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E-Bike: Kaufberatung - das müssen Sie beim Kauf beachten

Start in die Radsaison : Das müssen Sie beim E-Bike-Kauf beachten

Die Nachfrage nach Pedelecs ist enorm – genau wie die Bandbreite der angebotenen Modelle. Vor dem Kauf sollte daher genau überlegt werden, ob das Rad zum eigenen Nutzungsverhalten passt. Sonst droht Frust statt Fahrspaß.

Der Siegeszug der Elektrofahrräder ist nicht aufzuhalten. Jahr für Jahr steigt die Zahl der E-Bikes in deutschen Haushalten, im Jahr 2021 waren es laut Statistischem Bundesamt 1,2 Millionen Räder mehr als im Vorjahr, das entspricht einem Zuwachs von rund 20 Prozent. Der Gesamtbestand in Deutschland belief sich im Jahr 2021 auf 7,1 Millionen Pedelecs – Tendenz steigend. Die hohe Nachfrage wiederum führt schnell zu einem knappen Angebot, was Käufer immer wieder dazu bringt, überhastet zuzugreifen, bevor sie leer ausgehen. Laut dem Verband des Deutschen Zweiradhandels sind die Lager der Händler aber gut gefüllt, 80 bis 90 Prozent haben mehr Räder verfügbar als im vergangenen Jahr. Welches E-Bike den Zuschlag bekommt, will aber gut überlegt sein. Zum einen geht es um viel Geld, zum anderen sollte das Rad so optimal wie möglich zu den Bedürfnissen des Fahrers passen. Bei den elektrisch unterstützten Exemplaren gilt es einiges zu beachten. 

Die Wahl des Antriebs

Drei Antriebskonzepte stehen zur Auswahl: Front-, Mittel- und Heckmotor. Der Frontmotor sitzt in der Vorderradnabe, das Rad wird gezogen. Zum einen müssen Gabel und Rahmen diesen Kräften gewachsen sein, zum anderen kann das Rad auf nassem Untergrund in Kurven leichter wegrutschen. „Für hügeliges Gelände sind diese Motoren zudem nicht so gut geeignet, weil sie überhitzen können“, sagt Stephan Behrendt, Technikexperte beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) NRW. Auch ein Heckmotor sitzt in der Nabe, diesmal des Hinterrads. Laut Behrendt werden sie aber selten verbaut, meist in Mountain-Bikes, die viel Schub brauchen. Sitzt auch der Akku hinten, wird das Rad schnell zu hecklastig. Dafür sprechen die Nabenmotoren direkt an, sind leise und verschleißarm. Wenn sie dezent verbaut sind und der Akku in den Rahmen integriert ist, wirken die Räder oft eleganter. Zu finden sind sie oft bei City-Rädern. Bei Mittelmotoren, die am häufigsten eingesetzt werden, ist die Gewichtsverteilung ausgeglichener. Zudem überhitzen die Motoren nicht, dafür ist der Verschleiß an Kette, Kassette und Ritzel größer. „E-Bikes mit Mittelmotor lassen sich feiner steuern“, erklärt Behrendt noch einen Vorteil, „und sie bieten am Berg vom ersten Tritt an Unterstützung.“

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Was soll der Motor leisten?

Bei den Motoren gibt es unterschiedliche Charakteristika, einige unterstützen stärker, andere schwächer. Deshalb sollte klar sein, wie und wo man unterwegs sein will. Ob man sportlich über Berge pedaliert oder gemütlich zur Arbeit pendelt, stellt unterschiedliche Ansprüche an den Motor. Das individuelle Fahrprofil gibt also vor, welcher Motor in Frage kommen könnte – eine Probefahrt sollte dabei helfen, den Entschluss zur verfestigen. Dabei zeigt sich auch, inwieweit die verbauten Trittfrequenz-, Drehmoment- oder Geschwindigkeitssensoren (manchmal auch alle zusammen) das Fahrverhalten beeinflussen. Denn manchmal ist die Unterstützung je nach Sensor stärker oder schwächer als gewünscht. Aus Behrendts Sicht reicht ein Drehmoment von 50 Newtonmetern aus. Etliche Räder würden sogar bis zu 80 Newtonmeter bieten. „Das heißt nicht, dass sie schneller sind, weil die Höchstgeschwindigkeit ja auf 25 km/h begrenzt ist, doch sie beschleunigen stärker“, sagt der Experte. Ungeübte Fahrer wären damit schnell überfordert. Ein stärkerer Motor verbrauche zudem mehr Strom.  

Wie stark muss der Akku sein? 

Die Reichweite eines Akkus rangiert bei den meisten Käufern als wichtigstes Argument. Wer aber selten auf lange Touren geht, sondern etwa nur täglich ein paar Kilometer zur Arbeit pendelt, braucht nicht unbedingt einen leistungsstarken Akku. Generell weichen die Angaben der Hersteller von der tatsächlichen Ausbeute ab, das ist nicht anders als bei einem Pkw. Die Reichweite hängt dabei unter anderem ab von der Stärke der Motorunterstützung, der Topographie, dem Fahrverhalten sowie dem Gewicht von Fahrer und Gepäck. Kleine Gänge und eine höhere Trittfrequenz sparen Energie. Viele Akkus haben heute um die 500 Wattstunden (Wh), mit denen nach Herstellerangaben bis zu 150 Kilometer möglich sein sollen. In der Praxis reduziert sich dies aber meist deutlich. Bei maximaler Unterstützungsstufe sind meist 50 bis 70 Kilometer möglich, wer zwischendurch auf zusätzliche Antriebskraft verzichtet oder viel auf ebener Strecke unterwegs ist, sollte deutlich weiter kommen. Auf überwiegend bergigem Terrain kann es sinnvoll sein, einen Ersatzakku mitzuführen. Wichtig sei es auch, darauf zu achten, wie der Akku angebracht ist, sagt Behrendt. „Manche sind herausnehmbar in den Rahmen integriert, aber schwierig zu entfernen“, erklärt der Experte. Sitzen sie sogar fest im Rahmen, muss das ganze Rad an die Steckdose. 

Die Sitzhaltung ist wichtig

Käufer sollten nicht nur auf Motor und Reichweite fixiert sein, sondern auch die Ergonomie berücksichtigen. Nur das richtige Verhältnis von Rahmen- und Körpergröße sowie die bevorzugte Sitzhaltung garantieren entspannten Fahrspaß. „Deshalb muss man sich vor dem Kauf darüber klar sein, ob man mit dem Rad nur in der Stadt unterwegs ist, ob man Touren fahren will oder es lieber sportlich mag“, sagt Behrendt. Ersteres verlangt eine aufrechte Sitzhaltung, die mehr Übersicht bietet, letzteres eine gebeugte Position. Aber auch innerhalb eines Segments verfolgen Hersteller andere Philosophien, so dass es wichtig ist, jedes Rad vor dem Kauf Probe zu fahren. Auf etwaige Umbauten an Lenker oder Vorbau sollte man verzichten, weil die Betriebssicherheit des Rads dadurch gefährdet sein könnte. Es gilt eben nicht, das Fahrrad passend zu machen, sondern ein passendes Fahrrad zu finden.

Welcher Fahrradtyp ist der richtige?

Hersteller bieten mittlerweile alle Fahrradtypen auch elektrifiziert an, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Unterschieden wird unter anderem  zwischen City-Bikes, Trekkingrädern, Mountainbikes, Renn- und Crossrädern. Für die Wahl des Rades gilt dieselbe Maxime wie für den ergonomischen Aspekt - es muss zur bevorzugten Nutzung passen. Wer täglich damit durch die Stadt zur Arbeit pendelt, wird sich in der Regel kein Rennrad zulegen. Allerdings sind die Grenzen zwischen den Kategorien fließend. ADFC-Experte Behrendt empfiehlt beispielsweise als guten Allrounder ein Trekkingrad, mit dem sich sowohl auf Tour gehen als auch der Stadtverkehr bewältigen lässt. „Wer Gewicht sparen will, sollte sich auch mal ein Kompaktrad ansehen“, sagt Behrendt. Denn E-Bikes wiegen durchschnittlich 23 bis 28 Kilogramm, die möglicherweise in den Keller gewuchtet werden müssen. Ein Kompaktrad mit 20-Zoll-Rädern bringt deutlich weniger auf die Waage. Zudem benötigt es auch weniger Platz.    

Schaltung und Bremsen testen

Überwiegend werden Pedelecs mit Kettenschaltung angeboten. Behrendt sieht aber etwa im Stadtverkehr keine Argumente gegen eine Nabenschaltung. „Sie ist bequem und weniger wartungsintensiv“, sagt der Experte. Sogar stufenlose Nabenschaltungen gebe es vereinzelt schon. Bei der Entscheidung für die eine oder andere Variante sollte wiederum die Nutzung des Rads im Vordergrund stehen. Wichtig beim E-Bike sind auch die Bremsen, da die höheren Geschwindigkeiten eine bessere Bremskraft verlangen. Meist werden nicht wie bei herkömmlichen Rädern Felgen-, sondern Scheibenbremsen verbaut. „Den Umgang damit sollte man vorsichtig üben“, rät Behrendt. Heißt: Erstmal nur mit geringer Unterstützung fahren und bremsen. Vor allem aber immer beide Bremsen gleichzeitig benutzen, um eine gleichmäßige Bremswirkung zu erzeugen und einen Sturz zu vermeiden.