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Dormagen: Tina Kühn hat sich erst spät zur Impfung durchgerungen

Späte Coronaimpfung : „Ich möchte nicht auf einer Intensivstation nach Luft ringen“

Die große Mehrheit der Patienten auf den Intensivstationen ist ungeimpft. Trotzdem bleiben viele Skeptiker zögerlich. Tina Kühn aus Dormagen zweifelte auch. Im Ich-Protokoll erzählt sie, warum sie sich nun doch impfen ließ.

„Ich hatte lange Angst, mich impfen zu lassen, weil ich immer großen Respekt vor neuen Medikamenten habe. Und eine Impfung brauchte ich ja seit vielen Jahren nicht. Meine Angst rührt daher, dass ich 1993 nach einer Medikamenteneinnahme einen allergischen Schock bekommen habe und zusammengebrochen bin. Ich wäre damals fast gestorben. Ich hab anfangs deshalb erstaunt auf diejenigen geguckt, die regelrecht auf die Corona-Impfung gewartet haben und sich dann sofort impfen ließen. Ich war eben Skeptikerin. Auch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass innerhalb so kurzer Zeit ein gut verträglicher Impfstoff auf den Markt kommen kann.

Ich habe dann viel mit meiner Tochter geredet, die Pharmazie studiert, und mit meiner Schwester, die Arzthelferin ist. Trotzdem dachte ich, ich könnte mich irgendwie durchmogeln bis zur Herdenimmunität. Ich muss aber dazu sagen, dass ich mich sehr regelmäßig hab testen lassen, auch als die Tests kostenpflichtig waren. Ich habe mir dann noch mehr Rat geholt bei einem Impfarzt, der mir immer wieder zu verstehen gegeben hat, wie dringlich das Ganze ist. Und welche Gefahr ich auch für Schwächere darstellen würde.

 Tina Kühn, ehemalige Mitarbeiterin der Rheinische Post Mediengruppe, hat sich nach langer Überlegung doch impfen lassen.
Tina Kühn, ehemalige Mitarbeiterin der Rheinische Post Mediengruppe, hat sich nach langer Überlegung doch impfen lassen. Foto: Elisabeth Küppers
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Ich brauchte aber noch weitere Gespräche, habe mein ganzes geimpftes Umfeld gelöchert im Hinblick auf den jeweiligen Impfstoff und Nebenwirkungen, die es womöglich gab. Letztlich muss man aber einfach auf die Menschen vertrauen, die Experten sind, die Ahnung haben. Auch die Politiker sollten viel mehr auf die Mediziner hören.

Am Montag hab ich mir schließlich ein Herz gefasst und mich impfen lassen. Und ich hatte keinerlei Nebenwirkungen, noch nicht mal den Arm hab ich gespürt. Die zweite Dosis bekomme ich noch vor Weihnachten. Ausschlaggebend war für mich letztlich jetzt auch: Ich möchte nicht auf einer Intensivstation auf dem Bauch liegen und nach Luft ringen. Ich kenne Sportler, die topfit waren, und die es dann richtig erwischt hat. Am Ende war mir einfach klar: Das Virus wird mir irgendwann begegnen. Und dann will ich so gut gewappnet sein wie es geht. Ich hatte im Dezember 2020 einen schweren Unfall, bin mit dem Fahrrad unter einen Lastwagen geraten. Der Fahrer hatte mich übersehen. Ich hatte Angst um mein Leben. Und ich liebe mein Leben und möchte für meine Tochter noch lange auf der Welt sein und jetzt nichts mehr riskieren.“