Fall Bergisch Gladbach: Verdächtiger aus Wesel missbrauchte weiteres Kind

Mutmaßliches Netzwerk von Pädokriminellen : Verdächtiger aus Wesel missbrauchte offenbar weiteres Kind

Die Justizpanne bei den Ermittlungen im Fall des Pädokriminellen-Netzwerkes hat offenbar den Missbrauch eines weiteren Kindes begünstigt. Ein Verdächtiger aus Wesel soll sich Ende August an einem Kind vergangen haben – obwohl er bereits seit Mitte Juni im Visier der Ermittler war.

Das geht aus einem Bericht des NRW-Justizministeriums im Rechtsausschuss des Landtages hervor. Dem 26-jährigen Zeitsoldaten aus Wesel war der  Missbrauch seiner dreijährigen Tochter und seines fünfjährigen Stiefsohnes vorgeworfen worden. Doch obwohl er dies im Juni gegenüber der Polizei zugegeben hatte, hatte die Staatsanwaltschaft auf eine Hausdurchsuchung sowie die Vernehmung der Kinder verzichtet. Das hatten sowohl Justizminister Peter Biesenbach (CDU) als auch der Generalstaatsanwalt als Fehler bezeichnet.

Gegenüber dem Rechtsausschuss erklärte das Ministerium nun, es gehe von einem weiteren Missbrauch im Spätsommer aus. „Ersten polizeilichen Hinweisen zufolge könnte das Geschehen am Wochenende 24. und 25. August als möglich erscheinen“, sagte Justiz-Ministerialdirigent Christian Burr. Er ließ offen, welches Kind missbraucht worden ist, gegenüber den eigenen Kindern hatte der Zeitsoldat Kontaktverbot.

Das mutmaßliche Pädokriminellen-Netzwerk war Ende Oktober mit der Festnahme eines 42-Jährigen in Bergisch Gladbach aufgeflogen. Auf seinem Handy und auf Datenträgern in seiner Wohnung fanden Ermittler Hinweise auf viele weitere mutmaßliche Täter und Opfer.

Inzwischen sind mehr als 200 Ermittler aus ganz NRW mit dem Fall beschäftigt, sichten unter anderem das kinderpornografische Material. In Chat-Gruppen mit mehr als 1800 Mitgliedern sollen die Verdächtigen Fotos und Videos ausgetauscht haben, die teilweise den Missbrauch ihrer eigenen Kinder zeigen sollen.

Am Donnerstag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Köln gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Magdeburg mit, dass ein weiterer Verdächtiger in Sachsen-Anhalt festgenommen wurde. Damit sitzen inzwischen elf Verdächtige in Untersuchungshaft. Zudem wird gegen insgesamt 14 Beschuldigte aus NRW ermittelt.

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