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Schul-Psychologe über Abi-Randale: "Es wird immer schwerer, aus der Rolle zu fallen"

Schul-Psychologe über Abi-Randale : "Es wird immer schwerer, aus der Rolle zu fallen"

Herr Drewes, worin liegt der Reiz von Mottotagen und Abi-Streichen für die Abiturienten?

Herr Drewes, worin liegt der Reiz von Mottotagen und Abi-Streichen für die Abiturienten?

Schul-Psychologe über Abi-Randale: "Es wird immer schwerer, aus der Rolle zu fallen"
Foto: Radowski/Youtube

Stefan Drewes In erster Linie ist es Freude über das Ende eines wichtigen Lebensabschnitts. Die Schüler befinden sich am Übergang zum Erwachsenenleben und wollen nach vielen Jahren als Schüler jetzt einmal das Kommando über ihre Lehrer übernehmen. Sie möchten die Rollen tauschen und sich gegen ein System von Bevormundungen auflehnen. Ähnliches passiert übrigens auch beim Rathaussturm im Karneval.

Schul-Psychologe über Abi-Randale: "Es wird immer schwerer, aus der Rolle zu fallen"
Foto: Arton Krasniqi, KSTA

Warum sind die Abi-Streiche mittlerweile zu einer Art Abi-Randale geworden?

Drewes Eine Gruppe von Jugendlichen versteht Ausgelassensein als eine Aufhebung von Regeln und Grenzen. Natürlich will man auch bei den jüngeren Schülern auffallen, imponieren und bewundert werden. Dabei eskaliert dann manche Feier, und der Alkohol trägt auch dazu bei, weil er Hemmungen fallen lässt und solche Aktionen fördert. Es spielt auch eine Rolle, dass jede Schule mit einer besonderen Aktion auffallen und sich im Netz präsentieren will. Da dies aber immer schwieriger wird, steigern sich die Aktionen von Jahr zu Jahr. Und dann kommen noch Konkurrenzen unter Schülern verschiedener Schulen hinzu, die dann zu solchen Eskalationen führen.

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Wie können Ausschreitungen in Zukunft verhindert werden?

Drewes Für die Schulen ist es wichtig, frühzeitig und auf Augenhöhe mit den Schülervertretern zu sprechen und den Rahmen abzustecken. Den Schülern sollte Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf gegeben, aber natürlich auch auf die Einhaltung von Grenzen geachtet werden. Generell sollten wir wieder zu mehr Humor und Kreativität zurückkommen. Es sollte wieder Abi-Scherze geben, bei denen wir alle schmunzeln können.

LAURA LOTZ FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP/pst)