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Experten aus Köln: Stolbergs Stadtarchiv nach Überflutung in Gefahr

Experten aus Köln sollen helfen : Stolbergs Stadtarchiv nach Überflutung in Gefahr

Die Fluten kamen so schnell, dass historische Schriften nicht mehr ins Obergeschoss gebracht werden konnten: Das Stadtarchiv der Stadt Stolberg ist schwer beschädigt, seinem wertvollen Inhalt droht der Zerfall. Experten aus Köln sollen helfen.

Wertvolle historische Dokumente des Stolberger Stadtarchivs sind in Gefahr. In der Unwetterkatastrophe hatten Wassermassen den Keller überflutet, Urkunden und andere Schriften drohen zu verschimmeln. „Unsere komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen, das ganze Archivmaterial stand im Wasser“, sagte Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD) am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Jetzt muss man versuchen zu retten, was zu retten ist.“ Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet.

Es gebe zahlreiche Helfer vor Ort, zudem habe das Kölner Stadtarchiv Experten zur Unterstützung geschickt - die Domstadt hat nach dem Einsturz ihres Stadtarchivs im Jahr 2009 Erfahrung mit der Sicherung von Materialien unter widrigen Bedingungen. Aus Köln wurde am Montagnachmittag ein Kulturgutschutz-Container erwartet, den die Domstadt im vergangenen Jahr gekauft hatte. In ihm sollen Dokumente gesäubert und sichergestellt werden. Die Dokumente müssen schockgefroren werden, damit kein Zersetzungsprozess beginnt. Es gehe unter anderem um Urkunden aus dem Mittelalter, aber auch um normale Bauanträge - letztere seien wichtig, etwa um zukünftig Ausbauten zu genehmigen, erklärte der Bürgermeister.

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Der Kommunalpolitiker betonte die Bedeutung des Archivs für seine Stadt. „Die historischen Wurzeln sind den Menschen sehr wichtig“, sagte er. „Wir haben eine lange Stadtgeschichte und gerade noch über den Bau eines Historicums nachgedacht, um den Menschen moderne Archivräume und Ausstellungen bieten zu können.“ Solche Pläne seien nun vorerst vom Tisch. „Jetzt denken wir darüber nach, ob wir in Zukunft überhaupt noch Archivmaterial und damit Zeugnisse unserer Stadthistorie haben werden, die wir zeigen können.“

Stolberg bezeichnet sich als „Kupferstadt“, was auf die Ansiedlung von protestantischen Kupfermeistern zurückgeht, die eine lange Tradition der Metallverarbeitung in der Stadt begannen. „Es geht um unser historisches Gedächtnis, was gerettet werden muss.“

Der Wiederaufbau der von der Unwetterkatastrophe verwüsteten Stadt Stolberg wird nach Einschätzung des Bürgermeisters immens teuer. „Wir müssen eine komplette Innenstadt wiederherstellen.“ Stolberg hat 57.000 Einwohner und einen Jahreshaushalt von rund 200 Millionen Euro. Die Stadt benötige dringend umfassende Hilfen von Bund und Land.

Bürgermeister Haas befürchtet langfristige Folgen. „Wenn die Industrieunternehmen nach den massiven Zerstörungen ihrer Anlagen keine angemessene Hilfe bekommen, könnten sie sich überlegen, ob sie nicht wegziehen und irgendwo auf der grünen Wiese einen Neustart machen.“ Das hätte gravierende Folgen für Stolberg, weil dann viele Arbeitsplätze verloren gingen.

(chal/dpa)