Düsseldorf: Polizei NRW verschärft Kampf gegen Kinderpornografie

Konsequenz aus Lügde-Missbrauchsfall : Polizei NRW verschärft Kampf gegen Kinderpornografie

Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen Kindesmissbrauchs steigt seit Jahren. Viele Fälle bleiben liegen. Jetzt will die NRW-Polizei den Kampf dagegen verschärfen – unter anderem mit mehr Personal.

Die nordrhein-westfälische Polizei kommt bei den Ermittlungen zu Kindesmissbrauchsfällen nicht hinterher. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums befinden sich von landesweit insgesamt 1895 Ermittlungsverfahren nur 228 in der Auswertung. „Die Kreispolizeibehörden schaffen es einfach nicht, die riesigen Datenmengen auszuwerten“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag. Zudem könnten 557 Durchsuchungsbeschlüsse nicht vollstreckt werden. 

Grund für die Misere ist vor allem fehlendes Personal bei der Polizei. So gibt es nach Angaben des Innenministeriums landesweit nur 104 Stellen in allen Polizeibehörden, die sich mit Kindesmissbrauch beschäftigten – und das bei mehr als 40.000 Polizisten. „Das hat mich sprachlos gemacht, als ich davon erfahren habe“, sagte Reul. Die Zahl dieser Stellen soll schnellstmöglich verdoppelt werden. Dafür sollen die 47 Kreispolizeibehörden Kräfte von anderen Bereichen abziehen – etwa der Einbruchskriminalität.  Außerdem soll die Aufarbeitung der Daten künftig  im Landeskriminalamt (LKA) zentralisiert werden.

„Ich mache den Kampf gegen Kindesmissbrauch zur Chefsache. Das erwarte ich auch von den Behördenleitern. Das wird jetzt ein Schwerpunkt der Arbeit der NRW-Polizei“, sagte Reul. Jahrelang hätten Politik und Polizei die Augen vor Thema verschlossen. „Es ist nichts passiert in dem Bereich. Das Thema ist vernachlässigt, wenn nicht sogar verdrängt worden“, so der Minister. Er selbst hat sich beim Landeskriminalamt (LKA) ein Bild der Lage gemacht. Und das, was er da gesehen hat, habe ihn bis ins Mark erschüttert.  „Danach konnte ich nicht mehr ruhig schlafen“, so Reul. 

Seit Jahren steigt in NRW die Zahl der Ermittlungsverfahren im Bereich Kindesmissbrauch.  Nach Angaben des Innenministeriums gab es 2016 insgesamt 1025 solcher Verfahren; im Jahr 2017 waren es 1250 und im vergangenen Jahr 1412. „Das heißt nicht, dass die Welt pädophiler geworden ist, sondern dass einfach mehr bekannt und zur Anzeige gebracht wird“, sagte Ingo Wünsch, Leiter der Stabsstelle Kinderpornografie im Innenministerium. Demnach seien die meisten Opfer zwischen sechs und 13 Jahren und überwiegend weiblich. „Aber selbst Säuglinge und Kleinstkinder werden schwer missbraucht“, betonte Wünsch. 

Durch die Reform der Kindesmissbrauchs-Ermittlungen sollen die Täter künftig schneller gefasst und Opfer während eines noch andauernden Missbrauchs frühzeitiger befreit werden.  Außerdem sollen diese Verbrechen künftig wesentlich härter bestraft werden. Dazu haben sich die Innenminister der Länder auf Initiative von NRW verständigt. 

Die Verstärkung der NRW-Polizei ist auch eine Konsequenz aus dem Missbrauchsfall von Lügde. Auf einem Campingplatz sollen dort über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder sexuell missbraucht worden sein. Drei Männer müssen sich ab Ende Juni vor Gericht verantworten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Abrissarbeiten auf Campingplatz in Lügde nach Missbrauchsskandal

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