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Eichenprozessionsspinner - Larven sind giftig und schädigen Bäume

Eichenprozessionsspinner in NRW : Gefährliche Raupe Nimmersatt

Sie sind haarig, giftig und treten in Massen auf: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden in diesen Wochen ihre Brennhaare aus. Die Larven fressen nicht nur Bäume kahl, sondern können auch für Menschen gefährlich werden.

Ein aufmerksamer Mitarbeiter der „Arche Noah“ hat die lästigen Nester des Eichenprozessionsspinners vor etwa zwei Wochen  zuerst entdeckt. „Das war gut, so konnten wir sofort reagieren“, sagt Hildegard Miedel, die die Auffangstation für Tiere in Not in Meerbusch vor rund 40 Jahren gegründet hat. „Ich war erstaunt“, sagt sie. „So starken Befall wie dieses Jahr hatten wir zuletzt vor vier Jahren.“ Die Stadt Meerbusch habe zwar prompt reagiert und die Nester entfernen lassen, doch aus Sicherheitsgründen musste die Arche Noah vier Tage geschlossen bleiben.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sehen eigentlich ganz flauschig aus, aber ihre Härchen sind giftig und können allergische Reaktionen beim Menschen auslösen – bis hin zu allergischen Schocks. Die Raupen schädigen auch ihre Wirtsbäume, meist Eichen, deren Kronen sie regelrecht kahl fressen. „Im Grunde ist die Raupe so gefräßig wie die kleine Raupe Nimmersatt“, sagt Mathias Niesar, Leiter des Teams Wald- und Klimaschutz beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. „Wenn ein Baum über mehrere Jahre immer wieder kahl gefressen wird, kann dadurch im schlimmsten Fall ein Eichensterben ausgelöst werden.“ In NRW sei es dazu bislang noch nicht gekommen, aber in Sachsen-Anhalt und Bayern, wie Niesar sagt.

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Seit einigen Wochen versuchen Städte und Kommunen, die Ausbreitung der Raupen einzudämmen. Auch die Meistereien des Landesbetriebs Straßen NRW sind in Sachen Eichenprozessionsspinner auf Rast- und Parkplätzen unterwegs, um mit Warnschildern auf einen Befall hinzuweisen. „Wir geben dann eine Beseitigung der Raupen in Auftrag“, sagt ein Sprecher. Die Nester werden mit einem Spezialsauger von den Bäumen oder Astgabelungen entfernt. Der Naturschutzbund (NABU) weist darauf hin, dass die Gespinste von Eichenprozessionsspinnern oft nur an einer oder wenigen Stellen im Baum zu finden sind. Wenn Büsche und Bäume komplett eingesponnen sind, handelt es sich meist um die ungefährlichen Gespinstmotten.

Neben der schonenden Methode des Nestabsaugens werden auch Biozide gegen die Raupen eingesetzt. Sie werden nach Angaben von Niesar dann genutzt, wenn die befallenen Bäume an Orten stehen, wo viele Menschen unterwegs sind, etwa auf Schulplätzen, in Stadtparks oder in Freibädern. Das Mittel mit dem Wirkstoff Bacillus Thuringiensis wird auf die Bäume gesprüht und durch die jungen Raupen über die Nahrung aufgenommen.

Auch Straßen NRW setzt den Biozid-Wirkstoff punktuell ein. „Genau dort, wo im vergangenen Jahr ein Befall festgestellt wurde“, sagt ein Sprecher. Mit Spritzen, die einer Schneekanone ähneln, wird das Mittel auf die Blätter gesprüht. Die Raupe frisst das Blatt und erst im Darm der Raupe entfaltet der für Menschen und Tiere ungefährliche Stoff seine Wirkung. Die Raupen sterben ab, bevor sie das für den Menschen gefährliche Lebensstadium erreichen können. Seit mehreren Jahren versucht Straßen NRW schon, die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einzudämmen. Das Insekt war anfangs eher im Westen des Landes zu finden, inzwischen haben sich die Raupen aber über das ganze Land verbreitet. Einige Fuhrparks der Meistereien wurden inzwischen mit eigenen Spritzen ausgestattet, um flexibel reagieren zu können.

Noch laufen Versuche, den Eichenprozessionsspinner mit natürlichen Feinden zu bekämpfen. Dazu wurden im Frühjahr 2020 im westlichen Ruhrgebiet entlang von Bundes- und Landesstraßen zwischen Bottrop und Haltern Hunderte Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen an Eichen angebracht. Das Ziel ist: Die Vögel sollen die Raupen fressen. So könnten die Raupen auf natürliche Weise dezimiert werden. Die Nistkästen aus Holz wiegen jeweils rund anderthalb Kilo und sind mit einem Blech ausgestattet, um zu verhindern, dass Spechte die Einfluglöcher vergrößern und damit die Nistkästen für die kleineren Meisen unbrauchbar machen.

Die Raupen häuten sich laut NABU sechs Mal, bis sie nach der Verpuppung in den Nestern Falter werden. Die braunen Falter fliegen dann im Juli und August umher und paaren sich. Sie haben eine Lebensdauer von nur wenigen Tagen. War eine Paarung erfolgreich, hat das Weibchen bis zu seinem Tod aber etwa 150 Eier an den Eichenstämmen abgelegt, aus denen dann im Frühjahr neue Larven schlüpfen. Ein kalter Winter macht ihnen nichts aus. „Da müssen es schon weit über minus 20 Grad sein, damit die abgetötet werden – sie sind ausgesprochene Überlebenskünstler“, sagt Niesar.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist der Eichenprozessionsspinner