Essen: Konzert von Marteria und Casper mit 28 Verletzten - keine Feuerwehr-Freigabe?

Kostenpflichtiger Inhalt: 28 Verletzte nach Gewitter : Feuerwehr Essen bestreitet Freigabe von Konzert mit Casper und Marteria

Am Wochenende hat eine umgestürzte LED-Leinwand 28 Menschen in Essen verletzt. Der Konzert-Veranstalter behauptet, noch kurz vor Beginn eine Freigabe von der Feuerwehr bekommen zu haben. Die bestreitet das.

Nachdem bei einem Konzert der Rapper Marteria und Casper in Essen 28 Menschen verletzt wurden, beginnt die Suche nach den Schuldigen. Fest steht: Ein Gewitter zog auf und riss die Leinwand aus der Verankerung, die daraufhin ins Publikum stürzte. Aber hätte das Konzert möglicherweise gar nicht erst starten dürfen?

In einem Bericht des WDR sagt ein Verantwortlicher des Seaside Beachs Baldeney, auf dem die Veranstaltung stattgefunden hatte, dass die Feuerwehr das aufziehende Gewitter noch kurz vor Konzertbeginn als sicher eingestuft habe. Das bestreitet die Feuerwehr Essen jedoch. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte ein Sprecher: „Wir geben grundsätzlich keine Freigaben für so etwas. Das ist auch nicht unsere Aufgabe.“ Zwar habe der Veranstalter einige Wochen vor dem Konzert pflichtgemäß ein Sicherheitskonzept eingereicht, welches die Feuerwehr auch abgenommen habe. Eine explizite Freigabe für die Durchführung des Konzerts trotz Gewitterwarnung des Deutschen Wetterdienstes sei aber nicht ausgesprochen worden. „Wir waren ja vor dem Unglück gar nicht in offizieller Funktion vor Ort.“ Verantwortlich sei einzig und allein der Veranstalter, so die Feuerwehr.

Ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienst hat bereits am Sonntag erklärt, dass es sich bei dem Sturm nicht offiziell um ein Unwetter gehandelt habe. Dementsprechend habe es auch keine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes gegeben. Es hätte also im Ermessen des Veranstalters gelegen, das Konzert früher abzubrechen – den Wetterdaten zufolge hätte man das aber nicht unbedingt tun müssen.

Die Polizei Essen führt eigenen Angaben zufolge am Montag die Ermittlungen zur Unglücksursache weiter. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Verdacht richte sich bisher gegen Unbekannt, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag. Die Polizei prüfe, ob es bei der Planung und Vorbereitung des Konzerts und des Aufbaus der Leinwand zu Versäumnissen gekommen sei, sagte die Sprecherin am Montag. Ein Sachverständiger, der die Ermittlungen unterstützen soll, sei angefordert worden. „Wir verschaffen uns noch ein genaues Bild des Geschehens“, sagte die Sprecherin. So sollen auch Zeugen und Beteiligte befragt werden. Auch inwieweit Unwetterwarnungen anders hätten bewertet werden müssen, sei Gegenstand der noch am Anfang stehenden Ermittlungen.

(siev/hpaw/mba/dpa)
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