Demokratie-Projekt in Duisburg Mehr Mitgefühl und Toleranz für Hochfeld

Duisburg · Jugendlichen soll in einem Duisburger Problemstadtteil Demokratieverständnis vermittelt werden. Wie das Projekt, das sich insbesondere an Migranten richtet, das schaffen möchte, und was Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) dazu zu sagen hat.

Im Duisburger Stadtteil Hochfeld herrscht eine hohe Arbeitslosenquote.

Im Duisburger Stadtteil Hochfeld herrscht eine hohe Arbeitslosenquote.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Mitten in Hochfeld, einem sozialen Brennpunkt Duisburgs, steht das „Blaue Haus“. Kinder und Jugendliche, überwiegend mit Migrationshintergrund, sollen hier Werte wie Toleranz und Mitgefühl vermittelt werden. Und es soll ihnen aufgezeigt werden, was Demokratie bedeutet und wie wichtig diese Errungenschaft ist. „Den Kindern Demokratie näherbringen. Ihnen zeigen, wie sie funktioniert, das ist ganz wichtig“, sagt Ibrahim Yetim, Geschäftsführer „Urbane Zukunft Ruhr“, einer Initiative, die sich für das Ruhrgebiet einsetzt.

Der Duisburger Stadtteil, gelegen am Rande der Innenstadt, wird häufig im Zusammenhang mit Kriminalität, dem dortigen Rotlichtviertel und Auseinandersetzungen im Clan- und Rockermilieu genannt. Zudem leben dort besonders viele Armutszuwanderer aus Südosteuropa – insbesondere aus Rumänien und Bulgarien –, wodurch es regelmäßig zu Konflikten mit der alteingesessenen Bewohnerschaft kommt. Viele der in Hochfeld lebenden Familien sind kinderreich – und diese Kinder versuchen Anlaufstellen wie das „Blaue Haus“ aufzufangen und fernzuhalten von Kriminalität und einem Leben auf der Straße. Ihnen soll ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt werden – und nicht der Ausgrenzung.

Viele Menschen in Hochfeld scheinen sich von der Politik und der Demokratie abgewandt zu haben. Bei der Kommunalwahl vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung in dem Viertel bei 5,6 Prozent. Auch aus diesem Grund hat Unternehmer und Stiftungsgründer Freddy Fischer das auf drei Jahre ausgelegte Demokratie-Projekt für Kinder und Jugendliche aus Hochfeld im „Blauen Haus“ ins Leben gerufen. „Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, demokratische Werte, demokratische Bildung und aktive Teilhabe an Entscheidungsprozessen im eigenen sozialen Umfeld für Kinder und Jugendliche zu fördern“, sagt Fischer.

Anders als in vielen Schulen sollen die Kinder und Jugendlichen in dem Projekt die Demokratie spielerisch lernen. So wird den etwa 60 bis 70 Heranwachsenden jeden Monat ein Budget von 500 Euro zur Verfügung gestellt. Zwei gewählte Moderatoren, ein Junge und ein Mädchen, sollen dann gemeinsam mit allen überlegen, was sie mit dem Geld machen möchten – etwa gemeinsam Exkursionen unternehmen. Dadurch sollen die Kinder lernen, dass sie etwas mit ihren Entscheidungen bewirken können.

Schirmherrin des Projekts ist Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD), in deren Wahlkreis Hochfeld liegt. Sie freut sich, dass Kindern in ihrer Heimatstadt mit einem solchen Projekt Demokratieverständnis beigebracht wird. „Demokratie ist die Form, in der wir in Deutschland leben – mit Vielfalt, Meinungsfreiheit und Respekt“, erklärte Bas. Es sei wichtig, friedlich miteinander zu leben. „Daher ist es sehr wichtig, dass jetzt viele Menschen für die Demokratie demonstrieren“, betonte Bas.

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) untermauerte die Bedeutung der demokratischen Werte. „Demokratie bedeutet, dass die gewählte Mehrheit das Recht hat. Sie bedeutet aber auch, dass die Minderheit ebenfalls Rechte hat und nicht rechtlos ist“, sagte Link.

(csh)
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