeben.

(se/gaa)