Diensthunde: Diese Aufgaben haben Hunde bei der Polizei NRW

Kommissar Wau und Inspektor Wuff: Diese Jobs haben Hunde bei der NRW-Polizei

Rund 300 Diensthunde gibt es derzeit bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Einige von ihnen können sogar Leichen unter Wasser aufspüren. Welche Aufgaben die Hunde sonst noch haben und wie aus den Welpen überhaupt „Polizisten“ werden.

Sie sind der beste Freund unseres Freund und Helfers: die Diensthunde bei der Polizei NRW. Seit dem Jahr 1946 bildet die Polizei schon Hunde aus, die ihnen im Einsatz helfen. Die landeseigene Zucht für Nachwuchs-Polizeihunde befindet sich in Schloß Holte-Stukenbrock zwischen Bielefeld und Paderborn. Dort werden vom Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) jedes Jahr neue Welpen ausgebildet, um in den Kampf gegen das Verbrechen zu ziehen.

Das sind die Aufgaben der Hunde

  • Schutzhunde

Jeder Diensthund ist auch ein Schutzhund. Dabei handelt es sich um die Grundausbildung eines jeden Polizeihundes. Wie der Name schon sagt, sollen die Hunde vor allem eines: beschützen. „Sie können flüchtende Täter stellen oder Angriffe auf eingesetzte Polizeikräfte verhindern“, schreibt das LAFP auf Anfrage. Auch bei größeren Tumulten oder gewaltbereiten Gruppen könnten die Tiere oft allein durch ihre Präsenz Gewalt verhindern – zum Beispiel bei Fußballspielen oder Demonstrationen.

Etwa 200 der 300 Diensthunde haben zudem eine Fortbildung gemacht und können nicht nur als Schutzhunde eingesetzt werden.

  • Mantrailer (Personenspürhunde)

Mantrailer-Hunde können vermisste oder gesuchte Personen aufspüren. Aufgrund ihrer besonderen Riechfähigkeit sind diese Supernasen nach ihrer Ausbildung in der Lage, den individuellen Geruch eines Menschen wahrzunehmen und von anderen Gerüchen zu unterscheiden – auch nach mehreren Tagen und über Strecken von einigen Kilometern. „Die Mantrailer-Hunde sind dabei so konditioniert, dass sie dem Geruch einer bestimmten Person von alt nach frisch folgen, ihr somit hinterher laufen“, erklärt das LAFP. Den Geruch nehmen die Hunde auf, indem sie an einem Gegenstand der zu suchenden Person riechen.

  • Leichenspürhunde

Nach Tötungsdelikten oder Unfällen helfen Leichenspürhunde bei der Suche nach Toten. „Sie können Leichen- und Blutgeruch sowie mit Blut behaftete Tatwerkzeuge noch Wochen nach der Tat anzeigen – auch wenn der Täter versucht hat, Spuren zu beseitigen“, schreibt das LAFP. Selbst wenn eine Leiche in einem See versenkt wurde, können diese Hunde die richtige Stelle für die Polizeitaucher finden. Sie werden in einem Boot über das Gewässer gefahren und erschnüffeln Gase, die von den Leichen im Wasser aufsteigen.

Technische Geräte können Restmengen von Brandbeschleunigern nach einem Feuer kaum ausfindig machen. Hunde hingegen finden oft eine Stelle, die den Täter überführt. „Brandmittelspürhunde werden an allen relevanten Brandbeschleunigern ausgebildet“, schreibt das LAFP. Der gerichtsfeste Beweis erfolge anschließend durch eine Laboruntersuchung der gesicherten Proben.

  • Rauschgiftspürhunde

Diese Hunde werden an verschiedenen Drogen ausgebildet. Dazu zählen unter anderem Haschisch beziehungsweise Marihuana, Heroin, Ecstasy, Kokain und Amphetamine. So können sie auch in kaum auffindbaren Verstecken wie Holzverkleidungen, Steckdosen und Erdlöchern Rauschgift riechen. Sie finden selbst Rückstände von Betäubungsmitteln, die für das menschliche Auge gar nicht mehr sichtbar sind.

  • Sprengstoffspürhunde

Wenn Sprengstoffspürhunde zum Einsatz kommen, ist die Situation oft besonders heikel – schließlich könnten viele Menschen in Gefahr sein. Sie übernehmen die Durchsuchung von Menschen und Gegenständen wie Koffern. Dabei können sie alle Arten von Sprengstoffen erschnüffeln – egal ob gekauft oder selbst gebaut. Außerdem können sie versteckte Waffen und Munition finden oder bei mehreren möglichen Tatwaffen diejenige bestimmen, aus der geschossen wurde.

Welche Charaktereigenschaften muss ein Diensthund haben?

Unter anderem ein gesundes Selbstbewusstsein. Das kann man zum Beispiel einschätzen, wenn der Hund einen Raum betreten soll: „Bleibt er lieber im Gang stehen, nach dem Motto ‚Da gehe ich jetzt lieber nicht rein‘ oder marschiert er mit breiten Schultern durch die Tür und denkt sich ‚Was kostet die Welt?‘“, sagt Thorsten Behlau vom LAFP im Polizeimagazin „Streife“. Wichtig sei außerdem, dass der Hund auch in ungewöhnlichen und stressigen Situationen ruhig bleibt sowie ein ausgeprägter Spieltrieb. „Verliert ein Hund schnell das Interesse an einem Spielzeug und lässt sich so gar nicht dafür begeistern, dann ist er eher nicht für den Dienst geeignet“, sagt Behlau.

Müssen die Hunde eine bestimmte Rasse haben?

Nach Polizei-Angaben eignen sich vor allem Rassen wie der Deutsche Schäferhund, der Belgische Schäferhund, Rottweiler, Dobermann und Riesenschnauzer für den Polizei-Dienst. Bei der NRW-Polizei werden zu 90 Prozent Belgische Schäferhunde (Malinois) eingesetzt. „Die Belgischen Schäferhunde überzeugen seit vielen Jahren im Polizeieinsatz durch Selbstsicherheit, Motivation, Koordination sowie Sprungkraft und verfügen somit über Kompetenzen, welche wichtig für einen erfolgreichen Einsatz sind“, sagt Victor Ocansey, Pressesprecher des LAFP.

Wie werden aus Welpen Polizei-Hunde?

Ab einem Alter von vier Wochen werden die Welpen dahingehend beobachtet, ob sie sich für den Polizei-Einsatz eignen. Das trifft etwa auf 50 bis 60 Prozent der Hunde zu. Nach acht bis zehn Wochen beginnen sie dann mit ihrer Ausbildung zum Schutzhund. Die dauert zwischen 18 und 24 Monaten. Im Anschluss können viele Hunde dual fortgebildet werden und zum Beispiel auch noch Leichenspürhund werden. In regelmäßigen Abständen müssen die Diensthunde in einer Prüfung unter Beweis stellen, dass sie noch das richtige Näschen haben.

Hat jeder Hund sein persönliches Herrchen oder Frauchen?

Ja. Ein Hundeführer sucht sich seinen Diensthund aus – und gibt ihm einen Namen. Denn der Hund bleibt sein ganzes Leben bei ein und demselben Polizeibeamten. Dort wohnt er auch. „Die beiden sind ein Team, das eine ganz besondere Beziehung zueinander hat. Das muss einfach passen“, sagt Behlau.

Was passiert mit einem Hund, wenn er zu alt für den Polizei-Dienst ist?

Durchschnittlich werden die Diensthunde bei der Polizei in NRW bis zu einem Alter von neun bis zehn Jahren eingesetzt. Auch danach bleiben sie Eigentum des Landes NRW. Trotzdem dürfen Diensthunde auch nach ihrer aktiven Zeit bei ihrem Herrchen oder Frauchen bleiben – und dort ihren Ruhestand genießen.

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