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Düsseldorf: SPD-Fraktionschef für Corona-Schnelltests in Stadien & Heimen

Debatte im NRW-Landtag : SPD-Fraktionschef für Corona-Schnelltests in Stadien und Heimen

Corona-Schnelltests sind noch gar nicht auf dem Markt. Aber schon gibt es im NRW-Landtag politischen Streit darüber. Für die SPD sind die Tests offenbar eine Art Wunderwaffe.

Schnelltest vor Konzerten, Fußballstadien, Feiern und Besuchen im Pflegeheim: Die SPD im NRW-Landtag sieht in den angekündigten Corona-Schnelltests die Möglichkeit, das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Zeiten steigender Infektionszahlen wieder in Gang zu bringen.

Durch die Schnelltests könnte die Teilnahme an Großveranstaltungen wieder zugelassen werden, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty am Dienstag in Düsseldorf. Wer bereit sei, für ein Ticket 40, 50 oder 60 Euro zu zahlen, „von dem kann ich auch abverlangen, dass er für zehn Euro dazu noch einen Schnelltest kauft“. Aber auch eine hälftige Kostenübernahme durch Veranstalter sei denkbar.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zeigte sich zurückhaltend beim Thema Schnelltests. Sie spielten zwar in der gesamten Analyse der Lage eine Rolle, sagte er vor Beginn einer Kabinettsklausur. Die künftige Corona-Teststrategie werde aber bei Bund-Länder-Gesprächen sowie der Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommende Woche abgestimmt.

Kutschaty sagte dagegen, Veranstalter und die schwarz-gelbe Landesregierung müssten rasch für die notwendigen Testkapazitäten sorgen. Nach 15 Minuten wüssten Fans oder Konzertbesucher sicher, ob sie ins Stadion gehen könnten oder nicht. Das sei eine „sehr simple, sehr einfache, aber sehr effektive Möglichkeit mit verhältnismäßig geringem Kostenaufwand, um den Menschen wieder Zugang zu Veranstaltungen zu ermöglichen. Organisatorisch sind Massenschnelltests nach Einschätzung Kutschatys auch kein Problem.

Eine neu ausgerichtete Strategie für Corona-Tests im Herbst und Winter soll nach Angaben der Bundesregierung bis 15. Oktober umsetzungsbereit sein. Dazu gehören auch Antigen-Schnelltests als Ergänzung zu den PCR-Tests mit Abstrichen, die ins Labor müssen. Die Schnelltests seien mittlerweile qualitativ besser geworden, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt. So könnten beispielsweise Besucher von Pflegeheimen schnell getestet werden, um direkt ein Ergebnis zu erfahren.

Nach Meinung von Medizinern sollten die Schnelltests aber mit Bedacht bewertet werden. Ein Antigen-Test sei nicht so genau wie ein PCR-Test, warnen sie. Experten sehen in Schnelltests daher eher eine sinnvolle Ergänzung, aber keinen Ersatz für PCR-Labortests.

Die CDU-Landtagsfraktion nannte Kutschatys Forderungen weltfremd. Selbst wenn vor einem Fußballspiel oder Konzert mit 30.000 Besuchern Test- und Raumkapazitäten für 100 Schnelltests gleichzeitig geschaffen werden könnten, würde der Einlass mehr als zwei Tage dauern. „Das kann doch kein ernsthafter Vorschlag für mehr Normalität in der Pandemie sein“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Peter Preuß.

Schnelltests könnten ein zusätzlicher Baustein für mehr Sicherheit und verantwortungsvolle Normalität sein. „Aber auch für den Einsatz dieser Tests, die ein Ergebnis nach zehn bis 15 Minuten versprechen, braucht es Augenmaß.“

(hsr/dpa)