Ferkelkastration: Das sagt ein Landwirt zur Vollnarkose

Ist eine Vollnarkose sinnvoll? : Das sagt ein Landwirt zum Streitthema Kastration bei Ferkeln

Wie kastriert man Ferkel am besten? Darüber streiten Gesetzgeber, Landwirte und Parteien seit Monaten. Die Grünen fordern eine Vollnarkose. Der Deutsche Bauernverband ist für eine lokale Betäubung. Landwirt Wilhelm Hellmanns aus Geldern erklärt warum.

Frühestens ab Januar 2019 könnten Landwirte per Gesetz verpflichtet werden, Ferkel nur noch unter Betäubung zu kastrieren. Der Deutsche Bauernverband versucht den Zeitpunkt zu verschieben. Warum?

Wilhelm Hellmanns Man muss fragen, welche Methode ist medizinisch sinnvoll beziehungsweise eine Verbesserung? Bislang steht zur Diskussion, dass wir Ferkel unter Vollnarkose kastrieren sollen, dass halten wir jedoch nicht für die beste Methode.

Ferkel kastriert man, weil sonst das Fleisch sehr ungewöhnlich schmeckt. Welche Methode ist Ihrer Meinung nach die Beste?

Hellmanns Es gibt vier Wege, ein Ferkel zu kastrieren: die Ebermast, die Immuno-Kastration, die Isoflavon-Narkose und die lokale Anästhesie. Wir sind der Meinung, dass eine lokale Betäubung am sinnvollsten ist. Man kann sich das vorstellen wie eine Betäubung beim Zahnarzt. Das Tier bekommt eine Spritze, dann wird fünf bis zehn Minuten gewartet und dann der Eingriff vorgenommen. In Schweden und Dänemark ist das schon lange üblich, wenn auch mit ein paar Auflagen.

Wilhelm Hellmanns ist Landwirt und Ferkelzüchter in Geldern. Foto: sey

Bei der Ebermast wäre allerdings keine Kastration nötig, sondern man verkauft das Eberfleisch trotz Geruch. Was spricht dagegen?

Hellmanns Die Nachfrage nach Eberfleisch ist wegen des starken Eigengeruchs sehr gering. Die Metzger sagen, das Angebot an Eberfleisch deckt die Nachfrage ab. Außerdem ist es nicht ganz unproblematisch eine Ebermast zu haben. Denn der Verbraucher merkt, wenn sich nur ein Eber beim Schlachten in eine Charge kastrierter Schweine verirrt. Der Geruch ist wirklich intensiv.

Was spricht gegen eine Vollnarkose?

Hellmanns Mir ist klar, dass man Kinder und Ferkel nicht wirklich vergleichen kann. Aber wir wissen aus der Humanmedizin, dass Kinderärzte einem Säugling nur bei allerhöchster medizinischer Dringlichkeit eine Vollnarkose geben würden. Bis heute sind die Auswirkungen, die die Behandlung hat, nämlich nicht klar. Wie gesagt, dass ist sicherlich nicht das Gleiche und doch muss man sich fragen: Wieso sollten diese Mittel auf Ferkel keine negativen Effekte haben? Hinzu kommt, dass man für das Narkosegas spezielle Geräte kaufen müsste. Die sind laut Berufsgenossenschaft jedoch nicht wirklich gut. Gas kann also unkontrolliert austreten, und das ist eine Gesundheitsgefahr für meine Mitarbeiter. Das kann man niemandem zumuten.

Was passiert bei der Immuno-Kastration?

Hellmanns Dabei wird die Testosteron-Bildung durch einen Impfstoff unterdrückt und somit auch Hodenbildung. Das Hormon wird also nicht so stark im Fleisch abgelagert. Das birgt aber viele Probleme: Wie stellt man sicher, dass das Fleisch nicht riecht? Die Impfung muss mehrfach gegeben werden, wie macht man das? Konkret: Wenn ein Kunde von mir Ferkel kauft und ich ihm sage, ich müsse in sechs Wochen wieder impfen, man müsse beobachten, ob das Tier nicht doch anfängt zu riechen und dann vier Wochen vor der Schlachtung vielleicht nochmal nachimpfen, um auf Nummer sicher zu gehen - dann ist der Kunde weg. Dann kauft er die Ferkel in Dänemark, weil damit kein weiterer Aufwand verbunden ist.

Die lokale Betäubung bringt aber auch Probleme mit sich. Nicht-Mediziner bekämen Betäubungsmittel in die Hand und das Tier würde trotzdem drangsaliert.

Hellmanns Die Industrie müsste eine sinnvolle Verpackung dafür finden. Einweg-Spritzen wären beispielsweise sinnvoll, damit auch wir damit umgehen können. Außerdem wäre eine zusätzliche Schulung für die lokale Betäubung denkbar. So wird es auch in Skandinavien gehandhabt. Natürlich wird das Tier dabei gespritzt, das haben weder Tiere noch Menschen gern. Aber bei der Immuno-Kastration muss das mehrfach gemacht werden, das ist also viel mehr Stress für das Ferkel. Und bei einer Vollnarkose wissen wir wie gesagt gar nicht, welche Gefahr das für das Tier birgt.