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Esprit: Konzern will rund 1100 Stellen streichen - 50 Filialen betroffen

Jede zweite Filiale schließt : Modekonzern Esprit will rund 1100 Stellen in Deutschland abbauen

Der angeschlagene Modekonzern Esprit mit seinem Deutschlandsitz in Ratingen will rund die Hälfte seiner Geschäfte in Deutschland schließen - insgesamt rund 50 Filialen. Ein weiterer Kahlschlag in der Modebranche.

Etwa 1100 Stellen in den Läden und der Verwaltung sollen gestrichen werden. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hongkong mit. Weitere 100 Stellen sollen in Asien wegfallen.

Der Modekonzern hatte bereits Ende März für mehrere unter der Corona-Krise leidende deutsche Tochtergesellschaften ein Schutzschirmverfahren beantragt, um sich vor Forderungen der Gläubiger zu schützen. Am Mittwoch habe das Insolvenzgericht der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zugestimmt, berichtete Esprit.

Zahlreiche Mode-Ketten leiden unter dem erbitterten Wettbewerb von Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Die Corona-Pandemie und die behördlichen Auflagen zu ihrer Eindämmung haben die Lage noch verschärft - die Kunden konnten vorübergehend nicht mehr in die Geschäfte gehen. Auch etwa Konkurrent Tom Tailor war in Schieflage geraten. Über den Warenhausriesen Galeria Karstadt Kaufhof eröffnete das Amtsgericht Essen am Mittwoch das Insolvenzverfahren - auch er will zahlreiche Filialen schließen.

Galeria Karstadt Kaufhof und Karstadt Sports reichten beim Essener Amtsgericht am Mittwoch auch Insolvenzpläne mit den Details der geplanten Sanierungsmaßnahmen ein. Bekannt geworden ist bereits, dass der Konzern 62 der 172 Warenhäuser und 20 der 30 Karstadt-Sports-Häuser schließen will. Das Gericht muss nun prüfen, ob die eingereichten Pläne den gesetzlichen Voraussetzungen entsprechen.

Die Schließungspläne von Galeria Karstadt Kaufhof ließen in vielen betroffenen Städten die Sorge vor einer Verödung der Innenstädte wachsen. Schließlich sind die Warenhäuser in vielen Fußgängerzonen noch immer ein wichtiger Kundenmagnet. Doch wäre Galeria Karstadt Kaufhof ein Einzelfall - die Sorgen wären wohl geringer.

Aber der Warenhauskonzern ist nicht allein. Im Gegenteil: In der Modebrachen häufen sich die Problemfälle. Nicht nur Galeria Karstadt Kaufhof, sondern auch die Handelskette Sinn und das Modeunternehmen Hallhuber suchten im April Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Die Damenmode-Kette Appelrath Cüpper beantragte eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Schon vor Galeria Karstadt Kaufhof hatten sich Ende März außerdem mehrere Tochtergesellschaften von Esprit in ein Schutzschirmverfahren gerettet.

(mba/mja/dpa)