1. NRW
  2. Panorama

Fitnessstudios NRW: Die ersten Studios haben schon in der Nacht geöffnet

Lockerungen am Montag : Erste Fitnessstudios haben in NRW schon in der Nacht geöffnet

In NRW haben nach ihrer Corona-Pause in der Nacht zu Montag die ersten Fitnessstudios wiedereröffnet. Kurz nach Mitternacht wurden etwa im Kölner Stadtteil Kalk die ersten Sportler wieder an die Geräte gelassen.

Die Kette McFit sperrte in Köln ebenso wie an anderen Standorten in NRW um 0.01 Uhr die Türen auf. „Ich glaube, das haben alle herbeigesehnt“, sagte McFit-Gründer Rainer Schaller. Er betonte zugleich, dass es wichtig sei, die von der Politik vorgegeben Auflagen einzuhalten. Auch einige andere Fitnessstudio-Betreiber öffneten bereits in der Nacht ihre Türen.

NRW hatte in der vergangenen Woche den Weg für eine Wiedereröffnung der Fitnessstudios am Montag freigemacht. Es gelten aber strenge Auflagen. Zwischen den genutzten Geräten muss genügend Abstand sein, Duschen bleiben zum Beispiel geschlossen. Welche weiteren Regeln für Fitnessstudios gelten, lesen Sie hier.

 Sportler stehen kurz vor Mitternacht vor einem Fitnessstudio an.
Sportler stehen kurz vor Mitternacht vor einem Fitnessstudio an. Foto: dpa/Marius Becker

Das Studio in dem Karosserieinstandhaltungstechniker Hassib Pektas trainiert, gehört zu denen, die bereits um kurz nach Mitternacht geöffnet haben. Es ist ein McFit-Studio im Kölner Stadtteil Kalk, und die 24-Stunden-Kette lässt an ihren NRW-Standorten um 0.01 Uhr die ersten Sportler wieder an die Geräte. Der erlösende Begleitton war schon zuvor gesetzt worden: „Nordrhein-Westfalen wird als erstes Bundesland von der schmerzhaften Schließung der Fitnessstudios befreit.“

Betreiber locken Sportler mit Gewinnspiel

Für Leute, die mit Fitness nicht so viel am Hut haben, mögen die Szenen, die sich hier abspielen, kaum verständlich sein. Sie sind auch damit zu erklären, dass die Kette unter den ersten 100 Besuchern eine Reise zum „Muscle Beach“ nach Los Angeles verlost. Es ist dunkel und windig, als sich eine Reihe von mehr als 100 Leuten bildet, um in das Studio gelassen zu werden. Und das in Kalk - ein eher raues Pflaster. „Home-Workouts waren schön und gut“, sagt einer aus der Reihe, Marcel Schroeder. „Aber es ist nicht dasselbe wie mit einer Hantelstange.“

Innen steht McFit-Sprecher Pierre Geisensetter, den man aus einem früheren Leben noch als Moderator von „Herzblatt“ kennt. Zudem hat er beim „RTL Promi-Boxen“ einst Schauspieler Claude-Oliver Rudolph vermöbelt. „Für uns ist das im Grunde kein Event“, sagt er. „Sondern ein Willkommenheißen unserer Mitglieder.“ Für viele Leute sei das Fitnessstudio ein zweites Zuhause.

Schaut man sich um, ist dieser Eindruck nicht ganz von der Hand zu weisen. Manche gehen zuerst aufs Laufband, obwohl man ja denken könnte, dass es zum Laufen doch einige Gelegenheiten gab - draußen. Vor allem der Freihantelbereich füllt sich schnell, viele Sportler schnaufen unter Mund-Nasen-Masken. Nicht wenige tragen sie, obwohl es nicht zwingend vorgeschrieben ist. Wohl aber Abstand. Und zu voll darf es auch nicht werden. Einige - soweit beurteilbar unter Masken - ernst dreinblickende Security-Mitarbeiter regulieren den Zugang.

Etwa 150 Menschen trainieren in den frühen Morgenstunden. „Dass so viele gekommen sind, ist für uns ein großartiges Zeichen, dass die Menschen hungrig nach Training sind“, sagte McFit-Gründer Rainer Schaller, der auch gekommen ist. „Wichtig ist, dass die Auflagen, die die Politik uns vorgibt, umgesetzt werden.“ Schon in der Schlange habe man aufgepasst, dass die Abstände eingehalten werden. Das Ordnungsamt, das eben da gewesen sei, sei „sehr zufrieden“ gewesen.

Die publikumswirksame Aktion mitsamt Reise-Gewinnspiel stößt draußen allerdings nicht nur auf positive Resonanz. „Ich finde diese PR-Aktion von McFit sehr fragwürdig. Sie setzt ganz klar das falsche Signal“, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Es entstehe der Eindruck, die Pandemie sei bereits überwunden - und das bei einer jungen Zielgruppe. „Wir brauchen aber die Vorsicht und die Zurückhaltung und die Abstandseinhaltung genau dieser Generation, die hier angesprochen wird.“

An die Fitnessstudios habe er allerdings „bei der Reihenfolge der Öffnungen“ auch eher zuletzt gedacht, gibt Lauterbach zu. Das Wetter werde ja besser. „Man kann ohne Verlust an Lebensqualität und auch an Trainingseffekt im Freien oder auch zu Hause trainieren“, sagt er. „Wie es viele Leute ja auch getan haben.“

(dtm/dpa)