Essener Tafel: Das sagen die Kunden zum Aufnahmestopp

Zu Besuch bei der Essener Tafel: Das sagen die Kunden zum Aufnahmestopp für Ausländer

Tafel in Essen: Das sagen die Kunden zum Aufnahmestopp für Ausländer

Die Essener Tafel hat am Mittwoch wie geplant neue Bezugskarten für Lebensmittelpakete an bedürftige Deutsche ausgegeben. Bewerber mit ausländischen Pässen wurden weggeschickt. Wir haben mit Besuchern der Tafel darüber gesprochen.

Mehrere Dutzend Menschen standen am Morgen für neue Berechtigungen an. Wer keine Kundenkarte bekam, wurde gebeten, in sechs Wochen wiederzukommen. Alles lief dabei friedlich ab, es gab keine lautstarken Proteste.

Zahlreiche Kunden der Tafel lobten die Entscheidung, derzeit keine neuen Ausländer aufzunehmen. Sie berichteten davon, dass sich mehrere ausländische Kunden bei der Essensausgabe schlecht benommen hätten. Sie hätten sich vorgedrängelt und Lebensmittel wie Brot mit den Fingern betatscht. Einige Kunden kommen in unserem Video zu Wort.

Essens Sozialdezernent Peter Renzel verteidigte die Entscheidung der Tafel. Gleichzeitig verwahrte sich Renzel davor, dass die AfD das Thema für sich instrumentalisieren will. Ein Interview lesen Sie hier.

Die Entscheidung des Vereins sorgt bundesweit für heftige Debatten. "Ich kann nur appellieren an unsere Gesellschaft, dass wir uns nicht definieren über deutsch oder nicht deutsch, sondern dass wir uns definieren über anständig und unanständig", sagte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag. "Wer an einer Tafel sich nicht anständig benimmt, der gehört da dauerhaft ausgeschlossen - und da ist es auch völlig egal, ob er einen Fluchthintergrund hat oder nicht. Wer sich nicht benimmt, hat an einer Tafel nichts verloren."

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"Das ist ja ein Hilferuf von Menschen"

Die Essener Tafel begründet ihr Vorgehen mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte der Vereinsvorsitzende Jörg Sartor gesagt.

CSU-Chef Horst Seehofer zeigte Verständnis für die Entscheidung. "Das ist ja ein Hilferuf von Menschen, die sich um Mitmenschen kümmern", sagte er in München. "Und ich würde uns Politikern empfehlen, solche Dinge nicht zu kritisieren, sondern miteinander zu überlegen, wie man denen, die diesen Hilferuf absetzen, helfen kann."

Linken-Parteichefin Katja Kipping forderte einen Kurswechsel in der Sozialpolitik. Sie wolle nicht über irgendwelche Quoten nach Nationalitäten für die Nutzer der Tafeln diskutieren, sagte sie im ZDF. "Ich möchte darüber diskutieren, wie wir möglichst die Tafeln überflüssig machen, weil niemand mehr hungern muss in diesem Land."

(csi/dpa)
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