Unwetter in NRW: Extreme Wetterlagen nehmen zu

Unwetter in NRW : Extreme Wetterlagen nehmen zu

Für NRW sind wieder kräftige Gewitter mit Sturmböen und Sturzregen angesagt. Sie sind typisch für die Jahreszeit. Und doch warnen Experten, dass wir uns infolge des Klimawandels auf immer mehr stärkere Unwetter einstellen müssen.

Hagelberge, gekenterte Ausflugsboote, Blitzeinschläge, die Kühe töten - im Osten und Süden Deutschlands und teilweise auch in Nordrhein-Westfalen hat das Wetter wieder einmal demonstriert, welche zerstörerischen Kräfte es freisetzen kann. Doch so etwas ist im August eigentlich nichts Besonderes. Denn in dieser Zeit wird es immer wieder schwül-warm, so dass der Wasserdampf in kalte Höhen zieht, wo er dann "schockkondensiert", gefriert und den typischen Wolkenturm des Gewitters formt. "So etwas gibt es seit dem Ende der letzten Eiszeit", erklärt Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Doch viele Menschen beruhigt das nicht, denn sie haben schon den Eindruck, dass es heute häufiger kracht als früher.

Der DWD kann dafür zwar noch keine belastbaren Daten liefern, doch Klimaforscher betonen, dass die steigenden Temperaturen - und an ihnen kann es laut Messungen der vergangenen Jahre keine Zweifel geben - gar nicht in ein anderes Szenario münden können. Wir stellen uns zwar die Klimaerwärmung gerne in Verbindung mit langen Hitze- und Trockenperioden vor, doch tatsächlich sind sogenannte "Gewittercluster" mit langer Lebensdauer und extremen Windgeschwindigkeiten viel typischer für sie. Dies belegen nämlich die aktuellen Messwerte zur Konvektion.

Bei der Konvektion geht es um das Aufsteigen erwärmter Luftmassen bei gleichzeitigem Sinken kälterer Luft in der Umgebung. Und hier zeigen aktuelle Daten des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) für den deutschen Südwesten einen deutlichen Anstieg der Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit in Bodennähe, während in höheren Atmosphärenschichten, ab etwa 1,5 Kilometer, nichts dergleichen zu beobachten ist.

Die Temperatur- und Feuchtigkeitsdiskrepanz zwischen unten und oben hat also deutlich zugenommen, mit der Folge, dass sich immer stärkere Aufwinde mit immer größerem Tempo und höheren Energien entwickeln. Wie geschaffen für das plötzlich-unerwartete "Hochpoppen" eines Gewittersturms, das dann so schnell vor sich gehen kann, dass es auch dem Wetterradar auf dem Handy entgeht.

Für diesen Trend spricht eine weitere Erhebung des IMK. Denn während sich Wetterdienste auf jene Daten beschränken müssen, die von ihren Messstationen am Boden geliefert werden, konnte man dort auch die Versicherungsfälle - denn gerade Stürme und Hagel sorgen ja immer wieder für heftige Schäden - für den Zeitraum zwischen 1971 und 2000 analysieren. Dabei zeigt sich, dass es acht Tage mehr pro Jahr geworden sind, an denen es in Süddeutschland hagelt und donnert. "Das Gewitterpotential hat eindeutig zugenommen", betont IMK-Meteorologe Michael Kunz. Am stärksten zeige sich dies in der Region um Stuttgart, vermutlich wegen der dortigen Berghänge, die bekanntermaßen je nach Steigung und Bepflanzung zur Bildung eines Gewitters beitragen können.

Für Nordrhein-Westfalen liegen noch keine vergleichbaren Daten vor, aber auch dort muss man sich auf eine Zunahme von heftigen Gewittern einstellen. Denn dieser Trend macht selbst vor Alaska nicht Halt. Die Eskimos hörten dort vor 30 Jahren noch mit offenen Mündern zu, wenn man ihnen von einem Gewitter erzählte, denn das gab es bei ihnen nicht. Mittlerweile jedoch gehört es bei ihnen zum Alltag.

Umgekehrt müssen wir uns auf Winterperioden einstellen, von denen wir bisher nur aus Filmen und Berichten über Eskimos hörten. Denn infolge der ansteigenden Temperaturen schmilzt das Eis am Nordpol, und dadurch verringert sich die Fläche, von der wärmende Sonnenstrahlen zurück in den Weltraum reflektiert werden. Die Folge: Im Norden wird es immer wärmer, und das bringt Veränderungen im Luftstrom mit sich. Aus dem Süden dringt warme Luft zur Arktis, und von dort schieben sich zum Ausgleich kalte Luftmassen gen Süden. Im Winter 2009/2010 kletterte dadurch an der Arktis das Thermometer auf bis zu zwölf Grad höhere Werte als üblich, während es in Europa um bis zu zehn Grad kälter war als sonst.

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(RP)
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