Doula in Düsseldorf: Sophie Wölbling erklärt, wie eine emotionale Geburtsbegleiterin arbeitet

Doula in Düsseldorf : Mit der Doula in den Kreißsaal

In NRW gibt es zu wenig Hebammen. Immer mehr Frauen engagieren daher auf eigene Kosten eine emotionale Geburtsbegleiterin, die ihnen zur Seite steht. Auch Herzogin Meghan soll eine Doula haben.

Wenn Stefanie H. (34) an die Geburt ihres ersten Kindes denkt, dann erinnert sie sich vor allen Dingen an das Gefühl, alleine gewesen zu sein. Das lag nicht an ihrem Ehemann, der die ganze Zeit dabei war, sondern am Krankenhauspersonal. Ärzte und Hebammen ließen sich zwar ab und zu blicken, kontrollierten aber immer nur den Gesundheitszustand des Babys, für ein freundliches Wort an die werdende Mutter war keine Zeit. Dann musste plötzlich alles ganz schnell gehen. Das Kind müsse jetzt sofort auf die Welt kommen, hieß es. Zur Not würde man eine Saugglocke einsetzen. Zwei Ärztinnen drückten mit ihrem Körpergewicht von außen auf den Bauch, dann war ihr Sohn endlich da.

„Dieses Bild von der Ärztin, die mit der Saugglocke droht, kriege ich nicht aus meinem Kopf“, sagt Stefanie H. auch noch zwei Jahre danach. Jetzt ist sie wieder schwanger und wünscht sich für die zweite Geburt einen anderen Ablauf. Dafür hat sie Sophie Wölbling (36) engagiert. Wölbling ist ausgebildete Doula, eine nichtmedizinische Geburtsbegleiterin. Wenn die Geburt losgeht, wird sie Stefanie H. ins Krankenhaus begleiten und während der gesamten Geburt an ihrer Seite sein, egal wie lange es dauert. „Ich bin als emotionale Stütze mit im Raum“, erklärt Wölbling ihre Rolle. „Wie eine mütterliche Freundin, die Ruhe und Sicherheit in die Situation bringt.“ Der Begriff „Doula“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Dienerin der Frau“.

Wölbling hat selbst drei Kinder und arbeitet hauptberuflich als Übersetzerin. Seit 2015 ist sie daneben auch als Doula tätig, 20 Geburten hat sie seitdem begleitet. „Ich bin der Überzeugung, dass jede Frau unter der Geburt eine Eins-zu-Eins-Betreuung verdient hat“, sagt Wölbling. Dafür hat sie eine neunmonatige Ausbildung beim Verein „Doulas in Deutschland e.V.“ absolviert. Seitdem bekommt sie rund 25 Betreuungsanfragen pro Jahr, annehmen kann sie abhängig von den jeweiligen Entbindungsterminen der Frauen aber nur sechs. In den USA ist der Einsatz von Doulas sehr viel verbreiteter als in Europa, doch auch hier nimmt ihre Bekanntheit zu. Gerüchten zufolge soll auch Meghan Markle für die bevorstehende Geburt ihres ersten Kindes eine Doula engagiert haben.

Wichtig ist, dass eine Doula immer als Ergänzung zur Hebamme gesehen wird. Eine solche muss bei jeder Geburt in Deutschland anwesend sein. Allerdings können viele Krankenhäuser ihre offenen Stellen nicht besetzen, Geburtskliniken schließen. In den verbleibenden Kreißsälen müssen immer weniger Hebammen immer mehr Frauen gleichzeitig betreuen. „Viele Klinik-Hebammen arbeiten am Limit. Darunter leiden die werdenden Mütter natürlich“, sagt Barbara Blomeier vom Hebammenverband NRW. „Insofern können wir Hebammen das gut verstehen, dass die Frauen sich eine Begleitung mitbringen.“ Allerdings müssen die Kompetenzen im Kreißsaal zwischen Doula und Hebamme klar verteilt sind. Eine Doula dürfe unter keinen Umständen medizinische Ratschläge geben oder anderweitig in den Verlauf der Geburt eingreifen. Gut zureden, Getränke reichen oder Rückenmassagen geben ist hingegen völlig in Ordnung. „Solange eine Doula sich dieser Grenzen bewusst ist, kann eine Zusammenarbeit im Kreißsaal funktionieren“, sagt Blomeier.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Sophie Wölbling gemacht. Manche Hebammen, die sie in Krankenhäusern kennengelernt habe, seien dankbar für die zusätzliche Hilfe gewesen. Einige bedauern es, dass sie selbst diese enge Begleitung der Mutter nicht übernehmen können, weil der Zeitdruck es nicht zulässt.

Seit den Geburten ihrer eigenen Kinder ist Wölbling fasziniert vom Moment des Lebensanfangs. „Als Doula bin ich im größten Augenblick einer Familie dabei. Das ist sehr intim und besonders“, sagt Wölbling. Dafür nimmt sie auch die drei Wochen Rufbereitschaft rund um den Entbindungstermin in Kauf. Ihre Erfahrung zeigt, dass besonders Frauen sich eine Doula wünschen, die ähnlich wie Stefanie H., bereits eine oder mehrere negative Erfahrungen gemacht haben und deswegen mit großer Unsicherheit auf die bevorstehende Geburt blicken. Das können beispielsweise Mütter sein, die bereits einen Kaiserschnitt hatten und das zweite oder dritte Kind gerne natürlich entbinden möchten. Ab und zu betreut Sophie Wölbling auch Frauen, die bereits eine Totgeburt erleben mussten. „Da schwingen bei einer neuen Schwangerschaft natürlich viele Ängste und Emotionen mit. Ich sehe es dann als meine Aufgabe, die werdende Mutter darin zu bestärken, auf ihre eigenen Kräfte zu vertrauen.“

Eine selbstbestimmte Geburt, bei der jemand nur für sie da ist, den sie nicht mit anderen teilen muss, der ihr Zuversicht und Kraft gibt – darauf hofft auch Stefanie H.. Wenn die Wehen rund um den errechneten Geburtstermin im Juni losgehen, wird sie ihre Doula anrufen. Sophie Wölbling wird kommen, entspannt lächeln und ihr nicht mehr von der Seite weichen, bis das Kind geboren ist und an ihrer Brust liegt. „Der Gedanke daran, befreit mich total. Jetzt kann ich mich auf die Geburt freuen“, sagt H..

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