Essen: Museum Folkwang verdreifacht seine Besucherzahl

Kunsthaus in Essen : Museum Folkwang – Bleibt der Eintritt in die Dauerausstellung frei?

Noch ein knappes Jahr lang übernimmt die Krupp-Stiftung den Eintritt für die ständige Sammlung des Museums Folkwang in Essen. Seit 2015 haben sich die Besuchszahlen vervielfacht. Der freie Eintritt hat aber auch sonst Auswirkungen, sagt der Museumschef.

Das Museum Folkwang in Essen hofft, für den Besuch der ständigen Sammlung auch künftig keinen Eintritt erheben zu müssen. Seit 2015 ermöglicht dies eine auf fünf Jahre angelegte Förderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in Höhe von insgesamt einer Million Euro. Die bisherige Förderung läuft in knapp einem Jahr aus.

Die Besuchszahlen der ständigen Sammlung haben sich seit Einführung des freien Eintritts im Juni 2015 verdreifacht. Wurden 2014 noch 37.000 Besuche gezählt, waren es im vergangenen Jahr 106.000. Im ersten Halbjahr seien bereits 68.000 gezählt worden, berichtete Museumsdirektor Peter Gorschlüter der Deutschen Presse-Agentur. Besonders stark gestiegen sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen. Das Museum Folkwang ist nach eigenen Angaben das größte deutsche Kunstmuseum, das einen freien Eintritt in die ständige Sammlung ermöglicht. Für Sonderausstellungen wird weiterhin Eintritt erhoben.

„Wir sind von den positiven Wirkungen des freien Eintritts überzeugt und möchten gerne eine Nachfolgeregelung erreichen“, sagte der 44-jährige Kunstwissenschaftler. Derzeit liefen Gespräche zwischen Stadt Essen, Stiftung und Museum. Die Krupp-Stiftung unterstützt das Museum seit den 1970er-Jahren und bezahlte auch einen 55 Millionen Euro teuren Neubau, der 2010 eröffnet wurde.

Die Sprecherin der Krupp-Stiftung, Barbara Wolf, bestätigte die laufenden Gespräche. „Wir bewerten das Projekt positiv“, sagte sie. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht.

„Der freie Eintritt baut Barrieren ab“, sagte Gorschlüter. „Wir zeigen uns nicht mehr als Tempel der Hochkultur, sondern als offener und transparenter Ort der Begegnung und des Austauschs.“ Der freie Eintritt habe auch programmatische Auswirkungen, betonte der Museumschef. „Er hat mit bewirkt, dass wir aktiver mit der Sammlung umgehen.“ So seien neue Ausstellungsformate entwickelt worden. „Es gibt dadurch immer wieder neue Anlässe, die facettenreiche Sammlung neu zu sehen.“

Nach Angaben des Instituts für Museumsforschung in Berlin konnte 2017 rund jedes dritte deutsche Museum kostenfrei besucht werden. Allerdings handelt es sich in den meisten Fällen um kleinere Einrichtungen mit einer niedrigen Besuchszahl. Nur wenige Museen mit über 100.000 Besuchern im Jahr sind kostenlos.

Auch andere Kunstmuseen in Nordrhein-Westfalen bieten unter bestimmten Bedingungen freien Eintritt. Das Museum Ludwig in Köln etwa ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren immer frei. Erwachsene Kölner müssen am 1. Donnerstag im Monat nichts bezahlen. Für Auswärtige wird dann nur ein ermäßigter Preis fällig.

Ebenfalls am ersten Donnerstag im Monat - von 17 bis 20 Uhr - ist der Besuch der Sammlung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal kostenlos - für jedermann. An allen anderen Tagen zahlen Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren zwei Euro.

Einen freien „Kunstabend“ gibt es einmal im Monat auch in den Häusern der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, jeweils am ersten Mittwoch im Monat. Gesponsert vom Beratungsunternehmen KPMG sind dann alle Ausstellungen frei zugänglich. An normalen Tagen zahlen Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren 2,50 Euro. In der Bundeskunsthalle in Bonn ist der Eintritt für alle Besucher bis einschließlich 18 Jahren immer frei.

(hsr/dpa)
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