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Prozess um Leiche in Regenfass: Essener soll Vermieter getötet und verbuddelt haben

Prozess um Leiche in Regenfass : Essener soll Vermieter getötet und verbuddelt haben

Ein 51-jähriger Mann aus Essen muss sich seit Donnerstag wegen Mordes vor Gericht verantworten. Er soll seinen Vermieter getötet haben. Angeblich ist der Angeklagte ein gerissener Betrüger.

Der Körper war so gut verpackt, dass nicht einmal die Spürhunde angeschlagen haben. Im vergangenen August wurden in Essen die Leiche eines 75-jährigen Hausbesitzers entdeckt. Sie lag in einer Regentonne, unter der Erde. Die Suche nach dem Mörder führte zu einem Ex-Mieter. Seit Donnerstag steht der Mann in Essen vor Gericht. Sein Verteidiger sagt: "Er ist einfach durchgedreht."

Der Angeklagte ist 51 und angeblich ein gerissener Betrüger. Laut Anklage hat er 2013 als Altenpfleger gearbeitet und sich danach immer wieder das Vertrauen älterer, alleinstehender Personen erschlichen.

Auch das spätere Opfer lebte allein, hatte angeblich nur wenig Kontakte nach außen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Angeklagte ein Auge auf das Haus des 75-Jährigen geworfen hatte. Nur deshalb sei er dort 2015 mit seiner mitangeklagten Ehefrau eingezogen. Die Wohnung - in Essens bester Lage - konnte er sich angeblich überhaupt nicht leisten.

Es ging wohl um 1800 Euro

In den Monaten vor der Tat soll der 75-Jährige immer wieder die ausstehende Mietkaution von 1800 Euro eingefordert haben. Am 8. Juni ist die Situation angeblich eskaliert. Laut Anklage nahm der 51-Jährige eine Kupferstange und schlug damit immer wieder auf seinen Vermieter ein. Später legte er ihm die Hände um den Hals und drückte so lange zu, bis er starb. Dabei muss der Angeklagte unwahrscheinlich viel Kraft aufgewandt haben. Nach Angaben der Rechtsmediziner wurden beide Zungenbeine gebrochen.

Die Leiche wurde in mehrere Folien gepackt, das Regenfass mit Silikon versiegelt. Das dafür erforderliche Material soll der 51-Jährige direkt nach der Tat in einem Baumarkt gekauft haben. Laut Anklage wurde die Tonne später mit einer Sackkarre in den Garten gebracht und in einer Sickergrube verscharrt.

Angeklagte sollen Bankkarten des Opfers gestohlen haben

Das plötzliche Verschwinden des 75-Jährigen war zunächst einer Nachbarin aufgefallen. Sie stellte eine Vermisstenanzeige. Gleichzeitig hatte ein Bankmitarbeiter verdächtige Kontobewegungen bemerkt. Denn auch das wird dem Angeklagten und seiner Ehefrau vorgeworfen: Sie sollen zwei EC-Karten des Opfers gestohlen und damit vor und nach der Tat immer wieder an Automaten Geld abgehoben haben, rund 13.000 Euro insgesamt. Außerdem wurde das Auto des Seniors verkauft. Von dem Geld soll sich das Paar unter anderem eine verspätete Hochzeitsreise ins holländische Domburg gegönnt haben.

Zum Prozessauftakt haben sich der 51-Jährige und seine ein Jahr ältere Frau, der nur Betrug vorgeworfen wird, noch nicht zur Anklage geäußert. Verteidiger Volker Schröder, der den Hauptangeklagten vertritt, hat aber bereits angekündigt, dass der 51-Jährige sein bei der Polizei abgelegtes Geständnis wiederholen werde. "Aus seiner Sicht war die Tat allerdings kein Mord", so Schröder am Rande des Prozesses vor dem Essener Schwurgericht. "Es hat einen Streit gegeben, dann ist der Angeklagte durchgedreht."

Das Essener Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch zwölf Verhandlungstage bis zum 16. Mai angesetzt.

(sef/lnw)