Essen: Zahlreiche Proteste bei Hauptversammlung von RWE

„Fridays for Future“ in Essen : Zahlreiche Proteste bei Hauptversammlung von RWE

Schüler demonstrieren bei Aktionärstreffen von RWE in Essen

Von massiven Protesten überschattet startete am Freitag die Hauptversammlung des Stromkonzerns RWE. Auch Schüler der Bewegung „Fridays for Future“ demonstrierten vor dem Gebäude.

Von massiven Protesten überschattet fand am Freitag die Hauptversammlung des Stromkonzerns RWE statt. Auch einige hundert Schüler der Bewegung „Fridays for Future“ demonstrierten vor der Essener Grugahalle. Ihre Repräsentantin Luisa Neubauer sprach auf dem Treffen, weil die Vereinigung kritischer Aktionäre ihr das Rederecht übertragen hatte.

In den Straßen in der Nähe standen dutzende Bereitschaftswagen der Polizei, die U-Bahn-Station an der Grugahalle wurde zeitweise durch einen Sitzstreik blockiert, vor der Halle waren Transparente aufgespannt. Hauptforderung war, dass RWE so schnell wie möglich aus der Braunkohle aussteigt, damit das Klima geschont wird. „RWE vertreiben, Dörfer bleiben“, skandierten die Demonstranten zur Zukunft des Rheinischen Braunkohlereviers. „Wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut“, war ein weiteres Motto.

Das sagt Luisa Neubauer bei der RWE-Hauptversammlung in Essen

Der Bewegung „Fridays for Future“ widmete RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen Teil seiner Rede. Er versuchte sich als ihr möglicher Verbündeter darzustellen: Klimaschutz sei eine „Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.“ „Fridays for Future“ rücke den Klimaschutz „ins Bewusstsein aller“, lobte er. Nun gelte es aber, „Visionen und Machbares im Auge“ zu behalten.

Anstatt sich in unrealistische Forderungen hineinzusteigern, sei wichtig, den ökologischen Umbau der Gesellschaft klug voranzutreiben: „Was Deutschland braucht, ist Lust auf das Neue.“ Auch darum investiere RWE kein Geld mehr in Kohlekraftwerke und neue Mittel in Ökostrom, vor einem Jahr hatte RWE noch andere Pläne.

Die Hauptversammlung bestätigte, dass es keine Alternative zum Kurswechsel gibt.. Praktisch alle Investoren lobten, dass RWE deutlich mehr in Ökoenergien als Kern der neuen Strategie investieren wolle. Es sei sinnvoll, dass der Konzern sich die entsprechenden Aktivitäten von Eon und des RWE-Ablegers Innogy sichern will, sagte Thomas Deser, Portfoliomnager bei Union Invest, Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

Er warnte sogar davor, dass RWE zu aggressiv in Wind- und Solarparks investiere, nachdem der Konzern jahrelang zu wenig Tempo beim Umbau gemacht hatte: Denn die Vergabeverfahren für neue Projekte würden nicht mehr „automatisch üppige Margen“ garantieren. Deser: „Wir warnen RWE davor, sich „beim Bieterwettbewerb um Wind- und Sonnenenergieprojekte zu vergaloppieren.“ Wenn das Management keine guten Projekte finde, solle besser die Dividende steigen, statt Geld zu verbrennen.

Winfried Matthes, Vertreter von Deka Investment, die Fondstochter der Sparkassen, kündigte an, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern, weil dieser im Winter noch auf die Rodung des Hambacher Forstes beharrte, während die Kohlekommission den Kompromiss zur Zukunft der deutschen Braunkohle aushandelte. „Damit hat das Management einen Reputationsschaden in Kauf genommen.“

Mittlerweile hat RWE die Rodung ausgesetzt, nachdem Kohlekommission und NRW-Landesregierung darauf drängten.

Wie wenig sich politische Proteste und die Diskussion der Aktionäre trennen lassen, zeigten drei Ereignisse: Vorstand, Aufsichtsrat und die in der Halle sitzenden Aktionäre standen geschlossen auf, um eine Schweigeminute für einen jungen Mann einzulegen, der nach einem Unfall während der Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes gestorben war. Beantragt hatten die Schweigeminute wohl kritisch eingestellte Aktionäre. Versammlungsleiter Werner Brandt machte sich die Idee zu eigen.

Bei der Kundgebung vor der Halle lobten Sprecher, dass Fondsgesellschaften und viele internationale Investoren RWE und andere Versorg er zum Ausstieg aus der Kohleverstromung drängen.

Viele Aktionäre spendeten der Klimaaktivistin Luisa Neubauer Beifall bei ihrer Rede. Dabei waren ihre Forderungen klar: Ein Viertel der deutschen Kohlekraftwerke solle sofort stillgelegt werden, der Rest bis 2030. Neubauer: „Kein Konzern in Europa trägt eine höhere Verantwortung als RWE für den Ausstoß von Kohlendioxid. Es ist ein Skandal, dass Sie von der Zerstörung der Umwelt profitieren.“ Sie glaube erst dann daran, dass RWE umdenke, wenn Kohlekraftwerke wirklich abgeschaltet werden.

Die überparteilich zusammengesetzte Kohlekommission hat sich dagegen nur auf ein Ausstiegsdatum von 2038 festgelegt, mit der Option möglicherweise schon 2035 das letzte Atomkraftwerk auslaufen zu lassen.

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