Rosenmontag: Flagge gezeigt gegen den Terror

Rosenmontag : Flagge gezeigt gegen den Terror

Die Karnevalisten im Rheinland haben sich von den jüngsten Terroranschlägen und von der Absage des Karnevalszugs in Braunschweig wegen Anschlagsgefahr nicht die Stimmung vermiesen lassen. Die Wagenbauer verzichteten bei den Rosenmontagszügen nicht auf Motive, durch die sich Islamisten provoziert fühlen könnten.

So nahmen sich in Düsseldorf gleich mehrere Mottowagen des Themas Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit islamkritischen Karikaturen an. Ein von Zugbauer Jacques Tilly entworfener Wagen zeigte einen kopflosen Mann auf der Flucht vor einem Maskierten, der ein bluttriefendes Schwert schwang. Dabei hielt der Kopflose eine "Charlie Hebdo"-Zeitung in der Hand. Aus dem offenen Hals des Flüchtenden kam der Spruch "Satire kann man nicht töten!".

Auf einem anderen Wagen stand "Terror hat nichts mit Religion zu tun"; ein weiteres Motiv zeigte zwei sich duellierende Skelette, auf die die Namen der beiden konkurrierenden islamistischen Terrororganisationen Al Qaida und IS geschrieben waren.

450 Tonnen Kamelle

Die größten Rosenmontagszüge fanden wie jedes Jahr in Köln, Düsseldorf und Mainz statt. Allein 1,2 Millionen Zuschauer kamen nach Köln, eine Million nach Düsseldorf; Mainz meldete 500 000 Karnevalisten. 450 Tonnen Süßigkeiten, Popcorn und Chips flogen allein in den beiden NRW-Hochburgen.

Zur Überraschung vieler gab es in Köln nach der umstrittenen Rücknahme des "Charlie Hebdo"-Wagens doch einen Mottowagen, der dieses Thema persiflierte. Dabei ließ ein Clown mit Gießkanne mitten in einem abgeholzten Wald aus Bleistiften einen neuen Buntstift als Symbol der Narrenfreiheit wachsen. Mainzer Karnevalisten zeigten hingegen keine solchen kritischen Motive.

Straßenkarneval wurde auch in Duisburg, Krefeld, Kleve, Wesel, Moers-Holderberg und zahlreichen anderen rheinischen und bergischen Städten gefeiert. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) musste ihre Teilnahme an dem Umzug in ihrer Heimatstadt Mülheim wegen einer Erkältung absagen.

Schwerer Unfall in Wermelskirchen

In Wermelskirchen wurden die Feiern von einem schweren Unfall überschattet. Karnevalsprinz Daniel I. (40) fiel während des Zugs vom Wagen und stürzte vier Meter tief auf die Straße.

Er wurde schwer verletzt mit einem Hubschrauber in eine Kölner Unfallklinik geflogen. Ansonsten meldete die Polizei bis auf einige wenige Zwischenfälle keine größeren Vorkommnisse. Die Sicherheitsbehörden hatten zuvor auch keine besondere Gefahr von Anschlägen gegen die Umzüge gesehen. Dennoch sicherten mehr Einsatzkräfte als in den Vorjahren die Zugstrecken. Allein in Düsseldorf waren mehr als 1000 Polizisten im Einsatz.

Von der Leyen als Bruchpilotin

Neben dem Terror wurden traditionell politische Akteure aufs Korn genommen. Im Mittelpunkt der Persiflagen standen dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU). Von der Leyen legte in Köln - in Anspielung auf die marode Ausstattung der Bundeswehr - eine Bruchlandung mit einer schrottreifen Maschine hin.

Die Kanzlerin wurde zum Beispiel als übermächtiger deutscher Zyklop gezeigt, den ein demonstrativ besonders kleiner Grieche mit einer Steinschleuder zu attackieren versuchte.

Weitere Themen waren Russlands Präsident Wladimir Putin, der als Kriegstreiber dargestellt wurde, und Papst Franziskus, der von den Narren wegen seiner Aussage veralbert wurde, ein kleiner Klaps in der Erziehung liege durchaus im Bereich des Vorstellbaren. Aber auch die islamkritische "Pegida"-Bewegung und die ausufernde Internet-Nutzung von Kindern und Jugendlichen wurden satirisch aufgearbeitet.

Bevor am Mittwoch vielerorts mit der Beerdigung des Hoppeditz die Session endet, werden am Dienstag ab 13.11 Uhr beim großen Veilchendienstagzug in Mönchengladbach noch einmal 350 000 Zuschauer an der Strecke durch die Innenstadt erwartet.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jacques Tilly enthüllt seinen "Charlie Hebdo"-Wagen

(RP)
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