Faszinierende Tierfotos in der Innenstadt: Als die Tiere den Wald verließen

Fotograf zeigt faszinierende Aufnahmen : Als die Tiere den Wald verließen

Sie leben in Kirchtürmen, bekommen ihre Jungen an der Autobahn oder streunen durch Parks: Ob Vögel, Füchse oder Wildschweine – auch in NRW leben Wildtiere in Städten. Ein Fotograf aus Köln hält sie in faszinierenden Aufnahmen fest. Bald auch Wölfe?

Manchmal dauert es Tage, Wochen oder auch Monate bis Sven Meurs einen Fuchs in Köln perfekt ablichten kann. Dabei geht der 29-Jährige nicht einfach in einen Zoo oder in ein Wildgehege. Er legt sich mit einem Tarnanzug bekleidet stundenlang in der Dämmerung auf die Lauer. „Rund 250 Stunden und 11.000 Fotos hat es gedauert, bis ich das Bild bekommen habe, das ich mir vorgestellt habe“, sagt der Fotograf im Gespräch mit unserer Redaktion.

Meurs ist 29 Jahre alt und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Wildtiere in Großstädten zu fotografieren. Seit einiger Zeit arbeitet der Vater von drei Kindern nur noch in Teilzeit als Krankenpfleger. Die übrige Zeit nutzt er, um Großstadttiere abzulichten. Manchmal geht dafür auch sein Urlaub drauf, wenn er nach Berlin reist, um die dort lebenden Wildschweine zu fotografieren.

Weil es in bewirtschafteten Landschaften kaum noch Nahrung und Rückzugsorte für Wildtiere gibt, bevölkern immer mehr Füchse, Waschbären, Wildschweine und Insekten die Innenstädte. Dort bieten Hecken, stillgelegte Industriegebiete und auch Gärten mit Obstbäumen gute Rückzugsorte und neue Lebensräume. „Man kann bereits von einer Art Landflucht der Tiere sprechen“, sagt Birgit Königs vom Nabu NRW. „Es sind vor allem die flexiblen Tiere, die immer mehr in den Städten leben.

„Füchse und Wildschweine kommen zum Beispiel mit Störungen und lichthellen Nächten gut zurecht“, sagt die Expertin. Damit ein Zusammenleben im gleichen Raum reibungslos funktioniert, muss der Mensch aber einige Regeln beachten. „Wenn man einem Wildtier begegnet, sollte man es auf keinen Fall versuchen zu streicheln oder zu füttern“, sagt Königs. „Füchse können im Zweifelsfall auch beißen. Auch Wildschweinen sollte man eher aus dem Weg gehen und sich ruhig verhalten.“

Über Füchse weiß Meurs ebenfalls zahlreiche Anekdoten zu berichten. So sei zu beobachten, dass die Tiere bei roter Ampel am Gehweg warten. „Natürlich nicht, weil die Ampel rot zeigt, sondern weil sie warten, bis keine Autos mehr fahren“, sagt er. „Die sind einfach clever.“

Zwar leben mittlerweile in fast jeder Stadt Füchse, dennoch hat jeder urbane Lebensraum Besonderheiten, die bestimmte Arten von Tieren anziehen. „In München leben zum Beispiel zahlreiche Biber, weil die Isar gute Lebensbedingungen bietet“, sagt Meurs. In Berlin fühlen sich Wildschweine wegen der zahlreichen kleinen Wälder wohl. „Im Ruhrgebiet lassen sich wiederum Amphibien nieder, weil sie dort trockene, sandige und steinige Orte finden.“

Laut Meurs ist eine Großstadt trotzdem nicht der ideale Lebensraum für Tiere. Der sei in ihrer natürlichen Umgebung in Wäldern. Trotzdem glaubt er, dass sich Städte weiterhin als sekundäre Heimat für Wildtiere etablieren werden. „Wer weiß, vielleicht zieht es bald sogar Wölfe in die Städte“, sagt er. Das könne ähnlich laufen, wie bei den Füchsen. „Manchmal füttern Menschen Wildtiere bewusst mit Schinken oder Speck. Und wenn man am Stadtrand oder in der Nähe eines Waldes lebt, kommt der Wolf vielleicht auch auf seinen nächtlichen Streifzügen vorbei. Dann könnte man ihn auch auf dem ein oder anderen Grundstück finden“, sagt Meurs. Sollte sich das Tier daran gewöhnen, könnte es zumindest an den Stadtrandbezirken passieren, dass der Wolf dort immer mal wieder in der Nähe des Menschen auftaucht. Meurs betont dabei, dass es sich um eine persönliche Annahme handelt und nicht um eine wissenschaftliche Feststellung. „Der Wolf ist halt ein Nahrungsopportunist und frisst nun mal das, was er am leichtesten bekommt.“

Meurs fotografiert die Tiere nicht nur, er hält auch Vorträge zum Thema „Großstadt Wildnis – Safari in urbaner Natur“. „Mir ist es einfach wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, wie hoch die Artenvielfalt mittlerweile in den Städten ist und vor allem: wie sich Menschen dabei verhalten sollten“, sagt Meurs. Ein großes Problem sei die Unwissenheit der Bevölkerung. „Ein Fuchs kommt in der Innenstadt teilweise auf fünf bis sechs Meter an den Menschen heran.“ Manche Menschen reagieren dann mit Angst, andere würden den Fuchs sogar füttern wollen. „Man sollte immer Distanz wahren“, sagt er.

So haben über die Zeit zahlreiche Wildtiere neue sekundäre Lebensräume für sich entdeckt. In einem Bildband, der im September erscheinen wird, werden die unterschiedlichsten Tiere und ihre verschiedenen Lebensräume dargestellt. Wer Sven Meurs in einem Vortrag live erleben möchte, hat am 11. April um 19.30 in Neuss die Möglichkeit dazu. Die Show ist kostenlos und findet bei der VHS statt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So leben Wildtiere in der Großstadt

Mehr von RP ONLINE