Emmerich: Widerstand gegen Ausbau der Betuwe-Linie

Bahnlinie zwischen Emmerich und Oberhausen: "Wie die Berliner Mauer" - Widerstand gegen Betuwe-Ausbau

Sieben Kommunen wollten den Ausbau einer Bahnstrecke eigentlich brav mitmachen. Aber jetzt befürchten sie, mit Billiglösungen abgespeist zu werden. Da regt sich Widerstand.

Jetzt könnte es doch noch Ärger geben. Dabei klang alles so gut: Die Bahn baut die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen aus. Den Anlieger-Kommunen steht damit Lärmschutz zu, den sie bisher nicht haben. Jetzt laufen die zwölf Planfeststellungsverfahren und die Städte sind ernüchtert: "Ich halte es durchaus für möglich, dass sich die Kommunen massiv wehren werden", sagt der parteilose Bürgermeister der Stadt Hamminkeln, Holger Schlierf. Aber das hätte dann womöglich finanzielle Konsequenzen.

Der Mann ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sieben Kommunen an der Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen (Oberhausen, Dinslaken, Voerde, Wesel, Hamminkeln, Rees, Emmerich). Die sehen sich jetzt in der Zwickmühle: Ohne den Ausbau der Strecke gibt es keinen Lärmschutz. Ursprünglich waren sie sich ja einig: Kein Widerstand gegen den Ausbau. Die Holländer hatten das schließlich auch perfekt hingekriegt - mit Tunnel, Wildschutz und allem Drum und Dran.

"Möglichst preiswert, ohne Rücksicht auf Optik"

Vor der eigenen Haustür könnte das anders laufen: "Wir sehen, dass das hier alles nur auf eine Minimallösung ausläuft. Möglichst preiswert, ohne Rücksicht auf Optik", sagt Schlierf. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte im Sommer den Ausbau des deutschen Betuwe-Abschnitts vereinbart. Sie ist die Verbindung zwischen den niederländischen Nordseehäfen und dem westlichen Ruhrgebiet, Teilstück des wichtigen europäischen Güterverkehrskorridors von Rotterdam nach Genua. Durch den Ausbau soll die Kapazität erhöht werden.

Schlierf spricht von Betonwänden, die die Bahn aufstellen will, vier bis fünf Meter hoch. "Es gibt dann Wände, die sehen dann aus wie die alte Mauer in Berlin", sagt er. "Das stößt bei der Bevölkerung schwer auf", sagt Schlierf. Die Kommunen wünschen sich örtlich angepasste Lösungen, etwa mit transparenten Elementen, Begrünung, oder stattdessen auch Wälle.

"Es gibt keine Billiglösung. Wir halten uns an Richtlinien und Gesetze", sagt eine Sprecherin der Bahn. Es gebe noch keine Detailplanung: "Die Kommunen können da auf jeden Fall gestalterisch mitwirken", sagt sie. Für Schlierf hat die Sache einen entscheidenden Haken: "Die Bahn sagt, wenn ihr schöne Dinge haben wollt, dann müsst ihr das selbst bezahlen."

  • Fotos : Hamminkeln: RVR-Planungsausschuss beschäftigt sich mit Betuwe-Dilemma

Zahl der Züge soll pro Tag auf 346 steigen

Nach Angaben der Bahn soll die Zahl der Züge pro Tag von jetzt maximal 230 in den nächsten elf bis zwölf Jahren auf 346 Züge steigen. Wie viele von den 186 Güterzügen Gefahrgüter wie Gas oder Benzin transportieren, könne die Bahn nicht sagen. Die Kommunen schätzen 70 Prozent und fordern wie die Feuerwehren alle 200 Meter einen Zugang durch die Lärmschutzwände aufs Gleis. Die Bahn will wie vorgeschrieben alle 1000 Meter einen Zugang machen.

"Wenn die Feuerwehrleute unter vollem Atemschutz erst einmal 500 Meter laufen müssen, um an die Strecke zu kommen, sind die schon fertig, ehe sie da ankommen", sagt der Bürgermeister von Voerde, Leonhard Spitzer (CDU). Die Bahn sagt, sie sei im Dialog mit den Feuerwehren auch über "eventuell kürzere Abstände".

Letztlich wird das Eisenbahnbundesamt nach Abwägung aller Einwendungen über die erforderlichen Schutzmaßnahmen entscheiden und einen Planfeststellungsbeschluss erlassen. Dagegen können die vielen betroffenen Bürger klagen. Die Bereitschaft sei hoch, meint Schlierf.

Auch die Kommunen können dann klagen. Aber die sehen sich in der Zwickmühle: Das Land Nordrhein-Westfalen unterstütze sie finanziell bei der Beseitigung von Bahnübergängen - "hat das aber auch mit dem Wunsch verknüpft, dass die Betuwe-Linie dann zügig durchgeführt wird. Das heißt, wenn wir vor den Kadi ziehen, dann kriegen wir nichts", befürchtet Schlierf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hier wird der Vertrag unterzeichnet

(lnw)