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Essen: Lebenslange Haft für tödliche Schüsse auf SEK-Beamten

Prozess in Essen : Lebenslang für Todesschüsse auf Polizei-Beamten

Ein Drogendealer ist vor dem Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er einen 28 Jahre alten Polizisten erschossen hat. Der Beamte war Mitglied einer Spezialeinheit.

Ein Drogendealer ist vor dem Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er einen Polizisten erschossen hat. Der Beamte war Mitglied einer Spezialeinheit. Der Angeklagte Thomas K. hatte im Prozess wiederholt von seiner Angst vor einer Rocker-Bande gesprochen, doch letztlich glaubte die Schwurgerichtskammer ihm die Geschichte nicht.

Die Kammer ist hingegen überzeugt, dass Thomas K. den 28-jährigen Simon G. getötet hat, weil er ein Polizeibeamter war. Der Vorsitzende Richter bezeichnete K. als „Polizistenhasser“. Die Tat geschah Ende April 2019 in Gelsenkirchen, sechs Wochen zuvor hatte der Angeklagte im Internet gezielt nach Videos gesucht, die die Tötung von Polizisten zeigen. Ein weiteres Indiz war, dass K. einem Bekannten sagte: „Wenn die Polizei kommt, mach ich die platt.“

Eine Notwehrsituation konnte das Gericht nicht feststellen. „Es gab aus Sicht der Kammer keine Rockergruppe, die den Angeklagten bedroht hat“, sagte der Sprecher. Thomas K. hatte ausgesagt, Rocker hätten ihm ein Messer an den Hals gehalten und ihn zwingen wollen, nur noch bei ihnen Drogen zu kaufen. Als dann am frühen Morgen des 29. April die Tür zu seiner Wohnung aufflog, habe er in Panik geschossen – eine Kugel traf den SEK-Beamten in den linken Oberarm und drang in seinen Brustkorb ein.

Das SEK-Team hatte die Wohnung des 30-Jährigen gestürmt, weil Drogenermittler Waffen darin vermuteten. Sie stellten fast dreieinhalb Kilogramm Marihuana, 6000 Euro, Messer, Schlagstöcke, eine Nebelhandgranate und einen Totschläger sicher. Die Tatwaffe lag in der Badewanne. Die Kollegen des getöteten Beamten sagten im Prozess als Zeugen aus. Einer von ihnen hatte dem schwerverletzten Simon G. noch den Schutzhelm und die schwere Weste ausgezogen. G. glaubte da noch, er sei nur von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Er starb weniger als eine Stunde später im Krankenhaus.