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Düsseldorf: Wie wird man Nikolaus? In acht Stunden zum Nikolaus-Diplom

Ein Selbstversuch : In acht Stunden zum Nikolaus-Diplom

Zum heutigen 6. Dezember hat sich unser Autor in Köln in einem Seminar zum Nikolaus-Darsteller ausbilden lassen.

Dominik Meiering ist umringt von Nikoläusen. Er steht in einem Saal der St.-Katharina-Kirche in Köln vor einem Flipchart und schaut suchend umher. Er braucht einen Stift. Ein Kollege reicht ihm einen. Dann schreibt Meiering auf ein großes Blatt Papier, wie wichtig es in der heutigen Zeit sei, die Botschaft des heiligen Bischofs von Myra zu verkünden. Christliche Symbolfiguren wie der Nikolaus seien das Fundament unserer Gesellschaft. "Wenn unsere Kinder das nicht mehr lernen, dann gnade uns Gott."

Meiering, Pfarrer und Präses des Bundes Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ) im Erzbistum Köln, bildet Nikoläuse aus - eine bundesweit einmalige Aktion. Meiering vermittelt in einem achtstündigen Kursus den Teilnehmern Grundlagen, um den Heiligen darstellen zu können. Er lehrt die Geschichte, Werte und die Bedeutung des Bischofs, und er erklärt, worauf zu achten ist, wenn man vor Kindern und Senioren in Altenheimen auftritt.

So sieht unser Autor aus, wenn er nicht im Nikolaus-Kostüm steckt. Foto: Hans-Jürgen Bauer

Er sagt aber auch, wen er nicht mag: den Weihnachtsmann. Diese "von Coca-Cola aufgepumpte Figur" verkörpere das Gegenteil von dem, wofür der Nikolaus stehe, "nämlich Konsum statt Nächstenliebe", so Meiering. Der Überlieferung nach war Nikolaus von Myra ein griechischer Bischof im Römischen Reich, der im 3. und 4. Jahrhundert in der Nähe des heutigen Touristenorts Antalya in der Türkei gelebt haben soll. Wissenschaftlich belegt ist, dass es in Myra im 4. Jahrhundert einen Bischof mit Namen Nikolaus gegeben hat, von dem Wunderberichte verbreitet waren und der kultisch verehrt wurde.

Auch wegen des Weihnachtsmannes hat Meiering vor drei Jahren die Nikolausakademie ins Leben gerufen. Meiering sorgt sich ums Brauchtum. Mehr und mehr gerieten Identifikationsfiguren für soziales Handeln und christliche Nächstenliebe in Vergessenheit. "Ich ärgere mich, dass Schulen ihren Martinszug in einen Lichtergang umtaufen oder den Nikolaus gegen den Weihnachtsmann ersetzen", betont der Kölner Präses. Kindern und Jugendlichen würden dadurch die Vorbilder genommen.

Auch zwei Frauen sind dabei

Aus ganz Deutschland sind die Kurs-Teilnehmer zu Meierings Heimatgemeinde St. Katharina nach Köln-Niel gekommen, um ihr "Nikolaus-Diplom" zu machen. Dennis Artmeier ist aus Augsburg angereist. Der 34-Jährige gehört zu den erfahrenen Teilnehmern. Seit drei Jahren tritt er als Nikolaus auf. Er sei da irgendwie reingerutscht, sagt er. Seine Frau, eine Erzieherin, habe ihn damals gebeten, in die Rolle des Bischofs zu schlüpfen, weil der eigentliche Darsteller in ihrem Kindergarten kurzfristig ausgefallen war. "Ich musste es machen, sonst wären die Kinder enttäuscht gewesen." Nach Köln ist er gekommen, um sich fortzubilden.

Insgesamt 25 Personen zwischen 20 und 70 Jahren haben sich für den Kursus angemeldet — für mehr sei kein Platz gewesen. Unter ihnen sind auch zwei Frauen. Jutta Janßen aus Engelskirchen ist eine der beiden. Sie will den Nikolaus für ihre Enkelkinder spielen. Bei Meiering will sie lernen, wie sie das am besten hinbekommt, ohne dass die Kinder merken, dass ihre Oma vor ihnen steht.

Grundvoraussetzung für jeden, der als Nikolaus auftreten möchte, sei die Liebe zu Kindern, Jugendlichen und allen, die von ihm besucht werden wollen. Man müsse, betont Meiering, Freude daran haben, die Geschichten des Heiligen Nikolaus mit Leben zu füllen und als Vorbildcharakter zu erzählen. "Nur dann kann man authentisch und offen für die Fragen der Kinder sein", sagt der Pfarrer.

"Die alten Lieder funktionieren tadellos"

Besonders viel Feingefühl benötigt der Auftritt in Seniorenheimen, bei den Einzelbesuchen an den Betten von Demenzkranken. Da könne man nicht einfach hereinplatzen wie ein Teppichverkäufer, sagt Kursteilnehmer Georg Miklek (65), seit 20 Jahren Nikolaus. Er betritt die Zimmer immer in Begleitung von Kindern, die als Engel verkleidet sind, und mit Pflegepersonal, das sein Kommen ankündet. Der Zaubereffekt sei es, eine Situation zu schaffen, der die Kranken an ihre Kindheit denken ließe. Dann seien sie plötzlich da, hellwach. "Erstaunlich ist das ", sagt Miklek.

Noch mehr zu beachten gebe es in den Altenheimen bei Auftritten vor einer großen Gruppe älterer Menschen. Wichtig sei es, Verwandte, Freunde und wenn möglich Enkelkinder zu der Feier einzuladen. Eine zentrale Rolle spiele auch Musik. "Es gibt nichts, was die alten Leute mehr ergreift, als gemeinsam zu singen", sagt Meiering. "Aber keine neuen Sachen. Die alten Lieder funktionieren tadellos." Die Senioren müssten einbezogen werden. "Man muss sich die Zeit nehmen, um von Tisch zu Tisch zu gehen, jeden persönlich mit der Hand begrüßen", sagt er. Meiering rät auch, lustige Geschichten zu erzählen.

Lustig gehe es vor allem bei Nikolausfeiern in Schulen zu, auch wenn die mitunter sehr anstrengend sein können, klärt Meiering die Kurs-Teilnehmer auf. Sein größter Fehler sei es gewesen, dass er anfangs in Grundschulen von Klasse zu Klasse gegangen sei. "Anschließend ist man reif für die Krankenstation", sagt er. Sinnvoller sei es stattdessen, alle Schüler in der Aula oder Mensa zu versammeln, die Klassensprecher nach vorne zu bitten und ihnen die Geschenke für ihre Kameraden in einem Sack zu übergeben. "Spart Zeit und Kraft."

Am Ende gibt es eine Urkunde

Nach der Theorie folgt die Praxis. Die Teilnehmer der Nikolausakademie probieren die Kostüme an. Die Robe besteht aus Schultertuch, Albe (weißes Gewand), Stola (Amtszeichen des Klerikers), Brustkreuz, Zingulum (einfacher Gürtel), Chormantel, Bischofsring, Nikolausbuch, Bischofsstab und Mitra. Das Kostüm kann 300 Euro und mehr kosten. Meiering empfiehlt deshalb, in Gemeindebüros nachzufragen. Dort könne man sich die meisten Sachen ausleihen.

Alle 25 Teilnehmer, darunter auch der Autor dieser Geschichte, bestehen das Nikolaus-Seminar und erhalten eine Urkunde, die bescheinigt, im Namen der katholischen Kirche offiziell als Nikolaus auftreten zu dürfen. Pfarrer Meiering sagt zum Abschluss zufrieden: "So ein Tag macht mir Mut, denn er zeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich für Nächstenliebe und das Brauchtum stark machen."

(RP)