Essener Tafel: Das steckt hinter dem Aufnahmestopp für Ausländer

Aufnahmestopp für Ausländer: Das steckt hinter dem Streit um die Essener Tafel

Weil sich einige bei der Essensausgabe daneben benommen haben sollen und weil zu viele Ausländern unter den Kunden sind, will die Essener Tafel vorerst nur noch Menschen mit deutschem Pass aufnehmen. Dafür bekommt sie heftige Kritik. Doch was steckt hinter dem Streit?

Die Essener Tafel vergibt neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmittelspenden seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Die Regelung wurde vergangene Woche bundesweit kritisiert, von Sozialverbänden, Politikern verschiedener Parteien und auch Tafeln anderer Bundesländer.

Begründet wird dies mit einem großen Anteil an Ausländern, nämlich rund drei Viertel. Gerade ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor gesagt. Bei diesen Männern habe er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet.

Im Internet hatte der gemeinnützige Verein erklärt: "Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen, um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen."

Ja. Bei der Tafel im benachbarten Wattenscheid etwa können nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" Senioren schon eine halbe Stunde vor dem allgemeinen Start kommen. Auch dort hatten es dem Bericht zufolge vor einigen Monaten einheimische bedürftige Rentner und Alleinerziehende schwer, sich angesichts zahlreicher Flüchtlinge und Zuwanderer in der Masse zu behaupten. "Irgendwann wurde es einfach zu viel und unübersichtlich. Wir haben die Einkünfte-Kontrollen verschärft, gestaffelte Zugangszeiten eingeführt und deutliche Worte gewählt. Das hat geholfen", sagte Tafel-Leiter Manfred Baasner der Zeitung.

  • Trotz Kritik : Essener Tafel hält vorerst an Aufnahmestopp für Ausländer fest

In 13 Verteilstellen gehen die Lebensmittel jede Woche an rund 6000 Menschen. Die Tafel beliefert darüber hinaus nach eigenen Angaben knapp 110 soziale und karitative Einrichtungen wie Mittagstische in sozialen Brennpunkten oder Anlaufstellen für Obdachlose mit weiteren rund 10.000 Menschen. Bundesweit verteilen die Tafeln die Lebensmittel regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen Bedürftige.

In Essen sind es 120 ehrenamtliche Helfer, die Lebensmittel sammeln, sortieren und verteilen. Die Waren werden von Lebensmittelmärkten, Produzenten, Großhändlern und Bäckereien gespendet. Mit sechs Kühlfahrzeugen sammeln die Ehrenamtlichen die Waren ein und bringen sie zu den Ausgabestellen.

Jeder, der seine Bedürftigkeit nachweisen kann: Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen. In Essen erhalten die Kunden nach erfolgreicher Anmeldung eine Kundenkarte und eine feste Abholzeit einmal in der Woche. Bei der Anmeldung muss sich der Kunde entscheiden, an welcher der Verteilstellen er die Lebensmittel erhalten möchte. Jeder Erwachsene muss pro Ausgabe einen Euro Schutzgebühr bezahlen. Wer seinen Termin nicht einhalten kann, muss sich telefonisch abmelden. Wer das drei Mal versäumt, verliert die Berechtigung.

(heif)
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