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Digitalisierung: die Pläne für NRW

Schule, Gesundheit, Verkehr : So will NRW im Digitalen aufrüsten

NRW hat bei der Digitalisierung Nachholbedarf. Nun hat Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart Pläne vorgestellt, wo das Land zügig anpacken will.

Zehntausende Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken in NRW sollen bis 2020 so vernetzt sein, dass Röntgenbilder, Rezepte und Befunde elektronisch übermittelt werden können. Das ist eines der zentralen Elemente des Entwurfs einer Digitalstrategie für das bevölkerungsreichste Bundesland. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) stellte das Konzept am Mittwoch in Düsseldorf vor.

NRW soll demnach auf allen Gebieten von Schulen über den Verkehr bis zu Verwaltungen den Anschluss an das digitale Zeitalter schaffen. Deutschland habe sich jahrelang in einer Art „Dornröschenschlaf“ bei der Digitalisierung befunden, sagte Pinkwart. Das Land müsse sich aber aus den Zwängen des Stillstands befreien. Die Digitalstrategie soll zum Jahreswechsel von der CDU/FDP-Regierung beschlossen werden. Einige Vorhaben:

Gesundheit

Bis 2020 soll in NRW eine Telematik-Infrastruktur entstehen, mit der bis zu 120 000 Arzt- und Zahnarztpraxen, mehr als 350 Krankenhäuser und fast 4000 Apotheken vernetzt werden können. Auch Pflegeheime und andere Einrichtungen sollen angeschlossen werden. Rezepte, Röntgenaufnahmen und Arztbefunde sollen dann nicht mehr in Papierumschlägen, sondern schnell und sicher elektronisch übermittelt werden. Die technische Umsetzbarkeit sei nicht das Problem, sagte Pinkwart. Er hoffe vor allem auf eine höhere Akzeptanz bei den Beteiligten. Bei der elektronischen Gesundheitskarte etwa ist die elektronische Patientenakte nach Jahren noch nicht auf den Weg gebracht worden.

Verkehr

Nicht mehr im Stau landen dank eines digitalen Stauvermeidungssystems: Dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen sollen künftig an allen wichtigen Autobahnkreuzen stehen. Per digitaler Ampelsteuerung soll auch auf Landstraßen der Verkehr reibungslos fließen. Eine landesweite Plattform soll Vorrangrouten und Restriktionen für den Schwerlastverkehr erfassen und die Daten für Navigationssysteme bereitstellen. Nicht zuletzt biete die Digitalisierung auch die Chance, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren, etwa durch Tele-Arbeit und Homeoffice, Online-Besprechungen und digitale Behördengänge.

Schulen und Universitäten

Alle Schulen sollen mit Glasfaseranschluss für schnelles Internet und mit modernen Geräten ausgestattet werden. Zur Finanzierung soll das milliardenschwere, aber von den Kommunen kaum genutzte Programm „Gute Schule 2020“ genutzt werden. Alle Bildungseinrichtungen müssten sich viel stärker digitalen Medien und der Vermittlung digitaler Kompetenzen öffnen, heißt es in dem Strategiepapier. Gefördert werden soll auch in Hochschulen das E-Learning. Einzelne Lernmodule oder ganze Kurse sollen zwischen Hochschulen ausgetauscht und in jeweilige Online-Lernplattformen gestellt werden.

Verwaltung

Viele Behördengänge sollen überflüssig werden, weil sie online im digitalen Bürgerbüro abgewickelt werden könnten. Auch für die rund 800 000 Beschäftigten in Land und Kommunen könnte es im Arbeitsalltag durch Digitalisierung spürbare Verbesserungen geben. Der erhoffte Effekt: Arbeit im öffentlichen Dienst könnte so wieder attraktiver werden.

Bau

Baugenehmigungen sollen durch digitale Verfahren künftig schneller erteilt werden. Auf sämtliche Daten eines Projekts von der Planung über den Bau bis zur Bewirtschaftung soll künftig digital zugegriffen werden können.

Die einzelnen Punkte seien überwiegend nicht mit konkreten Zeitplänen hinterlegt, erst recht gebe es keine klaren Budgetzusagen, kritisieren die Grünen im Landtag. Nach Ansicht der SPD-Fraktion bietet das Papier keine Antworten auf die Kernfrage, was die Digitalisierung konkret für die Menschen bedeute und welche Auswirkungen sie auf die Arbeitsplätze im Industrieland NRW habe.

(sef/dpa)