Türken freuen sich auf EM-Start ihrer Mannschaft „Wenn die Türkei gewinnt, geht es rund“

Dortmund · Noch ist die Stimmung unter den Fans der türkischen Nationalelf in Dortmund verhalten. Am Dienstag spielt das Team dort gegen Georgien. Bei einem Sieg der Türkei sehe das aber anders aus, sagen die Anhänger – und hoffen auf ein Fußballwunder.

Mesut (53) aus Dortmund glaubt an einen Sieg der Türkei gegen Georgien.

Mesut (53) aus Dortmund glaubt an einen Sieg der Türkei gegen Georgien.

Foto: jis

Heimvorteil genießen bei der Fußball-Europameisterschaft (EM) nicht nur die deutschen Spieler, sondern gewissermaßen auch die türkischen – laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leben rund 2,9 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland. Entsprechend stimmungsvoll könnte das Auftaktspiel der türkischen Nationalelf gegen Georgien am Dienstag (18 Uhr) im Dortmunder Westfalenstadion ausfallen. Von Euphorie ist am Montagmittag in der Fußgängerzone der größten Ruhrgebietsstadt allerdings wenig zu spüren, rote Trikots sind kaum zu sehen. „Das liegt auch daran, dass die Vorbereitungsspiele nicht so gut gelaufen sind“, erklärt Suat, ein türkischer Fan aus Dortmund. „Wenn unsere Mannschaft gegen Georgien gewinnt, sieht das schon anders aus.“

Mit einem gelungenen Auftaktmatch gut ins Turnier zu starten, davon träumen die türkischen Fußballenthusiasten. „Drei Punkte sind bei diesem Spiel Pflicht“, sagt der 47-Jährige Dursun aus Wanne-Eickel, „Georgien ist schließlich zum ersten Mal bei der Europameisterschaft dabei.“ Die Fans setzen dabei auf den erst 19-jährigen Arda Güler, der bei Real Madrid spielt und als großer Hoffnungsträger in der Nationalelf gilt. Wie das erste Spiel ausgehe, entscheide über den weiteren Verlauf des Wettbewerbs für die Türkei, prophezeien die beiden Fans. Bei einem guten Start seien das Achtel- oder Halbfinale durchaus drin. Für einen Turniersieg aber reiche es eher nicht, zeigen sich die beiden skeptisch.

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Das sehen nicht alle türkischen Fans so. „Wir schaffen das“, sagt der 53-jährige Mesut und meint damit nicht nur das Spiel gegen Georgien, sondern die Europameisterschaft. Er sei froh, seine Mannschaft hier zu sehen, sagt der Dortmunder, und tippt auf ein 2:1 für die türkische Nationalelf. Auch Ayhan traut dem Team zumindest einen Durchmarsch bis ins Halbfinale zu. Der 29-jährige ist eigens aus London angereist, um die Türkei spielen zu sehen. „Unsere Mannschaft ist sehr jung, da ist vieles möglich“, sagt der türkischstämmige Brite. Und schränkt gleich ein, dass es allerdings starke Gegner gebe, die ein Weiterkommen verhindern könnten, wie Spanien, Portugal oder Frankreich. Die englische Mannschaft gehöre nicht dazu – auch wenn er sie unterstütze, falls die Türkei früh ausscheide.

 Für die Türkei-Fans Suat (l.) und Dursun ist ein Sieg gegen Georgien Pflicht.

Für die Türkei-Fans Suat (l.) und Dursun ist ein Sieg gegen Georgien Pflicht.

Foto: jis

Für Mesut und Suat gilt dagegen: Falls die Türkei in der Vorrunde ausscheiden sollte, drücken sie der deutschen Nationalelf die Daumen. Dursuns Favorit dagegen ist Spanien. „Deutschland sehe ich auf jeden Fall im Halbfinale oder Finale, da habe ich wenig Bedenken“, sagt Suat, „das ist auch gut für die allgemeine Stimmung.“ Die natürlich aus Sicht der türkischen Fans noch besser ausfällt, wenn die türkische Mannschaft abliefert. Wahrscheinlich gehe es dann nach dem Spiel gegen Georgien rund auf den Straßen, sagt Suat. Wobei er wie auch Dursun von zwar ausgelassenen, aber friedlichen Feiern ausgehen. „An Zusammenstöße mit den georgischen Fans glaube ich nicht, da erstens nicht so viele anreisen werden und sie sich zweitens nicht so rüpelhaft benehmen wie etwa die englischen Fans“, sagt Dursun.

Die Dortmunder Polizei sieht sich dank jahrelanger intensiver Vorbereitung auf die EM und die Erfahrungen bei Spielen von Borussia Dortmund gut aufgestellt. „Von daher können wir sagen, dass wir hier in Dortmund Fußball können und auch mit türkischen Mannschaften und deren Anhängern zahlreiche Erfahrungen gesammelt haben“, sagt Pressesprecher Gunnar Wortmann. Man habe auch spontane Siegesfeiern im Fokus und werde dafür sorgen, dass Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs so kurz wie möglich stattfinden. Zudem würden am Montag Fanbriefe mit Appellen der Polizei für eine sichere Veranstaltung auf behördeneigenen Online-Accounts auch in türkischer Sprache veröffentlicht, um die Fans frühzeitig zu informieren. Darüberhinaus sollen am Spieltag Kommunikationsteams an verschiedenen Orten die Menschen im Gespräch für sicheres Verhalten sensibilisieren.

 Der türkischstämmige Brite Ayhan ist aus London zum Spiel angereist.

Der türkischstämmige Brite Ayhan ist aus London zum Spiel angereist.

Foto: jis

Tickets fürs Stadion haben alle angesprochenen türkischen Fans übrigens nicht bekommen. Dursun wollte eigentlich mit seinem drei Söhnen zum Spiel, habe sich entsprechend früh um Karten beworben, allerdings erfolglos. Auch im Freundeskreis habe niemand ein Ticket ergattern können. So bleibt den Fans nur der heimische Fernseher oder Public Viewing.

Gleich auf zwei Plätzen in Dortmund wird das Spiel übertragen, zum einen in der Fanzone auf dem Friedensplatz, dort können rund 6200 Fans das Spiel auf einem 15 Quadratmeter großen LED-Würfel verfolgen. Im Westfalenpark steht sogar eine 144 Quadratmeter große Leinwand bereit, vor der rund 25.000 Fußballbegeisterte Platz finden. Ob es dann am Ende ein großes Fest wird, hängt auch ein wenig vom Wetter ab. Für Dienstagnachmittag sind Regenfälle und Gewitter vorhergesagt. „Ich erinnere mich an ein Spiel der Türkei gegen die Schweiz im Jahr 2008, damals hat es auch gegossen“, sagt Dursun. „Und die Türkei hat gewonnen.“