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Eifel: Opferzahl in Ahrweiler steigt auf 28 - viele Menschen vermisst

Starkregen in der Eifel : Opferzahl in Ahrweiler steigt auf 28 - zahlreiche Menschen noch vermisst

Nach Unwettern im Landkreis Ahrweiler sind mindestens 28 Menschen gestorben, in ganz Rheinland-Pfalz sind es über 50 Tote. Nach dem Einsturz von sechs Häusern werden Dutzende Personen vermisst. Das Ahrtal galt als von der Außenwelt abgeschnitten.

Ganz Rheinland-Pfalz hat über 50 Tote zu beklagen (Stand Freitag, 10.30 Uhr) - die meisten davon stammen aus dem Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Bürgermeister der schwer getroffenen Gemeinde Adenau, Guido Nisius, kann am Freitagmorgen nicht genau sagen, wie viele der Unwettertoten auf seine Gemeinde fallen. Am Donnerstag sprach die Polizei von 28 Toten im Kreis Ahrweiler.

Unwetter: Mindestens 20 Tote - Hauseinstürze in der Eifel

Nach Angaben von Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) wurden dort am Donnerstag neun weitere Leichen geborgen. Bei ihnen handelte es sich offenbar um Bewohner einer Behinderteneinrichtung in Sinzig. Die Menschen hätten sich nicht retten können, als der Pegel der Ahr in der Vornacht dramatisch anstieg, berichtete das Nachrichtenportal "t-online". Am Freitagmorgen ist die Zahl der Toten aus der Einrichtung auf Zwölf gestiegen.

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Im Eifel-Ort Schuld bei Adenau stürzten in der Nacht auf Donnerstag sechs Häuser ein. Vier Häuser seien komplett eingestürzt und zwei weitere Häuser zur Hälfte weggespült worden, berichtet die Polizei. Eine Vielzahl von Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen.

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Das Ahrtal galt als von der Außenwelt abgeschnitten. Die Gegend sei über keine Zufahrtsstraße mehr zu erreichen, teilte die Polizei mit. Die Zahl der als vermisst geltenden Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde von der Kreisverwaltung am Donnerstagabend mit rund 1300 angegeben. Die hohe Zahl hing aber offenbar damit zusammen, dass viele Menschen telefonisch nicht erreichbar waren. 

Am Freitagmorgen stabilisiert sich das Handy-Netz langsam wieder. Guido Nisius gibt die Zahl der Vermissten noch mit etwa 30 Menschen an. Gleichzeitig geht das Wasser sowohl in Adenau als auch in Schuld wieder zurück. In Schuld war schon am Donnerstag eine Spürhundestaffel im Einsatz. Die vom Wasser freigegebenen Häuser sind dennoch weiterhin eine Gefahr und müssen zunächst von Experten auf ihre Statik überprüft werden, bevor die Rettungskräfte hineingehen können, um darin weiter nach Vermissten zu suchen.

Am Donnerstag lief ein großangelegter Rettungseinsatz. Polizeihubschrauber waren unterwegs, um Menschen von Hausdächern oder aus Bäumen zu retten, berichtete Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag zu Beginn der Landtagsplenarsitzung in Mainz. Auch die Bundeswehr helfe mit rund 200 Soldaten. Es gebe sehr viele Vermisste, sagte Dreyer. Es sei unklar, ob sie sich selbst hatten retten können. Sie zu erreichen sei schwierig, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei.

Schaulustige in Schuld stören Rettung

Nach der Katastrophe in Schuld haben Schaulustige nach Angaben der Polizei den Rettungseinsatz behindert. „Bitte haltet die Rettungswege frei!!!!!“, schrieb das Polizeipräsidium Koblenz am Donnerstag auf Twitter. Die Beamten riefen auch dazu auf, Straßensperren zu beachten und in Sicherheit zu bleiben. In überfluteten Gebieten seien die Gefahren unkalkulierbar.

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Der gesamte Landkreis Ahrweiler war von der Unwetterlage betroffen. Mehrere Orte wurden demnach wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Auch in anderen Teilen ist es zu heftigen Beschädigungen vieler Wohnhäuser gekommen. Die Brücken in Bad Neuenahr-Ahrweiler waren ab dem späten Abend gesperrt, da Trümmerteile und Bäume von der Ahr mitgerissen wurden, wie der Bonner Generalanzeiger berichtet. Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, es besteht Lebensgefahr, wie der SWR berichtete.

Am Mittwochabend hatten die Behörden im Landkreis Ahrweiler extremen Starkregen gemeldet. Die Feuerwehr Koblenz half zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Lahnstein und der Feuerwehr Mainz aus, um 800 Sandsäcke pro Stunde zu füllen. Diese wurden mit sechs Lastwagen in den Landkreis Ahrweiler gebracht.

Es sei mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen, hieß es. Auf dem Campingplatz „Stahlhütte“ in Dorsel (Kreis Ahrweiler) und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Personen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

Die Unwetter und Überschwemmungen haben zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Westnetz sagte, seien in Rheinland-Pfalz besonders die Kreise Ahrweiler, Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg betroffen. Dort ständen zahlreiche Ortsnetzstationen unter Wasser und hätten abgeschaltet werden müssen, wie Westnetz in Saffig mitteilte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich seien vereinzelte Ortschaften ohne Strom.

Wegen der dramatischen Hochwasserlage hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstagmorgen Altena im Märkischen Kreis besucht. Dort war am Mittwochnachmittag ein 46-jähriger Feuerwehrmann nach der Rettung eines Mannes aus einem überfluteten Stadtteil ins Wasser gestürzt und abgetrieben. Seine Kollegen hatten ihn kurz darauf nur noch tot bergen können.

Der Unions-Kanzlerkandidat informierte sich in Altena in der Leitzentrale des Kreises beim Landrat und beim Kreisbrandmeister über die Lage, wie die Deutsche Presse-Agentur aus NRW-Regierungskreisen erfuhr. Anschließend fuhr er in die besonders von den Unwettern betroffene Stadt Hagen, um sich auch dort ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Seine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt.

Das Tief „Bernd“ bestimmt mit feuchtwarmen Luftmassen das Wetter in Deutschland. Dem DWD zufolge bleibt es in den nächsten Tagen wechselhaft mit Schauern und Gewittern, teils mit heftigem Starkregen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Häuser bei Unwetter-Katastrophe in Schuld in der Eifel eingestürzt

(th/top/chal/AFP/dpa)