Düsseldorf: Kitaplätze in NRW reichen nicht aus - trotz Ausbau von Kindergärten

Trotz Ausbau von Kindergärten : Kitaplätze in NRW reichen nicht aus

Zum 1. August hat das neue Kita-Jahr begonnen. Obwohl immer mehr Kindergartenplätze geschaffen werden, gehen Eltern vielfach immer noch leer aus und müssen sich dann eine Lösung einfallen lassen. Ein Beispiel aus der Praxis.

Wer Nachwuchs bekommt, der kriegt Hilfe vom Staat bei der Betreuung und beim Wiedereinstieg in den Beruf - so steht es seit 2013 im Sozialgesetzbuch. Seitdem haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ihre Kinder unter drei Jahren. Doch die Realität sieht meistens anders aus. Denn es gibt bei weitem nicht so viele Plätze, wie gebraucht werden. Und dann kommen Eltern schon mal in Schwierigkeiten.

Die Düsseldorferin Lena Capito ist eine von denen, die erstmal keinen Platz bekommen haben. Dabei hatte sie sich schon früh gekümmert. Schon als sie im siebten Monat mit Anna schwanger war, hat sie sie auf die Wartelisten der Düsseldorfer Kitas gesetzt, trotzdem ging sie zunächst leer aus. Jetzt im Oktober wird Anna schon zwei, und endlich hat sie einen Kita-Platz bekommen.

So wie Lena Capito geht es vielen Eltern in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Kinderbetreuungsreport 2017 des Deutschen Jugendinstituts (DJI) lag der Bedarf an Kitaplätzen für Kinder unter drei Jahren (U3) 2016 deutschlandweit bei 46 Prozent, für NRW waren es 42 Prozent. Doch die U3-Versorgungsquote in NRW liegt laut Familienministerium zum Kindergartenjahr 2018/19 (Beginn 1. August) bei 38,1 Prozent. Und obwohl sich diese Quote in den vergangenen Jahren schon verbessert hat, bedeutet das auch jetzt noch: Immer wieder gehen Eltern leer aus.

In Lena Capitos Fall war das zunächst verschmerzbar. „Ich hatte bei meinem Arbeitgeber 18 Monate Elternzeit beantragt“, sagt sie. Nach etwa zwölf Monaten hätte Anna in die Kita gehen sollen. Die Firma sei in der Zwischenzeit aber in die Insolvenz gegangen - einen zwingenden Termin zum Wiedereinstieg gab es also erstmal nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit konnte in der Familie aufgefangen werden. Sonst, so sagt Capito, wäre sie in große Schwierigkeiten geraten.

Für solche schwierigen Fälle gibt es in Düsseldorf den „i-Punkt Familie“ des Jugendamtes. Der reguläre Weg geht aber erstmal über die Internet-Plattform Kita-Navigator. Hier melden Eltern an, wann und wo sie ihre Kinder gerne in die Kita schicken würden und wie alt diese dann sind. Ein Jahr im Voraus reiche aus. „Das hat sich bewährt“, sagt Johannes Horn, Amtsleiter des Düsseldorfer Jugendamts. Wer leer ausgeht, hat noch die Chance auf Nachrücken: Eltern müssen sich innerhalb von drei Wochen entscheiden, ob sie den zugewiesenen Platz möchten, danach wird er an die Wartenden vergeben.

In Lena Capitos Fall war der Kita-Navigator nicht besonders hilfreich. Zwischen Annas Geburt und dem Zeitpunkt, als sie in die Kita sollte, sind die Capitos innerhalb von Düsseldorf umgezogen. „Dass wir das wollten, wussten wir schon, hatten aber erst noch keine Wohnung.“ Diese Situation im Kita-Navigator wiederzugeben, sei schwierig gewesen. Auch ihre berufliche Situation konnte dort nicht berücksichtigt werden. Sie hatte mitunter den Eindruck, das System sei unübersichtlich und die einzelnen Stellen tauschten sich zu wenig aus. „Aus unserer Krabbelgruppe hatten sich zehn Mütter angemeldet, drei haben überhaupt einen Platz bekommen, eine davon gleich drei Plätze“, erinnert sie sich.

Das Nachrückverfahren sei wiederum undurchsichtig gewesen. Wer leer ausgegangen ist, habe nicht Bescheid bekommen, sondern eben keine positive Nachricht. Dass sie nachrücken konnten, hätten viele dann auch erst acht oder sogar nur vier Wochen vor Kita-Start erfahren. „Da hatten alle natürlich vorher schon Panik und haben sich nach einer anderen Möglichkeit umgesehen“, sagt Capito. Denn manche der Mütter hätten den Platz dringend zum festgelegten Termin gebraucht.

„In Düsseldorf werden eigentlich alle versorgt. Nur vielleicht nicht immer zeitgleich mit den Wünschen der Eltern“, sagt Jugendamtsleiter Horn. Hier liegt die Versorgungsquote für U3 bei 48 Prozent - das entspricht 8636 Plätzen. Das ist schon mehr als in anderen NRW-Kommunen. In Dortmund liegt die U3-Quote derzeit bei 31,5 Prozent. In Münster sind es 45 Prozent, Köln hat zum neuen Kitajahr eine Versorgungsquote von 40,8 Prozent. Und alle arbeiten daran, diese Zahlen zu verbessern. Durch Bau neuer Einrichtungen, durch Stärken der Kindertagespflege - also bei Tagesmüttern oder -vätern - und durch Förderung der Ausbildung, so heißt es von den Jugendämtern der Städte.

Doch wenn es für Eltern schnell gehen muss, müssen die Jugendämter sofort helfen. In Düsseldorf beim „i-Punkt Familie“, wo im Beratungsgespräch gemeinsam nach einer Lösung gesucht wird. „Manche können vielleicht eine Phase privat überbrücken“, sagt Horn, andere Möglichkeiten seien, neue Gruppen zu öffnen oder kurzfristig überzubelegen. Klagen konnten so - zumindest in Düsseldorf - immer abgewendet werden.

„Was der Staat nicht schafft, wird auf dem Rücken der Kita-Mitarbeiter ausgetragen“, sagt Lena Capito. Denn die müssten so eine Überbelegung ja ausbaden. Deshalb habe sie, als Anna ein Jahr alt wurde, keinen Rechtsanspruch geltend gemacht. „Anna ist im Oktober geboren. Im August zum neuen Kitajahr hatte ich noch keinen Anspruch, im Oktober waren die Gruppen voll - da hätte es sicher bedeutet, dass sie eine zu viel ist.“

Viele hätten ihr auch davon abgeraten, den Anspruch geltend zu machen. Denn dann müssen Eltern nehmen, was ihnen zugewiesen wird. „Angemessener Platz in zumutbarer Entfernung“ ist laut Familienministerium NRW die Bedingung. Dabei ist Müttern wie Lena Capito ja vor allem etwas anderes wichtig: „Dass Anna sich in der Kita wohlfühlt.“

(mba/dpa)
Mehr von RP ONLINE