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Düsseldorf: Apotheker Thomas Preis warnt vor der Herstellung von Desinfektionsmitteln

„Finger weg von Experimenten!“ : Apotheker warnt vor selbstgemachten Desinfektionsmitteln

Desinfektionsmittel sind begehrt wie nie, in Apotheken und Drogeriemärkten ist so gut wie nichts mehr zu kriegen. Viele mixen sich die Mittel nun selbst zusammen - davor warnen Experten aber. Und Apotheken dürfen Desinfektionsmittel nun auch in größeren Mengen herstellen.

Die Angst vor dem Coronavirus sorgt für Lieferengpässe bei Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln. In den meisten Drogeriemärkten und Apotheken sind die Regale seit Tagen leer. Krankenhäuser in NRW beklagen sogar Diebstähle. Im Internet kursieren nun Anleitungen zur Herstellung von Desinfektionsmitteln – mit Zutaten wie Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Glycerin. Doch Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekenverbands Nordrhein, sagt: „Wir warnen grundsätzlich davor, Desinfektionsmittel selbst zu mixen – aus Haftungsgründen, aber auch aus medizinischen Gründen. Es könnten Produkte in den Umlauf kommen, die möglicherweise Menschen schädigen.“ Desinfektionsmittel unterlägen dem Arzneimittelgesetz. „Man kann also sogar gegen das Recht verstoßen, was mit hohen Strafen geahndet werden kann“, sagt Preis. „Der Laie kann nicht unterscheiden, ob die Rezepte, die im Netz kursieren, Fake News oder gute Vorschläge sind.“

Thomas Preis, Chef der Apothekerverbände Köln und Nordrhein. (Archivbild) Foto: kn/k.n.

Insbesondere bei Mitteln, die auch gegen Viren wirken sollten, könne man sehr viel falsch machen. „Mein Appell ist: Finger weg von irgendwelchen Experimenten! Das wäre fast so, als würde man ein Arzneimittel selbst herstellen.“ Desinfektionsmittel dürften ausschließlich von Apothekern oder bestimmten Herstellern erzeugt werden. „Wir haben in dieser Woche grünes Licht für alle Apotheken bekommen, dass die Mittel jetzt auch in größeren Mengen hergestellt werden können“, sagt Preis. Durch EU-Regelungen war die Herstellung verschiedener Mittel vor einigen Jahren eingeschränkt worden, wie Preis sagt. „Aber jetzt sehen wir, wie wichtig es ist, dass öffentliche Apotheken entsprechend große Mengen produzieren dürfen – insbesondere dort, wo es notwendig ist und Desinfektionsmittel sind in diesen Tagen nicht nur im Kreis Heinsberg knapp.“ Zum einen müssten die Ärzte versorgt werden, zum anderen die Patienten, die wegen ihrer Erkrankung auf Desinfektionsmittel angewiesen seien. „Jetzt bewährt sich, dass jede Apotheke verpflichtet ist, ein vollfunktionsfähiges Labor zu haben.“

Preis weist darauf hin, dass Desinfektionsmittel nicht zwingend erforderlich sind beim normalen Händewaschen. „Es reicht Seife“, sagt er. Eine falsche Annahme sei auch, dass das Desinfizieren der Hände ein gründliches Händewaschen ersetzen könne.

Wenn im Haushalt jemand eine Virusgrippe oder das Coronavirus habe, sei es durchaus empfehlenswert, Flächen und Gebrauchsgegenstände wie Türklinken, Tastaturen oder Fernbedienungen zu desinfizieren. Für alle anderen reiche es, diese intensiver und häufiger zu reinigen. „Das geht aber auch mit einem normalen Haushaltsreiniger“, sagt Preis. Haushaltsreiniger mit Ethanol seien okay, „ich rate aber davon ab, die Reiniger etwa in Glasflaschen umzufüllen – wir haben immer wieder schlimme Vergiftungsunfälle, weil chemische Lösungen aus Versehen getrunken wurden.“