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Feuer an der ICE-Strecke in Siegburg: Ausmaß der Zerstörung ist groß

Nach dem Großbrand an der ICE-Strecke in Siegburg : „Wir müssen jetzt vor allem den Menschen helfen“

In Siegburg ist die Brandursache noch unklar

Neun Häuser hat das Feuer an der ICE-Strecke bei Siegburg zerstört, mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Experten der Polizei versuchen, die Ursache für das Feuer herauszufinden. Auch Innenminister Reul bot vor Ort seine Hilfe an.

Am Morgen nach dem Großbrand in Siegburg-Brückberg wird das Ausmaß der Zerstörung deutlich. Neun Häuser sind laut Polizei nach dem Feuer unbewohnbar. Ein Böschungsbrand war am Dienstagnachmittag von der nahe gelegenen Bahnstrecke auf ein Wohngebiet übergesprungen. Mehr als 30 Personen sind bei dem Feuer verletzt worden, darunter einige schwer. Mehr als 500 Rettungs- und Einsatzkräfte waren vor Ort. Erst im Laufe des Abends war das Feuer unter Kontrolle. Am Morgen waren nur noch sechs Feuerwehrleute im Einsatz, um die Lage zu kontrollieren.

Die Ursache für den Großbrand ist weiter unklar. Eine weggeworfene Zigarettenkippe, eine Glasscherbe in der Gluthitze oder Funkenschlag durch vorbeifahrende Züge – diese möglichen Auslöser kursieren, doch weder die Polizei noch die Feuerwehr wollen sich festlegen. Auch Innenminister Herbert Reul mochte sich nicht an Spekulationen beteiligen, als er sich am Mittag ein Bild von der Lage machte. Zusammen mit Bürgermeister Franz Huhn und Landrat Sebastian Schuster sprach er mit den Betroffenen, die buchstäblich das Dach über dem Kopf verloren haben.

Unteressen nahmen Brandermittler ihre Arbeit auf. Sie machten sich daran, die zerstörten Häuser zu untersuchen. Ihnen bot sich ein Bild der Verwüstung. Unterstützt werden die Ermittler vor Ort vom Landeskriminalamt. "Die Ermittler nehmen sämtliche Brandorte in Augenschein“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Unkompliziert ist das nicht. Die Polizei muss zum Beispiel auch auf die mögliche Einsturzgefahr in den Ruinen achten. Aus den offenen Dachstühlen hängen verkohlte Balken herab, Fensterscheiben sind zerplatzt, überall liegen Dachziegel herum, Mülltonnen und Gartenstühle sind geschmolzen. Die Häuser sind mit Zäunen abgesperrt – Zutritt strengstens untersagt. „Wir dürfen nicht hinein“, sagte eine Betroffene, den Tränen nahe. Sie und ihre Nachbarn wissen immer noch nicht, was ihnen geblieben ist.

Immer wieder erzählen sie, wie das war an diesem tropisch heißen Nachmittag, als aus einem kleinen Böschungsbrand eine verheerende Feuerwalze wurde. Anwohner Heinrich Bergen ist mit dem Schrecken davon gekommen: Sein Haus blieb unversehrt. Die benachbarten Bauten, in denen seine Schwägerinnen mit Familien wohnen, sind dagegen völlig zerstört. "Ich fuhr am Dienstagnachmittag mit dem Fahrrad nach Hause. Da sah ich schon, dass eine kleine Fläche an der Bahnlinie brannte", berichtet er. Die Feuerwehr sei bereits vor Ort gewesen. Dann seien Züge vorbeigekommen und hätten das Feuer regelrecht aufgewirbelt. In kürzester Zeit habe die Böschung in Brand gestanden. Bäume, Büsche, alles stand sofort in Flammen. Und bald griff das Feuer auf die Häuser oben an der Böschungskante über. „Das ging blitzschnell und hat nur ein paar Sekunden gedauert“, so Bergen.

Siegburg: Böschungsbrand greift auf Wohnhäuser über

Besonders schlimm getroffen hat es das Haus von Andreas Buchmüller. „Ich sah zuerst, dass von der Eisenbahn Qualm hoch zog“, sagte er. Schon brannte es im Garten. „Ich habe noch versucht, das Feuer mit dem Gartenschlauch zu löschen. Dann sah ich aber, dass ich keine Chance hatte.“ Er rannte ins Haus, um seine Tochter und das schlafende, anderthalbjährige Enkelkind herauszuholen. Es gelang ihm in letzter Minute – kurze Zeit später stand sein Haus in Flammen. Es brannte aus, ebenso wie die Garage und drei Autos. „Eigentlich wollten wir am Donnerstag in Urlaub fahren, daraus wird jetzt nichts.“ Er hatte sich schon auf das Kofferpacken eingestellt, doch dann kam die Feuerwalze. Was er jetzt überhaupt noch an Kleidung besitzt, weiß er nicht.

Minister Reul zeigte sich bestürzt: "Die Menschen haben ihr ganzes Geld in die Häuser gesteckt. Nun ist alles zerstört. Wir müssen alles aufnehmen, aufklären und vor allem den Menschen helfen", so Reul. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte den Verletzten schnelle Genesung. Den Einsatzkräften danke die Kanzlerin für ihre Arbeit, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin.

Zusammen mit Bürgermeister Huhn und Landrat Sebastian Schuster will sich Innenminister Reul dafür einsetzen, dass den Betroffenen möglichst schnell geholfen wird. Schuster erklärte, dass der Vorstand der Kreissparkasse ihn am Vormittag angerufen habe und "schnelle sowie unbürokratische Hilfe für die Betroffenen" zugesichert habe. Die Deutsche Bahn beteiligt sich mit 500.000 Euro an einem Hilfsfonds für die Betroffenen.

Wichtig ist Reul, dass die Betroffenen möglichst schnell Gewissheit bekommen, wie es weitergeht. „Die Leute brauchen jetzt möglichst schnell eine Unterkunft. Die Versicherungen müssen aus dem Quark kommen.“ Für den Fall, dass die Betroffenen dort nicht weiterkommen, bot er seine Unterstützung an. Bürgermeister Franz Huhn hatte seinen Urlaub abgebrochen und war um 4 Uhr in der Nacht am Brandort. „Ich bin schockiert. Dieses Ausmaß an Zerstörung habe ich noch nie gesehen", sagte er. Solche Bilder kannte er bislang nur aus dem Fernsehen, aus Griechenland oder aus Australien. „Im Zuge des Klimawandels müssen wir uns darauf einstellen, dass wir solche Szenarien auch bei uns häufiger haben.“

21 Bewohner können Huhn zufolge vorerst nicht in ihre Häuser, wegen der polizeilichen Ermittlungen, aber auch wegen statischer Prüfungen. Die Betroffenen sind bei Verwandten untergekommen. Die Stadt prüft derzeit aber auch weitere Unterbringungsmöglichkeiten. Dazu gehören laut Huhn private Ferienwohnungen, aber auch die städtische Unterkunft in der ehemaligen Hauptschule am Haufeld, die für Flüchtlinge hergerichtet worden ist. Das Gebäude ist frei.

Was Reul, Huhn und Schuster gleichermaßen hervorhoben, war der Einsatz der Feuerwehr. "Durch das besonnene Handeln der Leitstelle konnte Schlimmeres verhindert werden", so Schuster. Während die Häuser in der Straße "Im Urnenfeld", die am Hang stehen, ausgebrannt sind, blieben die Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite verschont. Für die Wehrleute war es ein körperlich extrem belastender Einsatz, bei Außentemperaturen von fast 40 Grad und einer fast 20 Kilo schweren Ausrüstung. „Es ging in erster Linie darum, Menschenleben zu retten“, sagte Georg Burmann, stellvertretender Wehrleiter. Das sei gelungen. „Ansonsten haben wir gerettet, was zu retten war.“ Thomas Glatz, Leiter der Feuerwehr Siegburg, sprach von einem "schwarzen Tag in der Geschichte der Stadt Siegburg." In einem Facebook-Post schreibt er: "Ich wünsche allen, die gesundheitlich betroffen sind, dass sie schnell wieder bei ihren Familien sein können. Den vom Brand Betroffenen wünsche ich Stärke und Zuversicht." Er dankte allen Wehrleuten und Einsatzkräften anderer Hilfsdienste im Namen der Feuerwehr Siegburg "für den selbstlosen Einsatz für unsere Bürger".

Unterdessen ist eine Welle der Hilfsbereitschaft angerollt. Sie kündigte sich bereits am Dienstag an, als sich die Facebook-Gruppe „Siegburg Brandopfer und Umgebung“ bildete. In weniger als 24 Stunden hatte sie bereits rund 4000 Mitglieder. Ob Kleidung, Unterkunft oder Spielzeug: Dort gingen zahlreiche Hilfsangebote ein. Die Stadt Siegburg hat ein Bürgertelefon eingerichtet, bei dem seit Dienstagabend hunderte Anrufe eingingen.

Am Mittwochmorgen konnte die ICE-Strecke wieder freigegeben werden. Für den Regionalverkehr ist der Abschnitt weiter gesperrt, heißt es weiter. Wann die Strecke auch wieder für Regional- und S-Bahnen freigegeben wird, ist noch unklar.

Die Oberleitung ist durch den Brand auf einer Länge von 350 Metern beschädigt worden, teilte die Deutsche Bahn am Mittwochmittag mit. Diese werde aktuell repariert, auch an Kabeln der Leit- und Sicherungstechnik müssen Schäden beseitigt werden. Bäume, die durch das Feuer nicht mehr standfest sind, werden vorsorglich entfernt.

Es komme weiterhin zu Einschränkungen im Regionalverkehr. Die Züge der RE 9 aus Richtung Niederschelden enden und beginnen in Au (Sieg). Aus Richtung Aachen Hbf enden und beginnen die Züge in Köln/Deutz. Die Züge der S 12 aus Richtung Au (Sieg) enden und beginnen in Hennef. Aus Richtung Horrem enden und beginnen die Züge in Troisdorf. Ein Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen ist zwischen Hennef und Troisdorf eingerichtet.