Unterwegs im „deutschen Orient-Express“ Legendärer Luxuszug Rheingold fährt Samstag in Düsseldorf los

Düsseldorf · Dank des Engagements von mehr als 200 Freizeit-Eisenbahnern ist der legendäre Luxuszug Rheingold auch heute noch unterwegs. Er war einst das deutsche Pendant zum Orient-Express. Die nächste Fahrt führt von Düsseldorf zum Frankfurter Weihnachtsmarkt.

Rheingold-Fahrt mit dem historischen Zug nach Frankfurt
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Adventliche Zugfahrt von Düsseldorf nach Frankfurt

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Foto: FEK

Der sagenumwobene Nibelungenschatz musste als Namenspate herhalten für den wohl luxuriösesten Zug aus deutscher Produktion, den Rheingold. Er war 1928 die Antwort auf eine Schienenlegende wie dem Orient-Express und sollte vor allem eine betuchte Klientel standesgemäß befördern. Vom Fährhafen Hoek van Holland ging es damals entlang des Rheins bis in die Schweiz, einem beliebten Reiseziel der britischen Oberschicht. Fast 100 Jahre später fährt der Rheingold immer noch, allerdings nur zu speziellen Anlässen und mit Eisenbahn-Romantikern und -Nostalgikern als Gästen. Am Samstag heißt es am Düsseldorfer Hauptbahnhof: „Einsteigen bitte!“ Das Ziel der (noch nicht ausgebuchten) Tagesfahrt: der Frankfurter Weihnachtsmarkt.

Dass der Rheingold überhaupt noch über deutsche Schienen rollt, ist mehr als 200 Eisenbahn-Enthusiasten zu verdanken, dem seit 1955 existierenden Freundeskreis Eisenbahn Köln. Ehrenamtlich kümmern sie sich um zehn historische Wagen, die schon seit Jahrzehnten in ihrem Besitz sind, und veranstalten die Sonderfahrten. Dem Kern von rund 30 aktiven Vereinsmitgliedern verlangt das einiges ab. „Es gibt immer etwas zu tun, sowohl an den Fahrzeugen als auch an den Gebäuden“, sagt Klaus Tessmann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und Geschäftsführer der Rheingold-Zug-Betriebsgesellschaft. Die Wagen müssen instandgehalten und gewartet werden, einiges schaffen die Eisenbahnfreunde selbst, kompliziertere Arbeiten übernehmen Dienstleister. Eine alle acht Jahre fällige Hauptuntersuchung kann dabei für einen Wagen schonmal rund 70.000 Euro verschlingen.

Gegenfinanziert werden diese enormen Summen über die Sonder- und Kulinarikfahrten. Sie führen an die unterschiedlichsten Ziele, zuletzt etwa nach Höxter, auch mal nach Westerland oder Basel. Vor allem aber geht es darum, die besonders stilvolle Art des Reisens wiederzubeleben und zu vermitteln. Früher saßen die Gäste auf bequemen Fauteuils und wurden am Platz bedient, jeder zweite Wagen hatte eine Küche. Heute sitzen die Passagiere nicht mehr in den originalen Sesseln, aber immer noch überdurchschnittlich komfortabel, das Essen wird im eleganten Speisewagen serviert. Sowohl ein sogenannter Buckelspeisewagen mit einer Küche auf zwei Etagen als auch ein Aussichtswagen mit verglastem Dach sind im Besitz der Freizeit-Eisenbahner.

Dazu muss man wissen, dass die Reichsbahn den Rheingold im Jahr 1939 vom Gleis nahm. Erst 1962 knüpfte die Deutsche Bundesbahn an den Mythos an und brachte einen neuen Rheingold auf die Schiene. Diese Version bot nicht mehr ganz den plüschigen Luxus des Vorgängers, war aber noch ein reiner Erste-Klasse-Zug, den sich nur Gutverdiener leisten konnten. Während der alte Rheingold untenrum blauviolett und oben cremefarben lackiert war und der Name unübersehbar in goldenen Buchstaben auf der Flanke prangte, kam die neuere Version einfacher in Blau-Gelb daher. Tessmann kennt den Zug noch aus seiner Kindheit. „Mir war es aber nie vergönnt, darin mitzufahren“, sagt er. Im Jahr 1987 rangierte die Bundesbahn den Rheingold endgültig aus.

So halten nur noch die Kölner die Legende lebendig. Wie lange das noch gelingt, weiß Tessmann nicht. Denn auch die Eisenbahnfreunde haben mit dem demografischen Wandel zu kämpfen, der Altersschnitt im Verein ist hoch, Nachwuchs lässt sich nur schwer finden. Dabei werden alle Hände gebraucht, für die Fahrten, für die Pflege der Wagen, für Reparaturen an den von der Bahn gemieteten Gebäuden, in denen der Rheingold in Köln-Nippes steht. „Die sind in teils marodem Zustand“, sagt Tessmann. Der Verein ist nur Mieter, kaufen darf er die Gebäude nicht, möglicherweise, sagt Tessmann, weil die Bahn anderes damit vorhabe. Dabei würden die Hobby-Eisenbahner gerne noch den 100. Geburtstag des Rheingold im Jahr 2028 feiern. Aber das ist ungewiss.

Der Rheingold wurde früher auch als das deutsche Pendant zum Orient-Express bezeichnet. Im stimmungsvollen Abendlicht strahlt der Zug noch mehr Eleganz aus.

Der Rheingold wurde früher auch als das deutsche Pendant zum Orient-Express bezeichnet. Im stimmungsvollen Abendlicht strahlt der Zug noch mehr Eleganz aus.

Foto: FEK

Unterstützer sind also willkommen, sagt Tessmann, vor allem welche, die mit anpacken wollen. Denn die Nachfrage nach den Sonderfahrten, vor allen den Gourmet-Touren, ist in der Regel groß. „Es ist offensichtlich reizvoll, in angenehmer Atmosphäre zu speisen, während die Landschaft draußen vorbeizieht“, sagt Tessmann. Diese heute meist verlorene Reisekultur, die der Zug verkörpere, sei es auch, was seine Faszination ausmache, sagt Tessmann. Für die Menschen, die mit dem Rheingold unterwegs sind, ist tatsächlich der Weg das Ziel.

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