1. NRW
  2. Panorama

Flüchtlinge: Essen trennt sich von umstrittenen Wachdienst SKI

Misshandlungen in Flüchtlingsheimen : Essen trennt sich von umstrittenem Wachdienst

Als Reaktion auf die Misshandlung von Asylbewerbern in mehreren Unterkünften in NRW will sich die Stadt Essen bei ihren kommunalen Flüchtlingsheimen vom Wachdienst SKI trennen. Unterdessen geht die Polizei vier Fällen von Körperverletzung in einer Flüchtlingsunterkunft in Essen nach.

"Es gibt kein ausreichendes Vertrauensverhältnis mehr, auch wenn es in unseren Einrichtungen keine Vorfälle gegeben hat", sagte eine Stadtsprecherin am Donnerstag. Mitarbeiter von SKI waren in Burbach wegen mutmaßlicher Körperverletzungen und Demütigungen von Flüchtlingen in die Kritik geraten. Unterdessen geht die Polizei vier Fällen von Körperverletzung in einer Flüchtlingsunterkunft des Landes in Essen nach.

In den kommunalen Unterkünften in Essen sollen nun kurzfristig lokale Sicherheitsdienste die Aufgaben von SKI übernehmen. Die Stadt arbeite aber weiterhin in fünf Einrichtungen mit dem Betreiber European Homecare (EHC) zusammen, sagte die Sprecherin. Mit EHC habe man den Austausch der Wachleute abgesprochen. EHC war vom Land als Folge des Misshandlungsskandals in der Unterkunft in Burbach vor die Tür gesetzt worden. Künftig will auch die Stadt Essen EHC häufiger überprüfen, um die Einhaltung der Betreuungsstandards zu gewährleisten, so die Sprecherin.

Unterdessen ermittelt die Polizei in Essen wegen vier Fällen von Körperverletzung in einer Flüchtlingsunterkunft des Landes. Auch hier sollen Wachleute von SKI Flüchtlinge verletzt haben. Zu Einzelheiten der laufenden Ermittlungen wollte die Polizei keine Angaben machen. Ein weiteres Verfahren richte sich gegen den ehemaligen Einrichtungsleiter, bestätigte eine Polizeisprecherin. Der Verdacht, dass der Mann den Flüchtlingen zustehende Gelder veruntreut haben könnte, habe sich aber bisher nicht erhärtet.

  • Asylsuchender Marwan R. aus Burbach : Misshandelter Flüchtling: "Ich hörte ihr Gelächter"
  • Siegen : Asyl: Neue Vorwürfe gegen Security
  • Taschengeld unterschlagen : Neue Unruhen im Essener Flüchtlingsheim

Die Evangelische Kirche von Westfalen übte Kritik an der Landesregierung und den Behörden. Präses Annette Kurschus bezeichnete die Unterkunft in Burbach nach einem Besuch als "Ort, der nicht dazu einlädt, länger zu bleiben", und in dem wegen der "gedrängten Enge" Konflikte zu erwarten seien.

Die Landeskirche habe schon länger auf die steigenden Flüchtlingszahlen hingewiesen. Kurschus bedauerte es in einer Mitteilung vom Donnerstag, "dass es den politisch Verantwortlichen nicht gelungen sei, rechtzeitig ausreichend Platz in zentralen Erstaufnahmelagern zu schaffen." Zudem mahnte sie, die ernstzunehmenden Ängste und Sorgen der Bevölkerung nicht in Fremdenfeindlichkeit umschlagen zu lassen.

Der neue Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat im Gespräch mit dem "Express" (Freitagausgabe) mehr kirchliches Engagement für die Flüchtlinge angekündigt. So will er ein ehemaliges Kloster im Stadtteil Köln-Kalk zu einer Flüchtlingsunterkunft umbauen lassen. Gespräche mit der Stadt über dieses Thema liefen bereits.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Blick in das Flüchtlingsheim in Essen

(dpa)