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Falschgeld-Ring in NRW mit Bezug zur italienischen Mafia Camorra zerschlagen

Bezug zur italienischen Mafia Camorra : Schlag gegen Falschgeld-Ring in NRW

Bei einer Razzia haben rund 100 Polizisten in NRW mit Durchsuchungen in mehreren Städten einen mutmaßlichen Falschgeldring zerschlagen. Parallel dazu gab es Schläge gegen das Netzwerk in Neapel. Die Tatverdächtigen sollen in Bezug zur italienischen Mafia stehen.

Der Italiener lebte bescheiden in Düsseldorf, sagen die Ermittler. Er hatte zuvor in Wuppertal gewohnt, bezog Sozialleistungen, hat drei Kinder. Dann geriet der 56-Jährige in den Fokus internationaler Ermittlungen. Hinter der unscheinbaren Fassade des Familienvaters soll sich der Kopf einer Gruppe verborgen haben, die mit Falschgeld, Drogen und Waffen gehandelt hat – wohl auch mit Kontakten zur italienischen Mafia-Gruppierung Camorra. Am Donnerstagmorgen durchsuchten Ermittler 18 Wohnungen in NRW und nahmen vier Personen fest. Auch in Neapel schlugen die Behörden gleichzeitig zu.

Bei den Durchsuchungen in NRW sicherten die Ermittler insgesamt 45.000 Euro Bargeld, Autos, eine halbautomatische Waffe und eine Immobilie. Rund 100 Polizisten seien allein in Deutschland im Einsatz gewesen, darunter Spezialeinheiten und Steuerfahnder, hieß es vom Landeskriminalamt (LKA). Sie durchsuchten Objekte in Düsseldorf, Lüdenscheid, Dormagen, Kaarst, Neuss, Bonn und Mönchengladbach.

Die Aktion der Ermittler war von langer Hand geplant. Seit zwei Jahren ermitteln die deutsch-italienischen Kommissionen „Alleanza“ und „Blanko“ mit dem Ziel, Strukturen der italienischen organisierten Falschgeldkriminalität aufzubrechen. Das Verfahren unter Leitung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf richtet sich gegen 80 Beschuldigte in Deutschland und im europäischen Ausland. In den zwei Jahren haben die Ermittler laut LKA rund 160.000 Euro „qualitativ sehr hochwertiges Falschgeld“ sichergestellt, dazu eine nicht geringe Menge Kokain, inkriminierte Fahrzeuge, gefälsche Führerscheine und eine Schusswaffe.

  • Ein gefälsch
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  • Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines
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In Italien haben die Ermittler hochprofessionelle Gelddruckmaschinen und Falschgeld im Wert von 56 Millionen Euro beschlagnahmt. „Die Papiergröße und die Form entsprechen dem Original. Es gibt nur einige Merkmale, an denen man die Fälschung merkt“, sagte Oliver Huth, Leiter der Ermittlungskommission. Die Gruppe habe mit hohem Fachwissen operiert: Bereits sechs Monate nach der Ausgabe des neuen 100-Euro-Scheins durch die Europäische Zentralbank habe sie schon hochwertige Fälschungen hergestellt, sagte Huth.

In NRW sind Verfahren mit Bezug zur Camorra eher selten. Häfiger gelingen den Ermittlern Schläge gegen die kalabresische 'Ndrangheta mit Bezug zum Kokainhandel oder die sizilianische Cosa Nostra, die ein Ermittler als Baumafia bezeichnete. Der Bezug zur Camorra lässt sich im aktuellen Ermittlungsverfahren allerdings erst über die Tatverdächtigen in Neapel herstellen. Mithilfe von Finger- und Handflächenabdrücken hat man das beschlagnahmte Falschgeld zu ihnen zurückverfolgt. Man habe aber keine Indizien dafür, dass es sich bei den in Deutschland verhafteten Männern um Mafiosi handele, betonte ein Ermittler.

„Kaum jemand arbeitet so verborgen und unauffällig wie die Mafia“, sagte NRW-Innenmister Herbert Reul (CDU) nach den jüngsten Razzien. „Wir haben die Kriminellen da getroffen, wo es ihnen besonders wehtut, nämlich beim Geld, bei ihren Geschäften.“