Düsseldorf: "Fridays for Future"-Demo vor dem Landtag 25.1.

„Fridays for Future“-Demonstration : Schule schwänzen für den Klimaschutz

Am Freitag haben bei der dritten „Fridays for Future“-Demo zahlreiche Schüler vor dem Düsseldorfer Landtag für Klimaschutz demonstriert. Dafür schwänzten viele die Schule. Das Schulministerium NRW verwies auf die Schulpflicht.

Es herrschen Minusgrade, Schnee liegt am Freitagmorgen in Düsseldorf. Rabea Sise hat sich warm angezogen. Eigentlich müsste die 21-Jährige im Berufskollegs-Unterricht sitzen – wie auch die rund 80 anderen, zum Großteil minderjährigen Schüler, die sich auf der Wiese vor dem Landtag versammelt haben. Sie halten Schilder hoch. „Blümchenduft statt Dieselluft“, steht auf einem geschrieben, auf einem anderen: „Wir gehen mit der Welt um, als hätten wir eine zweite im Kofferraum“.

„Fridays for Future“ heißt die Demo, die in Düsseldorf nun schon zum dritten Mal stattfindet, und Rabea Sise hat sie initiiert und angemeldet. „Über Organisationsgruppen für Aktionen gegen die Abholzung vom Hambacher Forst habe ich von Schülern aus Kiel erfahren, die jeden Freitag demonstrieren gehen. Also habe ich eine Gruppe für Düsseldorf gegründet“, sagt sie. Dass die Schüler die Schule schwänzen, sieht sie relativ locker. „Ein Streik ist doch nur effektiv, wenn es Druck gibt.“

Schüler demonstrieren vor dem Düsseldorfer Landtag für den Klimaschutz

In der vergangenen Woche waren zu der Demo sogar rund 300 Schüler gekommen. Diesmal sind es weniger, weil viele nach Berlin gefahren sind, wo Tausende junge Menschen für den Kohleausstieg auf die Straße gingen. Die Proteste finden zurzeit bundesweit in zahlreichen Städten statt, auch in der Schweiz und in Belgien. In NRW gibt es bislang zwölf Ortsgruppen. Vorbild der Demonstranten ist Greta Thunberg: Die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden ist mittlerweile weltbekannt, für ihren Protest schwänzt sie seit Monaten freitags die Schule, sie hat bei der UN-Klimakonferenz in Polen gesprochen und fand beim Weltklimagipfel in Davos an diesem Freitag drastische Worte.

Viele Schüler bekommen den Unterrichtsausfall von ihren Eltern entschuldigt. Merle Jütten (15), Aline Roosen (16) und Sonngard Daum (15) waren schon in der vergangenen Woche dabei. Die drei Schülerinnen besuchen die Waldorf-Schule, im Sozialkunde-Unterricht haben sie viel über Umweltschutz diskutiert. „Viele Lehrer und Eltern stehen dahinter, dass wir demonstrieren gehen“, sagt Merle. „Meine Eltern sind froh, wenn ich Verantwortung übernehme.“ Aber in den Whatsapp-Gruppen, mit denen sich die Schüler organisieren, habe man oft lesen können, dass Schüler aus anderen Städten Probleme bekommen, in der Schweiz werde gar mit dem Schulverweis gedroht.

Erik Stephan (16) ist Schulsprecher des Düsseldorfer Goethe-Gymnasiums und Sprecher des Düsseldorfer Jugendrats. Er freut sich, dass viele Eltern das Engagement der Schüler unterstützen. „Bei den Lehrern ist es mal so, mal so. Einige Lehrer sind dagegen, andere kommen mit der ganzen Klasse, um an der Demo teilzunehmen“, sagt er. Der Jugendrat stellt allen Schülern ein Entschuldigungsschreiben zur Verfügung. Erik meint, dass sich etwas verändert. „Viele junge Menschen meiner Generation denken politisch, engagieren sich für die Umwelt und ernähren sich vegetarisch. Die Jugend sorgt sich“, sagt er. „Und zwar schulübergreifend. Wir sind die Generation, die es am meisten betrifft. Und wir fordern eine Klimapolitik, die für unsere Zukunft tragbar ist.“ Dass Konzerne Profit machen, Parteien auf Wählerfang gehen, aber in der Klimapolitik nicht viel passiere, ärgert ihn sehr. „Flüge sind so billig, aber umweltschonendes Bahnfahren ist teuer“, sagt Elisabeth Klemm (15) vom Leibniz-Montessori-Gymnasium. „Wir sind die letzte Generation, die etwas tun kann.“

Das Schulministerium NRW begrüßt zivilgesellschaftliches Handeln von Schülern. Allerdings seien diese an die Schulpflicht gebunden. „Eine Verletzung der Schulpflicht kann verschiedene erzieherische Maßnahmen nach sich ziehen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Unentschuldigtes Fehlen wird auf dem Zeugnis dokumentiert.“ Die Entscheidung sei letztendlich der Schulleitung überlassen, die die Schüler im Einzelfall vom Unterricht befreien kann. „Eine solche Befreiung dürfte in der Regel nicht in Betracht kommen“, heißt es weiter. Ein gewisser Spielraum bleibt der Schulleitung aber doch: Die Pflicht zur Teilnahme im Unterricht werde erfüllt, wenn die Schule den Unterricht an außerschulische Lernorte verlegt. Dazu müsse sie ein pädagogisches Konzept verfolgen und Fachkräfte die Schüler begleiten. „Ohne das Vorliegen dieser Bedingungen kann ein Verlassen der Schule nicht gerechtfertigt sein.“

Ida Berthold (14) und Katharina Kensbock (15) sind aus Wuppertal zur Demo gekommen, und mit ihnen fast ihre ganze Klasse. „Wir haben mit dem Schulrat darüber gesprochen und es wurde nur positiv aufgefasst. Es ist wichtig, dass wir uns als Schüler engagieren“, sagt Ida. Auf ihrem Schild steht: „Der Klimawandel wartet nicht bis der Bachelor fertig ist.“ „Fridays for Future“ soll in Düsseldorf ab jetzt jeden Freitag stattfinden. Im März haben die Schülerinnen auch in Wuppertal eine Demo geplant.

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