Stellenanzeige, Perspektiven, Online-Reputationen Diese Fehler machen Unternehmen bei der Bewerbersuche

Düsseldorf · Immer mehr Betriebe finden nicht die passenden Mitarbeitenden. Laut Recruiting-Experte Ralph Dannhäuser liegt das nicht alleine am Fachkräftemangel, sondern zu einem großen Anteil auch an den Unternehmen. Welche Fehler Arbeitgeber hier oft begehen - und wie sie vermieden werden können.

Unternehmen, die schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses hohe Anforderungen an die Bewerber stellen, würden viele Kandidaten bereits abschrecken.

Unternehmen, die schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses hohe Anforderungen an die Bewerber stellen, würden viele Kandidaten bereits abschrecken.

Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Die Zeiten, in denen der Arbeitgeber den Bewerbungsprozess bestimmt, sind endgültig vorbei. Das zumindest behauptet Recruiting-Experte Ralph Dannhäuser. „Der Arbeitgeber bewirbt sich nun quasi um die besten Talente – und nicht umgekehrt. Das ist ein Paradigmenwechsel“, findet der Geschäftsführer der Personalberatung „on-connect GmbH“.

Das Kostenpflichtiger Inhalt Werbe-Video einer Garten- und Landschaftsbaufirma aus Willich, das im Internet viral ging und mit einem kreativen Ansatz zahlreiche neue Bewerber anlockte, sei ein gutes Beispiel dafür. „Firmen müssen zeigen was sie bieten und nicht nur fordern. Das ist bei diesem Video perfekt umgesetzt“, so Dannhäuser. Ein Großteil der Unternehmen, gerade im stark verdichteten Ballungsraum NRW, wo viele Firmen in einem kleinen Umkreis um die besten Bewerber konkurrieren, würden zurzeit jedoch noch zu viele Fehler bei der Bewerbersuche machen. „Nicht ohne Grund sind die Hilferufe zahlreich“, sagt Dannhäuser im Hinblick auf den viel diskutierten Fachkräftemangel. Für ihn besteht ein klarer Zusammenhang zwischen mühseligen Bewerberprozessen und der großen Anzahl an unbesetzten Arbeitsplätzen. So blieben allein im vergangenen Jahr rund 166.000 Stellen in NRW offen. „Deutschlandweit sind es laut aktuellen Studien ja sogar über 1,2 Millionen. Der Bedarf ist also da“, berichtet der Experte.

 Recruting-Experte Ralph Dannhäuser.

Recruting-Experte Ralph Dannhäuser.

Foto: on-connect

„Es ist aber vor allem ein Verteilungsproblem“, sagt Dannhäuser. Die guten Firmen würden viele Bewerber erhalten, der Rest geht am Ende leer aus. „Die meisten Probleme sind eben hausgemacht“, findet der Experte. In folgenden Bereichen sieht er deutlichen Handlungsbedarf - und das wären seine Optimierungsvorschläge:

  • Kandidatenwelt wird falsch eingeschätzt

Vielen Unternehmen sei gar nicht bewusst, dass nur rund zehn Prozent der Berufstätigen überhaupt aktiv auf Jobsuche sind, sagt Dannhäuser. Das gehe aus Umfragen auf den bekannten Online-Jobbörsen Xing und LinkedIn hervor. Eine Studie der Universität Bamberg aus dem Jahr 2017 habe zudem ergeben, dass rund 60 Prozent aller Kandidaten lieber vom Unternehmen angesprochen werden, als sich selbst initiativ zu bewerben. „Da braucht man sich auch nicht wundern, wenn sich kein Bewerber auf eine Stellenanzeige meldet“, so der Experte. Um deutlich mehr Kandidaten zu erreichen, müssten Unternehmen demnach aktiv nach neuen Mitarbeitenden suchen und nicht mehr nur passiv darauf warten, dass sich jemand bei ihnen meldet.

  • Hohe Hürden bei den Stellenanzeigen

“Wer nach der eierlegenden Wollmilchsau sucht, schreckt die Bewerber sogleich ab“, sagt Dannhäuser. Damit meint er unter anderem umfangreiche Stellenausschreibungen, die gleich zu Beginn auf einen Schlag mehrere Anforderungen an den Bewerber stellen (z.B. Gehaltsvorstellung, Eintrittsdatum, Bewerbungszeitraum). „Da sind viele Unternehmen noch in alten Fahrwassern unterwegs“, erklärt der Recruiting-Experte. Eine einfache Kontaktaufnahme und Dialogmöglichkeit, auch ganz ohne offizielle Bewerbung, sei deutlich vielversprechender.

  • Stellenanzeigen sind nicht suchmaschinenoptimiert

Wer anstelle einer Fensterreinigungskraft nach einem „Vision Clearance Engineer“ sucht oder die Stelle „Master of opertional facility management“ ausschreibt, um einen Hausmeister zu finden, müsse sich nicht wundern, wenn es keine Rückmeldungen gibt. Gerade dann, wenn nicht gleich auf Anhieb verstanden wird, um welchen konkreten Job es sich überhaupt handelt, würden die Menschen schon gedanklich abschalten, so Dannhäuser. „Außerdem ist die Beschreibung auch wichtig für die Suchmaschinen“, sagt der Experte. Rund 50 Prozent der Jobsuchen würden ihre Suche schließlich bei Google starten. „Und wenn sie da nicht auf die richtigen Titulierungen setzen, dann haben sie keine Chance in der Trefferliste aufzutauchen“, so Dannhäuser.

  • Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Vorteilen

In den meisten Stellenanzeigen, so hat es Dannhäuser aus langjähriger Erfahrung festgestellt, würden viele Fragen, die sich die Bewerber stellen, gar nicht beantwortet. „Wie arbeitet das Team zusammen? Wie steht es um die Work-Life-Balance? Wie ist die Unternehmenskultur?“, gibt der Experte ein paar Beispiele. Vielmehr würden zahlreiche Aufgaben und Anforderungen an den Bewerber gestellt, die erneut abschreckend wirkten. Hilfreich wäre es zudem, wenn in der Jobausschreibung bereits ganz konkret beschrieben wird, wie das Tagesgeschäft im Betrieb aussieht – und welche Vorteile man in der Firma hat. „Hier könnte man beispielsweise die Mitarbeitenden befragen und die Antworten dann in die Anzeige einarbeiten“, so Dannhäuser.

  • Online-Reputationen werden ignoriert

Vielen Unternehmen sei gar nicht klar, dass ihre Mitarbeitenden hinter den Kulissen das eigene Unternehmen bewerten, sagt der Recruiting-Experte. So sind auf der Webseite Kununu, Europas führender Plattform für Arbeitgeberbewertungen, bereits über eine Millionen Unternehmen gelistet, die anonym bewertet wurden. “Für den Bewerber ist es also nur ein Mausklick, um zu erfahren, was über die Firma gesagt wird“, stellt Dannhäuser klar. Wenn eine Firma dort immer wieder schlecht bewertet werde, sei es nicht verwunderlich, wenn die Anfragen ausbleiben.

  • Keine Struktur im Interviewprozess

Eigentlich sollte das erste Gespräch bei einem möglichen neuen Arbeitgeber eine positive Erfahrung sein. „Oftmals fühlt es sich für die Bewerber aber eher so an, als sitzen sie gerade mitten in einem Verhör“, so Dannhäuser. Aus diesem Grund sollte man schon von vorneherein nicht von einem Vorstellungsgespräch, sondern stattdessen von einem Kennenlerngespräch sprechen. „Das macht einen ganz anderen Eindruck“, ist sich der Experte sicher. Außerdem würde es bei vielen Unternehmen zu lange dauern, bis die Bewerber eine Rückmeldung erhalten. “Bis dahin haben einige Kandidaten schon ein neues Unternehmen gefunden“, so Dannhäuser. Wichtig sei also eine schnelle Reaktionszeit und ein permanenter Kontakt zum Kandidaten.

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